Hallihallo aus Kopenhagen,
hier bin ich ja gerade, weil mein Mann mir geschenkt hat, dass wir meinen heutigen Geburtstag hier feiern. Und weil Geburtstag und Geschenke ja Hand in Hand gehen, kriegen heute alle die ausfĂŒhrliche Ausgabe Schreibers Naturarium â auch die kostenlosen Mitglieder. Juhu! đ„ł
Ich habe mir ĂŒberlegt, dass ich gerne immer mal wieder Ăkosysteme vorstellen möchte. Es wird also wieder eine Serie wie bei den norddeutschen Landschaften (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) geben, aber nicht hintereinander, sondern immer mal wieder â es gibt so viel zu entdecken! Fangen wir heute mit einem meiner liebsten Ăkosysteme an, dem Fluss. Ich wohne in Hamburg ja selber direkt an einem Fluss, der Tarpenbek. Das Reiher-Bild am Anfang dieses Artikels ist von dort, und auch hier seht ihr einen Abschnitt:
Bevor es mit dem âernstenâ Teil losgeht, hier ein paar Rate- und SchĂ€tzfragen fĂŒr dich â die Auflösung findest du am Ende der Ausgabe! :)
Welcher ist der lÀngste Fluss der Erde?
Wie lang ist dieser lÀngste Fluss?
Wie kurz ist der kĂŒrzeste Fluss der Welt?
Welcher Fluss fĂŒhrt das meiste Wasser?
Wie tief ist der tiefste Fluss?
Welcher ist der lÀngste Fluss Deutschlands?
Und welcher ist der KĂŒrzeste?
So, genug gerĂ€tselt. Jetzt gehtâs los:
Was ist ein Fluss?
Ein Fluss ist im Grunde genommen ein natĂŒrliches, flieĂendes GewĂ€sser, das stetig Wasser von seiner Quelle bis zu seiner MĂŒndung transportiert â sei es ins Meer, in einen See oder in einen anderen, gröĂeren Fluss. Anders als ein Bach, der meist nur wenige Meter breit und vergleichsweise flach ist, fĂŒhrt ein Fluss in der Regel deutlich mehr Wasser und besitzt ein gröĂeres Einzugsgebiet â also jene FlĂ€che, aus der sĂ€mtliches Regen- und Grundwasser in diesen Fluss gelangt. In manchen Definitionen heiĂt es, ein Bach wird zum Fluss, sobald er die Marke von fĂŒnf Metern Breite und etwa eineinhalb Metern Tiefe ĂŒberschreitet. Ganz genau festgelegt ist das jedoch nicht; letztlich kommt es vor allem auf die Wassermenge und die GröĂe des Gebiets an, aus dem das GewĂ€sser seine ZuflĂŒsse sammelt. FĂŒr die Elbe habe ich es hier mal grob eingezeichnet: Sie entspringt im tschechischen Riesengebirge auf ĂŒber 1300 Metern Höhe und mĂŒndet dann hinter Hamburg bei Cuxhaven in die Nordsee. Ihr Einzugsgebiet speist sich aus einer Menge anderer FlĂŒsse (z.B. aus Moldau und Saale) und betrĂ€gt insgesamt 148.300 kmÂČ, was durchaus beachtlich ist. In Mitteleuropa rangiert sie damit auf Platz 4 hinter Donau, Weichsel und dem Rhein.

FlĂŒsse sind faszinierende Lebensadern unserer Landschaft und man hat das GefĂŒhl, sie seien schon immer âirgendwie daâ gewesen, oder? Aber natĂŒrlich gab es auch eine Zeit, in der es keine Elbe gab, keinen Main, keine Donau und eben auch keine Tarpenbek. Deshalb schauen wir uns doch zuerst mal an, wie so ein Fluss entsteht.
Mehr und tiefergehende Artikel erhalten, mir eine Geburtstagsfreude machen und tolle Goodies abstauben:
Eiszeiten und Niederschlag â wie FlĂŒsse entstehen
FlĂŒsse entstehen nicht einfach so von heute auf morgen â ihre Bildung dauert oft viele Tausende oder Millionen von Jahren. Dabei wirken eine Menge Prozesse zusammen, durch die aus kleinen Rinnsalen schlieĂlich mĂ€chtige Ströme entstehen. Aber wie genau passiert das? Woher kommt das Wasser? Welche Rolle spielen Berge und TĂ€ler? Wie haben Eiszeiten die Flussbildung beeinflusst? Und warum Ă€ndern FlĂŒsse immer wieder ihren Lauf? Genau diese Fragen schauen wir uns jetzt an.
Zutat 1: Wasser
ZunĂ€chst einmal braucht es Wasser. Das klingt banal, ist aber entscheidend. In Regionen mit ausreichend Niederschlag â ob Regen oder Schnee â kann sich Wasser in Senken sammeln und langsam ĂŒber die Landschaft flieĂen. Es sickert oft zuerst in den Boden, um spĂ€ter an einer Quelle wieder auszutreten. Diese Quellen speisen kleine BĂ€che, die sich nach und nach vereinen und schlieĂlich einen Fluss bilden. Das Ganze funktioniert wie ein verzweigtes Wurzelsystem: Aus winzigen Rinnsalen entsteht mit der Zeit ein immer gröĂerer Strom.
Neben Niederschlag spielt auch das Schmelzwasser von Gletschern eine zentrale Rolle, das Thema hatten wir ja jetzt schon ein paar Mal. Diese riesigen Eismassen entstehen in Hochgebirgen und kalten Regionen, wenn sich ĂŒber lange Zeit Schnee ansammelt und zu Eis verdichtet. WĂ€hrend der letzten groĂen Eiszeiten bedeckten Gletscher halb Deutschland, und das Wasser muss danach ja auch irgendwo hin. Mit der ErwĂ€rmung nach diesen KĂ€lteperioden schmolz das Eis ab und setzte gewaltige Mengen Wasser frei. Dieses Wasser formte nicht nur groĂe Seen, sondern auch breite FlusstĂ€ler, die teilweise bis heute erhalten geblieben sind. Im ersten Teil der norddeutschen Landschaften haben wir ja ĂŒber Kaltzeiten gesprochen, und daher kennst du vielleicht schon diese Grafik, die ich jetzt etwas fĂŒr FlĂŒsse modifiziert habe:

