Passer au contenu principal

Biodiversität in Gefahr: Zahlen und Beispiele

Bei der natürlichen Vielfalt gilt mittlerweile „Gefahr in Verzug“. Doch was hat das mit Windschutzscheiben, Wölfen und vor allem Krefeld zu tun?

Diese Ausgabe ist so etwas wie ein erster Statusbericht. Dafür habe ich exemplarisch einige Tierarten und Ökosysteme herausgegriffen und geschaut, wie bedroht diese sind. Eines wurde klar: Der Biodiversitätsverlust ist durchaus rasant unterwegs.

Bannerbild mit dunkelgrünem Hintergrund. Links eine hellgrüne Eulen-Grafik mit dem Text: Biodiversität im Fokus. Rechts steht in Weiss: Tierisch Vielfältig! Der Newsletter.

In den Monaten Mai bis Oktober mache ich regelmäßig eine halbe Stunde (oder länger 😉) Urlaub. Dann sitze ich auf Balkonien, ein Tässchen Kaffee in der Hand, die Sonne im Gesicht. Um mich herum brummen Hummeln und landen auf bunten Blüten, Meisen zwitschern und die Amsel singt ein wunderbares Lied. Doch schon eine 20-minütige Autofahrt nach Stuttgart zeigt: Es hat sich etwas verändert (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Vielleicht kennst Du das auch: Noch vor zwei bis drei Jahrzehnten war die Windschutzscheibe nach längeren Fahrten von toten Insekten übersät. Kein tierfreundliches Beispiel, ich weiß. Aber ein gutes, denn aktuell bleibt die Sicht frei. Und das liegt sicherlich nicht daran, dass Mücken und Fliegen dazugelernt haben, es gibt einfach nicht mehr so viele davon. Auch auf Balkonien zeigen sich deutliche Veränderungen. Noch vor zehn Jahren brummte es schon im April, nun finden sich erst im späten Mai einige wenige, erste Insekten ein. Oder das Gegenteil passiert: Es ist schon im März sehr warm, Insekten (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) wie Marienkäfer oder Kohlweißling entwickeln sich früher, doch die Pflanzen wollen noch nicht so recht blühen.

Kleiner schwarzer Marienkäfer mit roten Punkten sitzt an kleinen, zahlreichen rosa Heideblüten.
Dieser kleine Marienkäfer war schon im März unterwegs. Außer ein paar trockenen Heide-Blüten fand er aber leider nichts.

In Stadtparks singen weniger Vögel, auf vielen Wiesen brummt es nicht mehr so bunt. Früher musste ich als Wespen-Ängstling sehr häufig „ausrücken“, sogar im Schulunterricht sprang ich auf, wenn eine Wespe zufällig den Weg ins Klassenzimmer gefunden hatte. Heute ist dagegen im späten Frühling sogar ein Outdoor-Eis ohne Insektenbelagerung eine Option.

Beispiel Insekten und Vögel

Bereits vor einigen Jahren ergab die sogenannte Krefelder Studie, dass die Insektenbiomasse (also deren Gesamtgewicht) im Zeitraum von 1990 bis 2017 um rund 75 Prozent zurückgegangen ist (Quellen unten). Auch heute sieht es nicht besser aus, das zeigen die in der Roten Liste aufgeführten Arten. Dort ist derzeit zwar nicht einmal die Hälfte der über 33.000 Insektenarten gelistet, die sich hierzulande etabliert haben (die Forschung steht hier noch am Anfang).

Etwa 43 Prozent der Insektenarten werden als extrem selten, ausgestorben oder im Bestand gefährdet eingestuft.

Doch auch dieser Datensatz bestätigt andere Studien: Etwa 43 Prozent der Insektenarten (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) werden als extrem selten, ausgestorben oder im Bestand gefährdet eingestuft. Beispiel Tagfalter: Von über 180 Arten geht es nur etwa 110 Arten – etwa dem Distelfalter – relativ gut. Dagegen sind Fetthennen-Bläuling oder Großes Wiesenvögelchen stark bedroht. Der Kleine Alpenbläuling lässt sich überhaupt nicht mehr nachweisen.

Eine in Grün gehaltene, zweispaltige Tabelle. Überschrift: Verlust der Artenvielfalt? Eine Auswahl aus der Roten Liste (www.rote-liste-zentrum.de). Durchschnittlich 30-50 Prozent von Wildbienen, Tagfaltern, Fröschen und Lurchen, sowie Heuschrecken sind bedroht. Brutvögel auf Äckern sogar 70%, Meeresfische 12%.
Quellennachweis: Die Daten für diese Tabelle stammen von der Webseite www.rote-liste-zentrum.de.

