BlattlÀuse klonen sich durch den Sommer, Komodowarane starten ganze Populationen im Alleingang, und BienenmÀnnchen entstehen ohne Vater. Heute zeige ich dir, wie Parthenogenese funktioniert, warum sie so erfolgreich ist, doch auch, wieso sie den Sex evolutionÀr nicht ersetzt hat.

Wenn du im FrĂŒhling durch den Garten gehst und an Rosentrieben BlattlĂ€use entdeckst, beobachtest du etwas wirklich Erstaunliches, ohne es in diesem Moment zu realisieren. Diese kleinen, oft grĂŒnlichen Tiere mit ihren runden Körpern und den zarten Beinen sitzen da in dichten Gruppen, eine neben der anderen, Generation um Generation. In dieser Phase besteht eine Blattlauspopulation vollstĂ€ndig aus Weibchen.
Das funktioniert so: BlattlĂ€use bringen im FrĂŒhling und Sommer lebende Junge zur Welt, ohne sich jemals gepaart zu haben. Jede einzelne Tochter ist ein genetisches Abbild ihrer Mutter, und jede Tochter trĂ€gt bereits die nĂ€chste Generation in sich, bevor sie selbst geboren wurde. Ja, genau: Das Kind im Bauch seiner Mutter trĂ€gt schon direkt die eigenen Kinder in sich, absolut abgefahren. Ein bisschen so, wie diese russischen Puppen, die ineinandergesteckt sind. Durch diesen Trick ist eine rasante Vermehrung möglich, bis zu 40 Generationen schaffen manche Arten in einem einzigen Sommer.
Dieses System bleibt jedoch zeitlich begrenzt. Wenn Tage kĂŒrzer werden, Temperaturen sinken und die QualitĂ€t der Wirtspflanzen sich verĂ€ndert, Ă€ndert sich auch die Fortpflanzungsweise der BlattlĂ€use. Aus denselben Linien entstehen dann MĂ€nnchen. Es kommt zur Paarung, befruchtete Eier entstehen und ĂŒberdauern den Winter als widerstandsfĂ€hige Dauerformen. Im folgenden FrĂŒhjahr schlĂŒpfen aus ihnen wieder Weibchen, die den Zyklus der parthenogenetischen Vermehrung erneut starten. BlattlĂ€use verbinden auf diese Weise schnelle Ausbreitung durch Klone mit gelegentlicher sexueller Durchmischung, angepasst an die Jahreszeiten.
Wir Biologinnen und Biologen nennen dieses PhĂ€nomen Parthenogenese â aus dem Griechischen: parthenos fĂŒr Jungfrau und genesis fĂŒr Entstehung. Jungfernzeugung also, Fortpflanzung ohne Befruchtung. Was bei BlattlĂ€usen besonders anschaulich wirkt, tritt jedoch in vielen Tiergruppen auf. Wasserflöhe nutzen diese Strategie, ebenso Stabheuschrecken, Komodowarane, manche Haie, einzelne Schlangenarten und sogar TruthĂŒhner. Die Liste wĂ€chst, und mit ihr wachsen die Fragen, die diese Fortpflanzungsform aufwirft.
Was passiert da eigentlich in der Zelle?
Um zu verstehen, was bei der Parthenogenese passiert, hilft ein kurzer Blick auf das, was normalerweise bei der Fortpflanzung geschieht. Bei der sexuellen Vermehrung verschmelzen in der Regel zwei fremde Keimzellen miteinander: eine Eizelle und ein Spermium. Jede dieser Keimzellen enthĂ€lt den halben Chromosomensatz, also den halben Bauplan des Lebewesens, von dem es stammt â denn damit der Nachkomme nicht zu viele Chromosomen hat, durchlaufen die Zellen vorher die Meiose, eine spezielle Zellteilung, die den Chromosomensatz halbiert.
Bei der Parthenogenese fehlt jetzt aber das Spermium, die Eizelle muss allein klarkommen. Und je nachdem, welche Art wir uns anschauen, löst die Natur dieses Problem auf unterschiedliche Weisen.

Der erste Weg fĂŒhrt zu genetisch identischen Klonen. Die Eizelle behĂ€lt den vollstĂ€ndigen Chromosomensatz der Mutter, entweder weil die Meiose komplett ausfĂ€llt oder weil sie so abgewandelt ablĂ€uft, dass am Ende trotzdem ein vollstĂ€ndiger Satz ĂŒbrig bleibt. Das Ergebnis ist in beiden FĂ€llen dasselbe: Die Nachkommen sind genetisch identische Kopien der Mutter. So machen es unter anderem RĂŒsselkĂ€fer und BlattlĂ€use.