Zutat 2: GefÀlle
Damit Wasser flieĂen kann, braucht es irgendeine Form von GefĂ€lle, also einen Höhenunterschied, der das Wasser abwĂ€rts Richtung Meer, See oder tiefer gelegenes Land treibt. In Gebirgen ist das GefĂ€lle oft sehr groĂ, weshalb FlĂŒsse dort schnell und reiĂend ins Tal stĂŒrzen â ich liebe diese Gebirgsströme wie diesen hier in den Alpen in der NĂ€he des Fernsteinsees, den ich im Mai 2018 fotografiert habe:
Im Flachland ist der Höhenunterschied natĂŒrlich meist geringer. Dadurch flieĂen die FlĂŒsse langsamer und haben mehr Zeit, sich ihren Weg zu suchen. GebirgsbĂ€che bilden daher oft rauschende Kaskaden, wĂ€hrend FlĂŒsse im Flachland gemĂŒtlicher flieĂen und groĂe Schleifen, sogenannte MĂ€ander, bilden:

Zutat 3: Gestein
Nicht nur das Wasser formt FlĂŒsse, sondern auch der Untergrund, durch den sie sich frĂ€sen. Dabei spielt die Erosion, also das stĂ€ndige Abtragen von Gestein, eine zentrale Rolle: FlieĂendes Wasser reibt sich am Flussbett, löst dabei Sand oder Steine heraus und formt so im Laufe der Jahrhunderte tiefe TĂ€ler oder weite Auen â ĂŒber die sprechen wir gleich noch. An den Stellen, an denen das Wasser schnell flieĂt und auf hartes Gestein wie Granit trifft, entstehen meist tiefe Schluchten. In langsameren Abschnitten ĂŒberwiegt die seitliche Erosion, so dass breitere TĂ€ler und geschwungene MĂ€ander wie der auf dem Bild oben entstehen, denn weicheres Gestein wie Ton oder Sandstein wird leichter abgetragen. Das Sediment â all das Material, das der Fluss abtrĂ€gt und an anderer Stelle wieder ablagert, wie Sand, Kies oder Schlamm â formt ebenfalls so eine Flusslandschaft. An den MĂŒndungen groĂer Ströme kann so ein Delta entstehen â ein fĂ€cherförmiges Gebiet aus vielen verzweigten Flussarmen, die ins Meer oder in einen See mĂŒnden. Dort, wo das Wasser langsamer wird, lagern sich gröĂere Mengen an Material ab, was allmĂ€hlich neue Landmassen und kleine Inseln schafft. Das bezeichnet man auch als Gleithang: Das sind die Stellen, wo Sedimente abgelagert werden. Der Gegensatz dazu ist der Prallhang, an dem Material durch die Erosion abgetragen wird:

Besonderer Fall: Unterirdische FlĂŒsse
In Karstlandschaften, die vor allem durch kalkreiche Gesteine geprĂ€gt sind, entstehen FlĂŒsse nicht immer nur an der OberflĂ€che. Kalkstein löst sich unter dem Einfluss von Wasser relativ leicht auf, sodass im Untergrund nach und nach ausgedehnte HohlrĂ€ume und ganze Höhlensysteme entstehen. Statt an der OberflĂ€che zu bleiben, kann das Wasser durch kleine sogenannte Schlucklöcher (âPonorâ) in diese unterirdischen RĂ€ume eindringen und dort zum Teil ĂŒber weite Strecken flieĂen. Mancherorts existiert oberirdisch nur ein kleines Rinnsal, wĂ€hrend sich unterirdisch ein gewaltiger Fluss ins Gestein gegraben hat. An anderen Stellen tritt das Wasser dann wieder zutage und bildet neue Quellen oder BĂ€che, die sich wieder in den sichtbaren Flusskreislauf eingliedern.

Hier siehst du einen unterirdischen Fluss in Slowenien:

TatsÀchlich habe ich auf einer Exkursion mal so einen unterirdischen Wasserlauf gefunden. Es war ein Bach, der plötzlich im steinigen Grund verschwand. Das Bachbett war dann an der Stelle trocken, das Wasser ist einfach im Boden versickert. UngefÀhr 50 Meter weiter trat das Wasser wieder aus dem Boden aus. Das sah ungefÀhr so aus:

Wie ist ein Fluss aufgebaut?
Jeder Fluss hat seinen ganz eigenen Charakter, und dennoch lassen sich grundlegende Abschnitte und Zonen ausmachen, wenn man ihn von der Quelle bis zur MĂŒndung betrachtet und gleichzeitig seinen Querschnitt unter die Lupe nimmt. Schauen wir uns doch mal an, wie diese Zonierungen aussehen und warum sie fĂŒr die Lebewesen und die Ăkologie eines Flusses so wichtig sind.
Von Rinnsal bis zum Strom: Die LĂ€ngsgliederung
Du erinnerst dich: Weiter oben habe ich ja beschrieben, dass in den gĂ€ngigsten Definitionen ein FlieĂgewĂ€sser als Fluss gilt, sobald es mehr als fĂŒnf Meter breit und etwa eineinhalb Meter tief ist. Reicht die LĂ€nge schlieĂlich mehrere hundert Kilometer und mĂŒndet das GewĂ€sser ins offene Meer, spricht man auch gern von einem Strom.
Gleichzeitig gliedern sich FlĂŒsse anhand ihres Verlaufs in verschiedene Abschnitte: Den Quellbereich (mit wenigen, kleinen ZuflĂŒssen), den Oberlauf (in der Regel noch steiles GefĂ€lle, höhere Strömung), den Mittellauf (gemĂ€Ăigtes GefĂ€lle, meist breiteres Tal) und den Unterlauf (geringes GefĂ€lle, sanfte Strömung), und am Ende folgt die MĂŒndungsregion, die oft eine Delta-Form annimmt, wenn der Fluss ins Meer strömt. In der wissenschaftlichen Terminologie (etwa nach der Wasserrahmenrichtlinie) bezeichnet man die Quellregion auch als Krenal, die schnell flieĂenden Abschnitte als Rhitral und die langsameren UnterlĂ€ufe als Potamal.
In der Praxis gibt es dabei keine starren Grenzen, sondern flieĂende ĂbergĂ€nge. Dennoch hilft diese Einteilung, um grob zu verstehen, wie sich die Bedingungen in einem Fluss von der Quelle bis zur MĂŒndung verĂ€ndern.
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Die Fischregionen
Wir können den Aufbau eines Flusses noch besser verstehen, wenn wir die Fischfauna als MaĂstab nehmen. Denn unterschiedliche Fischarten haben jeweils eigene AnsprĂŒche an Strömung, Sauerstoff- und NĂ€hrstoffgehalt, Temperatur und Substrat. Im deutschsprachigen Raum ist es deshalb ĂŒblich, die klassischen Fischregionen zu unterscheiden.
Forellenregion: Sie liegt meist im Oberlauf, wo das Wasser klar, kĂŒhl und sauerstoffreich ist. Der Untergrund besteht aus Fels und Kies, und nur Arten, die eine starke Strömung mögen, kommen hier gut zurecht. Neben Bachforellen trifft man zum Beispiel Koppen und Bachneunaugen an.
Ăschenregion: In diesem Abschnitt nimmt die FlieĂgeschwindigkeit etwas ab, das Wasser wird wĂ€rmer und der Sauerstoffgehalt sinkt leicht, wĂ€hrend der NĂ€hrstoffgehalt steigt. Neben der Ăsche finden sich Barben, Haseln (der Fisch, nicht der Baum ;-)) oder GrĂŒndlinge. Das Substrat besteht noch immer gröĂtenteils aus Kies und Steinen, aber der Fluss ist bereits etwas breiter.
Barbenregion: Hier hat der Fluss meistens eine moderate Strömung, die Wassertemperaturen steigen weiter an, und der Grund kann aus Kies, Sand oder Feinsediment bestehen. Neben der Barbe findet man Brachsen, Zander oder Rotaugen. Die Ufer sind oft nicht mehr ganz so steil, und Auen können sich ausbilden â ĂŒber die schreibe ich gleich noch.
Brachsenregion: In diesem ruhigeren Abschnitt wird das Wasser tendenziell trĂŒber, wĂ€rmer und nĂ€hrstoffreicher. Fische wie Brachse, GĂŒster oder Flussbarsch dominieren, wĂ€hrend die Strömung deutlich nachlĂ€sst. Der Fluss mĂ€andriert oft stark oder weitet sich zu gröĂeren Becken aus.
Kaulbarsch-Flunderregion: Dieser Teil liegt meist in den MĂŒndungsdeltas, wo sich das Flusswasser mit dem Einfluss von Ebbe und Flut oder zumindest dem Brackwasser des Meeres vermischt. Man spricht dann von Tideeinfluss (Tiden = Gezeiten). Tierarten wie Kaulbarsch, Flunder oder Aal halten sich hier auf, weil sie unterschiedliche Salz- oder Brackwasseranteile verkraften.

