Igelschutz fängt bereits im Garten an und ist gar nicht so schwer. Viel schwerer ist es, genaue Zahlen über den Bestand der Stacheltiere zu erhalten.
Wer sich für die Natur interessiert, kommt am Igel kaum vorbei. Doch wie viele der Tiere stromern hierzulande wirklich umher? Das versucht die Wissenschaft zu erforschen, BürgerwissenschaftlerInnen können beim Monitoring helfen.

Igel sind beliebt, keine Frage. Vor einiger Zeit wurde unsere heimische Art, der Braunbrustigel, sogar zum Tier des Jahres 2024 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) gewählt. Im Laufe der Evolution haben sich die putzigen Insektenfresser einige Lebensräume erobert. Dazu gehören mittlerweile Gärten, städtische Parks, Magerwiesen und der Wald. Trotzdem scheint ihre Zahl in den letzten Jahren abzunehmen. Die internationale „Rote Liste“ (IUCN) stufte den europäischen Braunbrust- oder Westigel (Erinaceus europaeus) im Jahr 2024 sogar als potenziell gefährdet (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ein. Auch in Deutschland steht die Art auf der Vorwarnliste. Aber wie kam es dazu?
Warum gibt es weniger Igel?
Die Liste der menschengemachten Probleme ist lang. Dazu gehören chemische Insektenschutzmittel, Steingärten und Mähroboter, die zur besten Wanderzeit in der Dämmerung oder nachts durch den Garten kurven. Außerdem sind viele Zäune und Mauern für Igel unpassierbar geworden (Tipps für einen igelfreundlichen Garten findest du im Artikel Igel im Winter: Dickes Fettpolster als Überlebensprinzip (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)).
Auf unseren dicht befahrenen Straßen kommen ebenfalls viele Igel zu Tode. Selbst der Klimawandel macht den Stacheltieren zu schaffen: Jahres- und Blühzeiten verschieben sich, es gibt mehr warme Winterwochen, die Sommer sind extrem heiß und/oder trocken, die Zahl der Insekten nimmt immer weiter ab. Erschwerend kommt hinzu, dass Igel pro Jahr meist nur einmal Junge bekommen. Verluste können also nur schwer ausgeglichen werden.
Datenquelle: Totfund
Aber wie viele Braunbrustigel gibt es denn nun wirklich? Eine bundesweite Bestandserfassung fehlt meines Wissens aktuell. Die Nabu Naturgucker wollen dies mit dem Citizen-Science-Projekt Deutschland sucht Igel und Maulwurf ändern. Die Zählung (Link unten) begann im Jahr 2023, um wirklich valide Aussagen zu treffen, sind jedoch noch mehr Beobachtungsrunden nötig. So behilft man sich bisher – in der Wissenschaft üblich – mit anderen repräsentativen Datenquellen. In Bayern war dies laut Rote-Liste-Zentrum (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) die Zahl der überfahrenen Igel auf den Straßen, welche in den letzten 40 Jahren deutlich zurückging. Die Schlussfolgerung: Weniger Totfunde bedeuten weniger Igel.

Eine etwas morbide Datengrundlagen, gebe ich zu. Doch durchaus relevant. Denn in Thüringen untersuchten ForscherInnen die Hinterlassenschaften von Greifvögeln und kamen zu einem ähnlichen Schluss.
Vielleicht gibt es einfach nicht mehr so viele tierische Verkehrsopfer, könnten Optimisten (zu denen ich normalerweise auch zähle) einwenden. Doch die Zahl der motorisierten Fahrzeuge auf bundesdeutschen Straßen (und damit der Verkehr) nimmt kontinuierlich zu. Für das Jahr 2025 vermeldet das Portal Statista einen Rekord: Über 61 Millionen angemeldete Kraftfahrzeuge (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) soll es demnach in Deutschland geben. Das Risiko für einen Igelunfall müsste also steigen, nicht sinken.
Datensammlung am lebenden Objekt
WissenschaftlerInnen versuchen ebenfalls, die Datenlücken zu füllen. So untersucht das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), wie sich Igel an ihren städtischen Lebensraum anpassen und wie man sie besser schützen kann. Auch der Fachbereich Biologie meiner Lieblingsuniversität Hamburg (UH) hat sich mit dem Bewegungsmuster der Stacheltiere beschäftigt.
Zudem gibt es viele Citizen-Science-Projekte zum Igelmonitoring, welche die Datenlage verbessern könnten. Drei Beispiele habe ich exemplarisch herausgesucht. Wer mag, meldet Funde über die folgenden Portale:
Deutschland sucht Igel und Maulwurf (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (Nabu-Naturgucker, seit dem Jahr 2023, Zählungsbeginn im Mai und September d.J, bundesweit, erste Ergebnisse hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre))
Guardians of the Hedgehogs (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (Netzwerk Igelfreunde e.V., Beobachtungsregion ist Bremen)
Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (HLNUG) in Kooperation mit dem Institut für Tierökologie und Naturbildung GmbH (Beobachtungsregion ist – wie der Name vermuten lässt – Hessen)
Wer ein anderes Projekt kennt: Ich würde mich über einen Tipp freuen und leite den Link auch gerne an die Tierisch-Vielfältig-Community weiter!
Einige Wochen dauert es noch, bis die ersten Stachelkugeln aus dem Winterschlaf aufwachen. Vielleicht hast du dann Lust und Gelegenheit, beim Monitoring mitzumachen.
Viel Spaß mit der Vielfalt,
Deine Kerstin
Ausblick
In der nächsten Ausgabe dreht sich wieder alles um spannende News aus dem Ticker (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (für Mitglieder). Und Ende März wird es um den Lebensraum Glockenblume (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) gehen.
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