Vögel, die auf Feld und Wiesen vorkommen, teilen ein ähnliches Schicksal, etwa 70 Prozent der dortigen Bewohner gelten als bedroht. Dazu gehören beispielsweise auch (früher noch häufig vorkommende) Vogelarten wie Feldlerche oder Kiebitz.

Auch wenn das Thema aktueller ist, denn je. Biodiversität (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ist kein neumodisches „Gedöns“. Sie ist im Laufe der Evolution durch genetische Mutationen und sich verändernde Umweltbedingungen entstanden und seitdem stetigen Schwankungen unterworfen. Arten kamen, Arten gingen. Doch der aktuelle Verlust an Lebensräumen, Biomasse und der Artenvielfalt legt ein gewaltiges Tempo vor. Mir scheint es, als würden wir mit 200 Kilometern pro Stunde über die Autobahn rasen und dabei weder nach rechts noch nach links schauen.

Beim Verlust der Biodiversität kommt es mir so vor, als würden wir mit 200 Kilometern pro Stunde über die Autobahn rasen und dabei weder nach rechts noch nach links schauen.

Beispiel Ökosysteme

Je nach Quelle befinden sich 50–70 Prozent unserer heimischen Ökosysteme in keinem guten Zustand. Für so manches Problem sind “natürliche” Ursachen wie der Klimawandel verantwortlich, meistens aber vor allem der Mensch.

Dies gilt auch für Moore, die es hierzulande vor allem in nördlichen und südlichen Regionen gibt. Usprünglich herrschen dort saure, nährstoffarme und dauerhaft feuchte Bedingungen. Ein perfekter Lebensraum für diverse Arten von Schwertlilien, Moose, Sonnentau oder Wollgras, aber auch für viele Tiere. Dazu zählen Insekten wie das Moor-Wiesenvögelchen (ein hellbrauner Schmetterling), Goldregenpfeifer oder der blaue Moorfrosch. Sie alle brauchen ein “gesundes” Moor.

Die Feuchtgebiete machen rund fünf Prozent der Fläche Deutschlands aus. Doch das ist nur eine Zahl. Sehr häufig sind die Moorflächen viel zu trocken und auch sonst nicht gut zurecht. Einige werden nun vielleicht die früher noch sehr beliebte, torfhaltige Blumenerde als „Problemkind“ identifizieren. Doch deren Abbau ist für den Zustand nicht alleine verantwortlich. Sondern die Düngung naher Ackerflächen und vor allem, dass im Laufe der Zeit ein Großteil der Moore entwässert wurde. Die Veränderung der Lebensbedingungen hat natürlich auch große Auswirkungen auf die dort lebende Tier- und Pflanzenwelt.

Im Meer werden weltweit mehrere Milliarden Tonnen Sand pro Jahr abgesaugt. Manchmal für den Küstenschutz (Sylt!), vor allem aber für den Haus- und Straßenbau oder zur Herstellung von Computern und Glas. Teilweise geschieht dies sogar noch in der Nord- und Ostsee. An anderer Stelle trocknen Flüsse in der Sommerhitze aus oder sie kippen durch Düngemittel-Eintrag.

Streuobstwiesen nehmen ebenfalls immer mehr ab. Die artenreichen Lebensräume waren früher als günstige Obstlieferanten gerade in Ortsnähe sehr beliebt. Doch in den 1950er Jahren wurden sie in der Fläche immer mehr reduziert oder fielen modernen Obstplantagen zum Opfer. Heute werden sie wieder gefördert, stehen teilweise sogar unter besonderem Schutz. Das freut eine Vielzahl von Tieren wie etwa Steinkauz, Gartenschläfer, obstliebende Wildbienen, Admiral (den Schmetterling, nicht den Seefahrer), Amphibien wie den Laubfrosch oder diverse Fledermäuse.

Beispiel Ökologische Nische

In einer Lebensgemeinschaft hat jede Art ihre ganz persönliche Nische und Funktion. Auch Vögel. Stieglitze bevorzugen etwa die Samen von Disteln oder Kiefern, Grünspechte lieben Ameisen. Amseln suchen Regenwürmer am Boden, Meisen hängen dagegen bei ihrer Suche nach Samen und Insekten oft kopfüber im Baum.