Querschnitt: Vom Wasserkörper bis zur Aue
Betrachten wir nun den Fluss im Querschnitt, also vom Wasser ĂŒber das Ufer bis hin zur angrenzenden Landschaft. Da gibt es erst einmal den eigentlichen Wasserkörper, klar. Direkt am Boden befindet sich das Flussbett, das aus Gestein, Kies, Sand oder Schlamm besteht. In den ZwischenrĂ€umen dieser Sedimente liegt das hyporheische Interstitial â also das Hohlraumsystem zwischen den Kieseln oder Steinen, gewissermaĂen auch das Flussbett. Dieser Bereich trennt den Wasserkörper vom Flusswasser, und dort halten sich zahlreiche Kleinlebewesen auf, etwa Insektenlarven, Flohkrebse oder Mikroorganismen. Da finden wir auch die Eier der Kieslaicher, um die es gleich noch genauer geht.
Kies- und SchotterbĂ€nke oder SandbĂ€nke treten an meist flacheren Stellen oder bei niedrigem Wasserstand auf und bilden zeitweise oder dauerhaft kleine Inseln. Hier finden sich verschiedene Pionierpflanzen und oft auch Insekten, die auf sandige oder kiesige Böden spezialisiert sind. Bei Hochwasser können diese BĂ€nke ĂŒberflutet und neu geformt werden â du siehst: ein sehr dynamischer Lebensraum.

Uferzone und Auen
Unmittelbar am Ufer gibt es Steilufer- und Flachuferbereiche. An Steilufern kann das Wasser immer wieder Boden abtragen, das hatten wir weiter oben schon angeschaut. An Flachufern hingegen bilden sich teils Röhrichtzonen, wo Schilf und Binsen wachsen und Libellenlarven oder Wasserschnecken reiche Nahrung finden.
Jenseits der direkt vom Wasser beeinflussten Zone liegen die Feuchtwiesen oder Auen. Sie werden je nach Hochwasserstand regelmĂ€Ăig ĂŒberflutet, was zu besonders nĂ€hrstoffreichen Böden fĂŒhrt. Die Auen schauen wir uns jetzt mal genauer an, weil sie ein wunderbarer Lebensraum sind â vor allem die AuwĂ€lder.
Ein besonderer Lebensraum: Die Auen
AuwĂ€lder sind eng mit FlieĂgewĂ€ssern verbunden und bilden mit ihnen einen Ăkosystemkomplex. Ein Auwald entsteht, wenn ein Fluss regelmĂ€Ăig ĂŒber die Ufer tritt und das umliegende Land immer wieder ĂŒberschwemmt. Bei Hochwasser werden Sedimente und NĂ€hrstoffe in die Aue transportiert, wodurch ein besonders fruchtbarer Boden entsteht. Im Laufe der Zeit siedeln sich dort BĂ€ume an, die auf periodisch ĂŒberflutete Standorte spezialisiert sind. GrundsĂ€tzlich unterscheidet man zwischen Weichholzaue und Hartholzaue. Die Weichholzaue liegt nĂ€her am Fluss und wird hĂ€ufiger ĂŒberschwemmt. Hier dominieren schnellwĂŒchsige Gehölze wie Weiden oder Pappeln, die eine hohe Toleranz gegenĂŒber wechselnden WasserstĂ€nden aufweisen. Gemeinsam mit Teilen der nĂ€her am Fluss liegenden Gehölzfreien Aue bilden sie die sogenannte Amphibische Zone, also eine Zone mit wechselnden WasserstĂ€nden (deshalb auch als Wechselwasserzone bezeichnet). In der Gehölzfreien Aue finden kannst du beispielsweise Schilf entdecken. KnöterichgewĂ€chse, Pestwurz, Brennnesseln oder GĂ€nsefuĂ.

Etwas weiter vom Fluss entfernt liegt die Hartholzaue, die nur bei sehr hohen WasserstĂ€nden ĂŒberflutet wird. Hier sind die Böden meist fester, sodass Eichen, Berg-Ahorne, Ulmen und Eschen bessere Chancen haben, tief zu wurzeln. Zwischen diesen Baumarten wachsen StrĂ€ucher und eine artenreiche Kraut- und Staudenflur, die sich ebenfalls an die gelegentlichen Ăberschwemmungen angepasst hat â Beispiele dafĂŒr sind PfaffenhĂŒtchen, Traubenkirschen, Waldreben, Hopfen oder Efeu. Durch die unterschiedlichen WasserstĂ€nde entstehen so eng verzahnte LebensrĂ€ume, in denen sich sowohl lichtliebende Pionierpflanzen als auch schattenvertrĂ€gliche Pflanzen entwickeln können.

