Es gibt keine Medizin, die das heilen kann, was das Glück nicht heilt. (Gabriel García Márquez)
🎨 Das heutige Thema dreht sich um die Fähigkeit der Medizin, mithilfe von Kunst und Literatur das Unsichtbare zu erzählen und dabei physische und mentale Bilder zu schaffen, die dabei helfen, Krankheiten zu verstehen.
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Liebe Kunstfreundin, lieber Kunstfreund,
wie alle Wissenschaften muss auch die Medizin unbedingt benennen, klassifizieren, abgrenzen und ordnen. Doch nicht alle menschlichen Erfahrungen lassen sich einfach objektiv definieren.
Der Rausch, den Schönheit auslöst, die Verzerrung der Wahrnehmung, unkontrollierbare Eifersucht oder die Angst und Ablehnung vor dem Älterwerden sind intensive Erfahrungen, die es schon immer gab – lange bevor die Medizin ihnen einen Namen gab.
Um solche Erfahrungen zu beschreiben, greifen Ärzte auf Kunst und Literatur zurück. Dabei geht es nicht um Poesie, sondern darum, mithilfe von Bildern zu erklären, um welche körperliche oder psychische Erkrankung es sich handelt, damit sie schnell verstanden werden kann.
Lass mich heute mit diesen Parallelen spielen. Ich erzähle dir davon.
Schönheit als Auslöser
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Die überfüllte private Kunstgalerie, die von David Teniers dem Jüngeren (1610–1690) bemalt wurde, ist für mich ein gutes Beispiel, um dir das Stendhal-Syndrom zu erklären.
Im Jahr 1817 besuchte der französische Schriftsteller Stendhal Florenz und beschrieb, wie er sich fühlte, als er von so vielen Kunstwerken überwältigt war: Herzklopfen, Schwindel und ein Gefühl der Ohnmacht.
In den 1970er Jahren bemerkte die Psychiaterin Graziella Magherini, dass viele Touristen, die die Uffizien besucht hatten und anschließend in ihr Florentiner Krankenhaus kamen, genau diese Symptome aufwiesen. Sie beobachtete Herzrasen, Angstzustände, Verwirrung und sogar dissoziative Episoden. Diese Symptome hat sie als Stendhal-Syndrom bezeichnet.
1989 veröffentlichte Magherini ein Buch mit diesem Titel. Es handelt sich dabei nicht um eine Diagnose, sondern um eine Beschreibung psychosomatischer Reaktionen im Zusammenhang mit Kunst.
Dieses Syndrom zeigt, dass Kunst und Schönheit eine Wirkung auf den Körper haben und eine extreme Reaktion auslösen können. Kunst kann demnach nicht nur betrachtet, sondern auch körperlich erlebt werden.