Generalisten wie Stein- oder Ackerhummeln passen sich an Veränderungen recht gut an, Spezialisten haben damit oft ein Problem. Ein Beispiel ist der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Das ganze Leben dieser bedrohten Art kreist um den sogenannten Großen Wiesenknopf, der Schmetterling ist also darauf spezialisiert. Das Rosengewächs kommt auf jungen Wiesenbrachen, Feucht- oder auch Streuobstwiesen vor. Werden diese trockengelegt, zu viel gedüngt oder zu früh gemäht, kann dies den Großen Wiesenknopf in seinem Bestand gefährden, was wiederum direkte Auswirkungen auf den Tagfalter hat.

Ein Schmetterling mit bräunlich-grauen Flügeln und dunkelblauen Punkten sitzt auf einer dunkel-lilafarbenen, knopfrunden Blüte. Der Körper des Schmetterlings ist hellblau.
HanousekAdler, CC BY 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/4.0>, via Wikimedia Commons. Modrásek bahenní (Phengaris nausithous) v PP Na Plachtě 3.jpg. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Modr%C3%A1sek_bahenn%C3%AD_(Phengaris_nausithous)_v_PP_Na_Placht%C4%9B_3.jpg

Wölfe als Naturschützer?

Manche Arten besetzen nicht nur Nischen, sie haben eine große Bedeutung für ein ganzes Ökosystem. Verschwinden diese, kann das ungeahnte Auswirkungen auf andere Lebensformen haben. Ein viel diskutiertes Beispiel ist das Ökosystem des Yellowstone-Nationalparks. Einige Zusammenhänge sind mittlerweile relativ gut erforscht:

Als die letzten Wölfe im Jahr 1926 getötet wurden, veränderte sich das Netzwerk des Lebens fundamental. Statt der Wölfe vermehrten sich Kojoten, aber auch diese konnten die Vermehrung der Wapiti-Hirsche nicht verhindern. Die Paarhufer fraßen in der Folge viele wichtige Pflanzen wie Weiden, Pappeln, Erlen und Beerensträucher ab, der Boden wurde mit dem Wurzelverlust anfällig für Erosion. Mit der Neuansiedelung von insgesamt 31 Wölfen kehrte sich dieser Prozess ab dem Jahr 1995 vor allem in der Nähe von Gewässern wieder um, wovon wiederum Vögel, Fische und Biber profitierten. Eine aktuelle Studie dazu ist Ripple, Beschta, Wolf et al. 2025 (Informationen zur Publikation weiter unten).

Doch auch die genetische Vielfalt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) innerhalb einer Art ist wichtig. Ob dies nun Hitzeperioden im August, Schnee-Einbrüche im Mai, Virus-Erkrankungen, das Aussterben von Futterpflanzen oder große Umwälzungen im Lebensraum sind. Das ist bei Bänderschnecken und Vögeln nicht anders als bei uns Menschen.

Jede Art ist mit ganz besonderen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen ausgestattet. Deshalb wäre es wichtig, diese natürliche Vielfalt zu erhalten. Das ist auch für uns Menschen gut. Aber darum wird es in einer der beiden nächsten Ausgaben gehen.

 

Ausblick

Die nächsten Themen werden sein:

 Zum Schmunzeln

Wie schon in der Willkommensmail angekündigt, sind bei mir einige Finger manchmal schneller, als andere. Und schon kommt beim Tippen ein lustiger Wortdreher heraus. Vor einigen Tagen war es der folgende:

Ah, endlich kommt das Gewitter. Und gleich fiegen alle Vlögel weg!

Gefunden 😉?

Lesefutter

 

Ich freue mich, wenn wir uns vernetzen! Du findest mich auf:

Du hast noch kein Abo? Dann melde Dich hier an und erhalte einmal pro Monat kostenlos eine Ausgabe von „Tierisch Vielfältig!“.

Du erhälst meinen Newsletter schon und Dir gefällt diese Ausgabe? Dann leite die Email gerne an Freunde und Bekannte weiter.

Mehr zum Thema
https://steady.page/de/kerstinbeckert/posts/39178f73-a922-4232-978a-886c2c4cf015 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

https://steady.page/de/kerstinbeckert/posts/40581ef1-8cf6-4512-8b88-9c45eecf041d (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Sujet Basics

0 commentaire

Vous voulez être le·la premier·ère à écrire un commentaire ?
Devenez membre de Tierisch Vielfältig! Biodiversität im Fokus et lancez la conversation.
Adhérer