Ein intakter Auwald ist auch Lebensraum fĂŒr eine Vielzahl von Tierarten. Vögel brĂŒten geschĂŒtzt im dichten Kronendach, Amphibien und Reptilien finden Unterschlupf in kleinen Wasserlöchern oder feuchten Mulden. Auch SĂ€ugetiere wie Biber oder Wildschweine fĂŒhlen sich in einem Auwald wohl, denn sie finden ausreichend Nahrung und gute Versteckmöglichkeiten. KleinsĂ€uger profitieren von der krautigen Bodenvegetation, die ihnen Blickschutz bietet und den Zugang zu SĂ€mereien und Insekten ermöglicht. Insekten und Spinnentiere wie Milben spielen eine besondere Rolle, da sie sich in den Laub- und Totholzschichten stark vermehren und zur Bodenbildung beitragen. Diese Mischung aus Gehölzen, Feuchtwiesen, KleingewĂ€ssern und Totholzstrukturen ist typisch fĂŒr einen Auwald und macht ihn zu einem der artenreichsten und produktivsten LebensrĂ€ume entlang eines Flusses!
AuwĂ€lder schĂŒtzen uns
Ein Auwald erfĂŒllt eine ganze Reihe von Funktionen, die auf den ersten Blick nicht alle offensichtlich sind. Eine der wichtigsten ist der natĂŒrliche Hochwasserschutz: Bei Hochwasser kann sich das Flusswasser in den Auen âausbreitenâ, bevor es Siedlungen und landwirtschaftliche FlĂ€chen erreicht. Das wirkt wie ein groĂer Schwamm, der groĂe Wassermengen puffert und langsam wieder abgibt. Die Böden in einem Auwald sind oft sehr feinkörnig und können groĂe Mengen Wasser speichern. AuĂerdem wachsen dort Pflanzen, die an Ăberschwemmungen angepasst sind und das Wasser nicht sofort abfĂŒhren, sondern vorĂŒbergehend halten. Richtig gut! ⊠eigentlich. Das Problem: In Mitteleuropa sind viele dieser AuenwĂ€lder lĂ€ngst verschwunden. Ăber Jahrhunderte hinweg wurden sie gerodet oder trockengelegt, um FlĂ€chen fĂŒr Landwirtschaft oder Siedlungsbau zu gewinnen. Mit dem Bau von Deichen hat man den FlĂŒssen den Spielraum genommen, sich auszubreiten. Kommt es jetzt zu Hochwasser, kann es sich nicht mehr ausbreiten. Zwischen den Deichen steigt es an, und durch diesen schmalen Raum und das immer heftiger nachschiebende Wasser entsteht ein reiĂender Hochwasserstrom, der immer weiter Richtung Unterlauf drĂŒckt â ein Albtraum fĂŒr Siedlungen in dem Bereich, denn die werden dann ĂŒberflutet.
Deshalb ist es fĂŒr den Hochwasserschutz entscheidend, zumindest einen Teil der Auen zu renaturieren oder auszuweisen, damit sie wieder ĂŒberflutet werden können. Das bedeutet zwar, manche FlĂ€chen nicht mehr so intensiv landwirtschaftlich zu nutzen, doch dafĂŒr erhĂ€lt man natĂŒrliche RĂŒckhaltebecken, die Hochwasserspitzen abschwĂ€chen und den Schutz von StĂ€dten und Siedlungen verbessern. Leider wird das nicht fĂŒr alle Auen klappen, denn oft sind die Stelle, an denen die Deiche errichtet wurden, besiedelt. Das Kind ist jetzt in den Brunnen gefallen und es ist eine bisher ungelöste Frage, wie man damit umgehen soll.
Die FlieĂgeschwindigkeit beeinflusst LebensrĂ€ume
Kein Fluss gleicht dem anderen, und auch der Fluss selbst ist in seinem Verlauf unglaublich vielfĂ€ltig. Wenn du an einem ruhigen Flussabschnitt spazieren gehst, siehst du oft hohe Erlen und Weiden, die so dicht am Ufer stehen, dass ihre Wurzeln teilweise im Wasser stehen. Genau diese Baumschicht ist der SchlĂŒssel dafĂŒr, dass dort nicht das ganze Ufer immer weiter weggespĂŒlt wird: Die Wurzeln stabilisieren den Boden, halten alles zusammen und schaffen gleichzeitig ein schattiges Mikroklima. Ăhnliches gilt fĂŒr die dichten Röhrichte â also Schilf und Binsen â, die in den flacheren Uferzonen wachsen. Hier finden Libellenlarven und Wasserschnecken reichlich Nahrung und Schutz. Mit etwas GlĂŒck kannst du sogar Molche oder Kröten entdecken
In gemĂ€chlich strömenden Abschnitten sammelt sich Laub und anderes organisches Material, das allmĂ€hlich zersetzt wird. Davon profitieren zahlreiche Kleinlebewesen wie Flohkrebse, Köcherfliegenlarven und WasserkĂ€fer, die diese organischen Reste entweder als Nahrung oder als Versteck nutzen. Wo die Strömung noch weiter nachlĂ€sst und gerade so reicht, um feinen Schlamm wegzutragen, setzen sich gröĂere und schwerere Partikel auf dem Grund ab. Solche Stellen sind fĂŒr Kieslaicher wie Barben oder Forellen ideal, weil sie ihre Eier gerne auf hartem Untergrund ablegen. Der Kies sorgt dafĂŒr, dass die Eier stĂ€ndig von klarem, sauerstoffreichem Wasser umspĂŒlt werden und sauber bleiben. Andere Fische, sogenannte Krautlaicher, bevorzugen Pflanzen als Ablageort. Auch in Seiten- und Altarmen eines Flusses ist es oft so, dass das Wasser nur noch schwach flieĂt, was Jungfischen und Amphibien eine gut geschĂŒtzte Kinderstube bietet: in den flachen TĂŒmpeln und Buchten sind sie weniger gefĂ€hrdet und können sich in Ruhe entwickeln. Wasservögel wie Enten, BlesshĂŒhner oder Reiher finden in diesen ruhigen GewĂ€ssern optimale Bedingungen zum GrĂŒndeln oder Jagen. Einige Vogelarten nisten auch gern direkt im dichten Uferbewuchs.
Wer wohnt denn da?
Im Wasser
FlĂŒsse beherbergen eine unglaubliche Vielfalt an Lebewesen. Am GewĂ€ssergrund tummeln sich viele Kleinstlebewesen wie Köcherfliegenlarven oder Eintagsfliegen. Sie verstecken sich zwischen den Steinen, denn gerade dort ist die Strömung etwas schwĂ€cher und der Sauerstoffgehalt hoch genug, um da gut wohnen zu können. Diese Larven sind wichtige Zersetzer von Pflanzenresten und BlĂ€ttern, die vom Ufer ins Wasser fallen. Besonders toll finde ich die Köcherfliegenlarven, weil die sich zur Tarnung und zum Schutz ihrer weichen Körper aus gefundenen Materialien einen Panzer bauen:

Hinzu kommen Flohkrebse, die sich gerne in HohlrĂ€umen zwischen den Kieselsteinen aufhalten. Einheimische Flusskrebse graben sich auch gern in die GewĂ€ssersohle ein, sofern genĂŒgend feiner Schlamm vorhanden ist.
Im Tiefwasser finden sich viele gröĂere Fische, die sowohl Strömung als auch Deckung suchen. In schnelleren, kĂŒhleren FlĂŒssen sieht man Forellen und Ăschen, die sich an klare, sauerstoffreiche GewĂ€sser angepasst haben. Je weiter man flussabwĂ€rts gelangt, desto eher trifft man auf Barben, Nasen (ja, das sind wirklich Fische, hehe) und Döbel. In ruhigeren Abschnitten können sich Hechte oder Zander verstecken, die geduldig auf ihre Beute lauern. Noch tiefer, also da, wo das Flussbett so richtig schön schlammig wird, wĂŒhlt sich die Quappe (ein Knochenfische) durch. Mancherorts tritt der Edelkrebs auf, sofern er nicht von gebietsfremden Krebsarten verdrĂ€ngt wurde â das Thema hatten wir im Artikel ĂŒber Neobiota (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre). Krebse nutzen gern Steine, Wurzelstöcke oder kleine Höhlen als Tagesversteck und gehen nachts auf Futtersuche. Muscheln wie die Malermuschel oder die GroĂe Teichmuschel filtern das Wasser und sorgen so fĂŒr eine natĂŒrliche KlĂ€rung.

Im freien Wasser, dem mittleren Bereich, halten sich gern Fische in gröĂeren SchwĂ€rmen auf: Rotaugen, Rotfedern oder Brachsen ziehen umher und ernĂ€hren sich von Plankton, Algen und Kleintieren. Mancherorts gesellen sich Alande oder Barben hinzu, wenn die Strömung moderat ist und es genug Sauerstoff gibt. Auch winzige Krebstierchen, Wasserflöhe oder ZuckmĂŒckenlarven treiben hier, bis sie eine geeignete Stelle zum Verpuppen finden. Dank ihrer freien Drift im Wasser können sie rasch neue Bereiche besiedeln. Fische wie der Rapfen oder der Rapfenverwandte (in manchen Gegenden auch Schied genannt) machen Jagd auf kleinere Fische, die in dichten SchwĂ€rmen schwimmen, um sich vor Fressfeinden zu schĂŒtzen. In gröĂeren, langsameren Strömen kann man zudem Welse antreffen, die oft in tiefen Gumpen oder unter eingestĂŒrzten Uferkanten ruhen.
In den Flachwasserzonen, wo man selbst bei geringem Wasserstand noch mit Gummistiefeln oder hochgekrempelten Hosen umherwaten kann, gedeihen zahlreiche Wasserpflanzen. Die Wasserpest bildet lange, dichte Matten, in denen sich Jungfische tummeln. Unterwasserpflanzen wie Hornblatt oder Tausendblatt filtern das Licht und bieten ebenfalls gute Verstecke. ZusĂ€tzlich wurzeln Sumpf-Schwertlilien und Pfeilkraut im seichten Uferbereich. Frösche, Kröten und Molche nutzen genau diese Zonen, um ihren Laich abzulegen: Das Wasser ist hier wĂ€rmer als in der Strömung und birgt weniger RĂ€uber. Libellenlarven lauern im Schutz der PflanzenstĂ€ngel auf Beute, bis sie sich verpuppt haben und als schillernde Flugakrobaten ĂŒber der WasseroberflĂ€che auf Brautschau und Jagd gehen. Die Larven der GelbrandkĂ€fer und auch Wasserskorpione jagen im flachen Uferbereich, wo sie Kaulquappen oder kleine Fische erbeuten.

Am Ufer
Unmittelbar am Ăbergang zwischen Land und Wasser bilden Schilf, Binsen oder Seggen eine dichte Barriere, die die Erosion mindert und einer Vielzahl von Tieren Unterschlupf bietet. Hier siedeln sich gerne Schnecken an, die wie winzige KĂŒhe die Algen von Steinen, Pflanzen und Totholz abweiden. Zwischen den PflanzenstĂ€ngeln findet man Molche, die in den sonnigen Morgenstunden nach Nahrung suchen. Auf herabgefallenen Ăsten oder Steinen finden Moose und Flechten ideale Wachstumsbedingungen, da sie stĂ€ndig von feuchter Luft umströmt werden. Genau hier, in den Moospolstern, leben auch die BĂ€rtierchen â winzige, extreme ĂberlebenskĂŒnstler, die sowohl lĂ€ngere Trockenheit als auch andere harte Bedingungen ĂŒberstehen, indem sie als kleine Tönnchen in eine Art âSchlafzustandâ verfallen â die Kryptobiose. In meinem Buch Abschied von Hermine habe ich da ausfĂŒhrlicher drĂŒber geschrieben. Sobald die Bedingungen wieder stimmen, erwachen sie und setzen ihr Leben fort, als sei nix gewesen.

BĂ€ume wie Weiden, Erlen und Pappeln prĂ€gen in vielen Regionen das Uferbild. Ihr weit verzweigtes Wurzelwerk hĂ€lt das Ufer zusammen, spendet Schatten und kĂŒhlt das Wasser an heiĂen Tagen. In den Kronen brĂŒten Wasservögel wie Graureiher oder Kormoran, in den steilen, sandigen UferabbrĂŒchen graben Eisvögel ihre Röhrentunnel. Wer im Morgengrauen leise ist, hört vielleicht den Biber an jungen Zweigen knabbern. Auch der Fischotter ist wieder hĂ€ufiger anzutreffen, nachdem er lange Zeit durch Bejagung und Umweltgifte fast ausgerottet war.

Um FlĂŒsse herum
Sobald man sich einige Meter vom Wasser entfernt, Ă€ndert sich das Mikroklima. Hier befinden sich die teilweise ĂŒberschwemmten Auenwiesen, ein Paradies fĂŒr Insekten. Hummeln und Wildbienen profitieren von der hohen BlĂŒtendichte, Schmetterlinge wie Admiral oder Kleiner Fuchs schnabulieren an Nektarpflanzen. Gleichzeitig wachsen auf naturnahen FlĂ€chen FrĂŒhjahrsblĂŒher wie MĂ€rzenbecher oder Sumpfdotterblume. Zahlreiche Pilzarten zersetzen am Boden das Holz umgestĂŒrzter Ăste oder BĂ€ume. In diesem wechselhaften Milieu tummeln sich auch gröĂere SĂ€ugetiere: Wildschweine durchwĂŒhlen den Boden nach Pilzen und WĂŒrmern, Rehe streifen auf der Suche nach zarten Trieben durch AuwĂ€lder, FĂŒchse oder WaschbĂ€ren wagen sich nachts an die Ufer, um nach Beute wie MĂ€usen oder unvorsichtigen Jungvögeln Ausschau zu halten.

In den angrenzenden Feldern und Wiesen kann man Kiebitze dabei beobachten, wie sie den feuchten Boden nach Samen WĂŒrmern durchstochern. Gerade im FrĂŒhsommer bilden sich dort seichte PfĂŒtzen, in denen sich Kaulquappen und Insektenlarven sammeln. Der WeiĂstorch zieht seine Runden ĂŒber solche Wiesen, immer auf der Suche nach Fröschen und Kleintieren. Mitunter entdeckt man GraugĂ€nse, die ihre KĂŒken am Flussufer groĂziehen, bevor sie den Vogelzug antreten, um im Herbst wĂ€rmere Gefilde aufzusuchen. Luchse findet man eher selten in direkter FlussnĂ€he, dafĂŒr jedoch FĂŒchse, Marderhunde oder Iltisse, die sich von KleinsĂ€ugern wie MĂ€usen ernĂ€hren.

Ăkosystemdienstleistungen
FlĂŒsse sind wahre Allrounder, wenn es um die Bereitstellung sogenannter Ăkosystemdienstleistungen geht. Damit bezeichnet man Leistungen der Natur, von denen wir Menschen direkt oder indirekt profitieren. Dazu gehören der bereits erwĂ€hnte Hochwasserschutz durch Auen, die Bodenfruchtbarkeit durch regelmĂ€Ăige Ăberschwemmungen oder die natĂŒrliche Reinigung des Wassers durch Mikroorganismen im Flussbett. Auch kulturelle Aspekte gehören dazu, etwa wenn ein Fluss als Naherholungsziel zum Wandern oder Kanufahren einlĂ€dt. All dies sind Ăkosystemleistungen â wertvolle Leistungen der Natur, die unser Leben und unsere Gesellschaft entscheidend bereichern. Schauen wir uns mal die wichtigsten davon bei den FlĂŒssen an:
Wasserversorgung: Viele StĂ€dte und Gemeinden beziehen ihr Trink- und Brauchwasser direkt oder indirekt aus FlieĂgewĂ€ssern. BĂ€che und FlĂŒsse sammeln Regen-, Grund- und Schmelzwasser aus ihrem Einzugsgebiet und fĂŒhren es zu Tal.
Hochwasserschutz: Intakte FlĂŒsse und vor allem ihre Auen wirken als natĂŒrliche âĂberlaufbeckenâ bei starken RegenfĂ€llen oder Schneeschmelzen, siehe oben. Wenn das Wasser in ĂŒberflutungsfĂ€hige Bereiche ausweichen kann, wird die Abflusswelle verringert und die Hochwassergefahr fĂŒr flussabwĂ€rts gelegene Gebiete sinkt. Die Wassermassen versickern dort teilweise im Boden, werden gebremst und können langsam wieder abflieĂen. Ohne diese RĂŒckhalteflĂ€chen steigt die Gefahr, dass groĂe Wassermengen in kĂŒrzester Zeit durch begradigte FlusslĂ€ufe Richtung StĂ€dte rasen und SchĂ€den verursachen. Das haben wir in den letzten Jahren ja leider hĂ€ufiger erleben mĂŒssen.
Bodenbildung und Sedimentablagerung: Ăberschwemmungen bringen stĂ€ndig neue Sedimente in die Auen, die auf den FlĂ€chen abgelagert werden. Feinmaterial wie Ton, Schluff und Sand sorgt fĂŒr fruchtbare Böden, die reich an NĂ€hrstoffen sind. Das fĂŒhrt zu ĂŒppigem Pflanzenwachstum und unterstĂŒtzt die Landwirtschaft in angrenzenden Regionen. Gleichzeitig werden bei den Hochwassern Schadstoffe aus dem Wasser teilweise im Boden gebunden.
Da sind wir auch direkt bei den NĂ€hrstoff- und StoffkreislĂ€ufen: FlĂŒsse transportieren Stickstoff, Phosphor und viiiiiel organisches Material teils ĂŒber hunderte oder tausende Kilometer hinweg. Dadurch werden NĂ€hrstoffe verteilt, die an anderer Stelle das Wachstum von Pflanzen und Algen fördern können. In den Auen wiederum zersetzen Mikroorganismen und Bodentiere einen Teil dieser organischen Fracht, und deshalb sind die Böden dort auch immer so wunderbar fruchtbar ⊠was wir uns zunutze gemacht haben, weshalb wir alles abgeholzt und dort Landwirtschaft gestartet haben, WELL ⊠das ist natĂŒrlich nicht so dolle, siehe Thema Hochwasserschutz.
Selbstreinigungsfunktion: Durch Strömung, Sauerstoffeintrag und die AktivitĂ€t von Mikroorganismen besitzen naturnahe FlĂŒsse eine hohe FĂ€higkeit zur Selbstreinigung. Organische Verbindungen können abgebaut oder in anderer Form wieder in die Nahrungsnetze eingebunden werden. Voraussetzung fĂŒr diese natĂŒrliche âKlĂ€ranlageâ ist allerdings, dass das GewĂ€sser nicht ĂŒberlastet wird â weder durch zu hohe EintrĂ€ge aus AbwĂ€ssern noch durch ĂŒbermĂ€Ăige Verbauung, die wichtige Habitate im Flussbett und an den Ufern zerstört.
Lebensraumangebot: FlĂŒsse und ihre Auen sind bekannt dafĂŒr, besonders viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten zu beherbergen. Von kiesigen Flachstellen ĂŒber strömungsreiche Rinnen bis zu ruhigen Altarmen ergeben sich auf engstem Raum höchst unterschiedliche Nischen. Daraus resultiert eine hohe BiodiversitĂ€t: Fische, Amphibien, Wasservögel, Insekten und wasserliebende Pflanzen finden jeweils genau die Bedingungen, die sie brauchen! Solch eine Vielfalt macht einFlusssystem widerstandsfĂ€hig gegenĂŒber Ă€uĂeren EinflĂŒssen und Problemen wie dem Klimawandel.
Klimaregulierung und Kohlenstoffspeicherung: FlĂŒsse und ihre Auen sind nicht nur Wasser-, sondern auch Kohlenstoffspeicher. In den Böden einer Aue lagern sich organische Substanzen ab, die ĂŒber lange Zeit hinweg durch hohe WasserstĂ€nde gebunden bleiben können. Zudem wirken WasserflĂ€chen lokal kĂŒhlend, was in heiĂen Sommern ein spĂŒrbar angenehmes Mikroklima schafft.
Erholungs- und Kulturwert: Ob RadausflĂŒge entlang der Ufer, Kanutouren im Mittellauf oder gemĂŒtliche SpaziergĂ€nge in den AuenwĂ€ldern â FlĂŒsse bieten vielfĂ€ltige Freizeit- und Naturerlebnismöglichkeiten. Viele historische StĂ€dte sind an groĂen FlĂŒssen entstanden, was sich noch heute in ihrer Architektur und Kultur widerspiegelt. Die Speicherstadt bei uns in Hamburg ist ein Touristenmagnet, weil diese Wasserarchitektur wirklich sehr schön ist. Auch hier in Kopenhagen ist Wasser ein wichtiger Teil der Stadtarchitektur und IdentitĂ€t dieser Stadt:
Bedrohungen
Seufz. Und los gehtâs, aber gehört eben auch dazu, nicht? Schon immer hat der Mensch die GewĂ€sser nach seinen BedĂŒrfnissen gestaltet. Mit der zunehmenden ErwĂ€rmung und den oft unvorhersehbaren Wetterextremen des Klimawandels treten jedoch neue Probleme fĂŒr viele GewĂ€sserorganismen in den Vordergrund. Fische, die an kĂŒhlere Temperaturen gewöhnt sind, wie Forellen oder Ăschen, leiden in den Sommermonaten zunehmend unter wĂ€rmeren Wassertemperaturen und Sauerstoffmangel. Hochsommerliche Hitzeperioden können den Grund so stark aufheizen, dass empfindliche Arten kaum noch ĂŒberleben können. Bei anhaltender Trockenheit sinkt der Wasserspiegel, so dass Kieslaicher keine ausreichend tiefen Stellen mehr finden, um ihre Eier abzulegen. Wer sich von Insektenlarven ernĂ€hrt, hat es schwer, denn auch diese Kleintiere leiden unter den höheren Wassertemperaturen und den schwankenden WasserstĂ€nden.
Wasservögel, die auf gleichmĂ€Ăige WasserstĂ€nde angewiesen sind, werden auch echt gebeutelt: Starke RegenfĂ€lle in kurzer Zeit fĂŒhren zu heftigen Hochwassern, die Nester an flachen Ufern oder auf KiesbĂ€nken einfach wegspĂŒlen. Gleichzeitig verschwinden immer mehr flache Uferzonen hinter Deichen und SpundwĂ€nden. FĂŒr UferbrĂŒter wie den Flussregenpfeifer oder den Rotschenkel wird es dadurch eng, denn sie benötigen zum BrĂŒten ungestörte Kies- oder SandflĂ€chen in unmittelbarer WassernĂ€he. Auch das Nahrungsangebot leidet, wenn plötzliche Sturzfluten wirbellose Kleintiere wegspĂŒlen oder stehende GewĂ€sser austrocknen.

In heiĂen, trockenen Phasen tritt ein weiteres Problem in den Vordergrund: Wenn nur wenig Wasser flieĂt, reichern sich die GewĂ€sserabschnitte teilweise mit NĂ€hr- und Schadstoffen an. Je weniger Wasser, umso höher ist die Konzentration an diesen toxischen Stoffen. Wenn zu viele NĂ€hrstoffe ins Wasser gelangen, wachsen Algen und andere Pflanzen zunĂ€chst stark und produzieren tagsĂŒber bei Sonneneinstrahlung Sauerstoff. Nachts hingegen stellen sie keine Photosynthese mehr an und verbrauchen selbst ein bisschen Sauerstoff fĂŒr ihre Atmung. Stirbt die ĂŒbermĂ€Ăig wuchernde Biomasse ab, zersetzen Bakterien das Pflanzenmaterial und verbrauchen dabei zusĂ€tzlich Sauerstoff, und das auch echt viel. Steigt auf diese Weise der Verbrauch stark an, wĂ€hrend kaum noch Sauerstoff nachgeliefert wird, geraten GewĂ€sserorganismen in akute BedrĂ€ngnis. So kann ein scheinbar âblĂŒhendesâ GewĂ€sser in kurzer Zeit unter Sauerstoffmangel leiden, was oft zu Fischsterben fĂŒhrt.

Gleichzeitig treten bei durch den Klimawandel steigenden Temperaturen invasive Arten auf, die mit der Hitze besser zurechtkommen als die heimischen Fische. Sie verdrÀngen einheimische Konkurrenten oder verÀndern die Nahrungsnetze im GewÀsser. Einige wÀrmeliebende Krebs- oder Muschelarten breiten sich rasch aus und können den heimischen BestÀnden den Lebensraum und auch die Nahrung streitig machen.
Hinzu kommen VerĂ€nderungen, die wir Menschen seit langem vornehmen: DĂ€mme, die den Flusslauf unterbrechen, oder Flussbegradigungen, die die Strömung beschleunigen und wichtige Laichhabitate zerstören. Wo frĂŒher ein verzweigtes Netz aus Altarmen, kleinen Inseln und AuenwĂ€ldern war, dominiert heute oft ein schnurgerades Bett mit BetonwĂ€nden. Uff. Steigt der Wasserspiegel nach extremen NiederschlĂ€gen schnell an, können die Fische nicht mehr schnell in SeitengewĂ€sser oder ĂŒberschwemmte Auen ausweichen. Auch Wasservögel finden in solchen Situationen kaum sichere RĂŒckzugs- oder Brutgebiete.
Beschissen, oder? Ja. All diese Faktoren zeigen, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel und die langjĂ€hrige, teilweise radikale Nutzung des Flusses eng miteinander verbunden sind. Wo natĂŒrliche Uferreste und Auen fehlen, potenzieren sich die Probleme, weil das GewĂ€sser kaum noch Pufferzonen und natĂŒrliche RĂŒckzugsrĂ€ume hat. Viele Tier- und Pflanzenarten sind daher gleich mehrfach bedroht â einerseits durch steigende Temperaturen und verĂ€nderte WasserkreislĂ€ufe, andererseits durch die Eingriffe, die den Fluss seit Jahrhunderten in enge Bahnen zwingen.
Wie kann man FlĂŒsse schĂŒtzen?
Der letzte Abschnitt klang deprimierend, aber kein Grund, das Handtuch zu werfen, denn vielen FlieĂgewĂ€ssern geht es heute deutlich besser als beispielsweise noch in den 80ern. Hier sind ein paar Beispiele fĂŒr Projekte, die FlĂŒsse schĂŒtzen:
Freshwater Challenge: Diese Initiative zielt darauf ab, weltweit 300.000 km FlĂŒsse bis 2030 zu renaturieren, um die BiodiversitĂ€t zu fördern und die WasserqualitĂ€t zu verbessern. Sie wird von einer Gruppe internationaler Organisationen wie dem WWF und der IUCN betreut. Infos» (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)
Projekt FLOW: Dieses Projekt konzentriert sich auf die Wiederherstellung natĂŒrlicher Flusslandschaften in Europa, um LebensrĂ€ume fĂŒr gefĂ€hrdete Arten zu schaffen und Hochwasserrisiken zu minimieren. Es wird von verschiedenen europĂ€ischen Umweltorganisationen koordiniert. Infos» (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)
EuroNatur Stiftung â Flussschutz in Europa: Die EuroNatur Stiftung setzt sich fĂŒr den Schutz der letzten WildflĂŒsse Europas ein, insbesondere auf dem Balkan. Ziel ist es, wertvolle Flusssysteme als Schutzgebiete zu bewahren und gegen Ausbeutung und Zerstörung zu schĂŒtzen. Infos» (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)
Projekt RHESI (Rhein â Erholung und Sicherheit): Ein gemeinsames Projekt von Ăsterreich und der Schweiz zur Verbesserung des Hochwasserschutzes und der ökologischen Aufwertung des Alpenrheins zwischen der IllmĂŒndung und dem Bodensee. Es wird von der Internationalen Rheinregulierung (IRR) koordiniert. Infos» (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)
EU-Mission âWiederherstellung unserer Ozeane und GewĂ€sserâ: Die EuropĂ€ische Kommission investiert in Projekte, die zur Wiederherstellung von Meeren und GewĂ€ssern beitragen. Dazu gehört beispielsweise das Projekt âBlue Connectâ, koordiniert vom Submariner Network for Blue Growth in Berlin, das marine LebensrĂ€ume schĂŒtzt und wiederherstellt. Infos» (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)
Renaturierung der Unteren Havel: Dieses Projekt in Deutschland zielt darauf ab, die Untere Havel und ihre Auenlandschaft zu renaturieren, um die ökologische Vielfalt zu fördern und den natĂŒrlichen Wasserhaushalt wiederherzustellen. Es wird vom NABU (Naturschutzbund Deutschland) betreut. Infos» (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)
Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR): Die IKSR ist eine zwischenstaatliche Kommission, die MaĂnahmen zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung des Rheins koordiniert. Mitglieder sind unter anderem Deutschland, Frankreich, die Schweiz und die EuropĂ€ische Union. Infos» (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)
Dam Removal Europe: Eine Initiative, die sich fĂŒr die Entfernung veralteter und unnötiger DĂ€mme in europĂ€ischen FlĂŒssen einsetzt, um die ökologische DurchgĂ€ngigkeit und die Gesundheit der Flusssysteme zu verbessern. Sie wird von einem Netzwerk europĂ€ischer Umweltorganisationen getragen. Infos» (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)
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Auflösung
Welcher ist der lĂ€ngste Fluss der Erde? â Der Nil
Wie lang ist dieser lĂ€ngste Fluss? â 6650 Kilometer
Wie kurz ist der kĂŒrzeste Fluss der Welt? â Der Reprua im Kaukasus gilt mit 15-27 Metern LĂ€nge als der kĂŒrzeste Fluss, allerdings wird das noch debattiert.
Welcher Fluss fĂŒhrt das meiste Wasser? â Der Amazonas mit 206.000Â mÂł Wasser pro Sekunde
Wie tief ist der tiefste Fluss? â Der Kongo mit rund 220 Metern an der tiefsten Stelle
Welcher ist der lĂ€ngste Fluss Deutschlands? â der Rhein; die GesamtlĂ€nge betrĂ€gt 1232,7 Kilometer, 865 Kilometer davon fĂŒhren durch Deutschland
Und welcher ist der KĂŒrzeste? â die Pader mit nur rund 4 Kilometern LĂ€nge
Medien-Tipps
Unsere FlĂŒsse - Wie retten wir Deutschlands Lebensadern? | SWR Doku auf Youtube» (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)
Die Feldberger Seenlandschaft â Geheime Wasserwildnis | Erlebnis Erde Dokumentation auf Youtube» (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)
Beim Bundesministerium fĂŒr Umwelt kann man tolles Material bestellen, so auch die kleine GewĂ€sserfibel, die man kostenlos per Post oder als PDF erhalten kann» (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)
Eine BroschĂŒre ĂŒber die Renaturierung von BĂ€chen vom Umweltbundesamt» (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)
Bis zum nĂ€chsten Mal! :) Hier siehst du mich und Lorenz 2021 im Harz an der Bode (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre), einem sehr schönen Fluss, der viele kleine WasserfĂ€lle hat.
Böse, Margot, JĂŒrgen Ehlers, und Frank Lehmkuhl. Deutschlands Norden: vom Erdaltertum zur Gegenwart. 2. Aufl. 2022 Edition. Berlin: Springer, 2022.
KĂŒhne, Olaf, Florian Weber, Karsten Berr, und Corinna Jenal. Handbuch Landschaft. 2., Ăberarbeitete und Erweiterte Auflage 2024. Wiesbaden Heidleberg: Springer VS, 2024.
Stolz, Matthias. âSerie Deutschlandkarte: FlĂŒsse und BĂ€cheâ. Die Zeit, 12. Dezember 2013. https://www.zeit.de/2013/51/deutschlandkarte-fluesse (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre).
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