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Filigrane Glaskunst

Das schönste Glas bricht auch in Scherben

Glas ist robust und stark oder fein und filigran. Glas umgibt uns überall. Im Elzer Rathaus könnt ihr aktuell an Flechtkunst anmutende Glaskunstwerke sehen. Und auch die Kunstsammlung in Limburg lockt mit Glaskunst. Viel Spaß beim Lesen!

Glas hat keine lange Kultur in unserer Region, doch eine sehr prägende. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Glashandwerker aus den sudetischen Gebieten nach Deutschland und ließen sich in Hadamar nieder. Sie bauten ihre Betriebe dort auf und 1949 wurde die Glasfachschule in Betrieb genommen, welche bis heute existiert. Glaskunst in den verschiedenen Ausprägungen ist auch immer wieder im Glasmuseum in Hadamar (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) zu betrachten.

Glas ist ein faszinierender Werkstoff. Es ist da und gleichzeitig scheint es zu verschwinden. Es trennt und verbindet, schützt und lässt uns doch hindurchsehen. Vielleicht ist es genau diese Spannung, die auch die Glaskunst so besonders macht. Sie zwingt uns, genauer hinzuschauen, das Licht zu suchen, Perspektiven zu wechseln. Was auf den ersten Blick klar und schlicht wirkt, entfaltet seine Wirkung oft erst beim zweiten Hinsehen.

Flechtwerke aus Kristall

Anton Friedrich (geboren 1942), lebhaft in Elz, machte seine Ausbildung an der Glasfachschule in Hadamar und betrieb viele Jahre als Glaschleifermeister seine Werkstatt in Elz. Bis 2002 fertigte er hauptsächlich Trinkgläser aus Bleikristall. Ab 1999 begann seine Begeisterung für geschliffene Diatretgläser, welche er in der Werkstatt von Josef Welzel, Fachlehrer für Gravur, sah. Welzel gelang es durch intensives Studium sowie Schleiftechniken, dieses antike Handwerk wieder aufleben zu lassen.

Für eines seiner filigranen „Flechtwerke“ benötigt Anton Friedrich rund fünf Monate. Ausgangspunkt ist ein etwa fünf Kilogramm schwerer, mundgeblasener Glasrohling. Daraus entstehen feine, netzartige Strukturen, bei denen sich filigrane Glastreben umeinander legen und den inneren Glaskörper umhüllen. Diese Technik reicht bis in die römische Kaiserzeit und die Spätantike zurück, und hat bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Die Werke ziehen den Blick auf sich, gerade weil sie so zerbrechlich und zugleich so präzise gearbeitet sind. Zu den Öffnungszeiten der Gemeinde sind sie im Foyer des Elzer Rathauses zu sehen.

Filigrane Glaskunst im Elzer Rathaus

Situationen 2.0

In der Kunstsammlung in Limburg könnt ihr noch bis zum 12. April die Ausstellung “Situationen” besuchen. Junge Künstler des Institut für künstlerische Keramik und Glas (IKKG) Koblenz zeigen dort ihre Arbeiten aus Glas, Keramik sowie Installationen. In der großen Halle stehen weiße Glasgebilde, welche wie ein Wald anmuten - filigran, durchwoben, miteinander verzahnt. Wie ein stiller, weißer Wald. Im oberen Geschoss erwartet den Besucher ein grüner Kunstrasen vertikal zum Raum steht und feine, durchsichtige Glasblumen aus ihm sprießen. Es sind Arbeiten, die mit Raum, Wahrnehmung und Material spielen und die genau das einlösen, was Glas so besonders macht: seine Fähigkeit, gleichzeitig präsent und beinahe unsichtbar zu sein. Ein Besuch lohnt sich also, vielleicht gerade dann, wenn man bereit ist, einen zweiten Blick zu wagen.

Vielleicht ist es genau das, was Glas und diese Zeit im Jahr verbindet: das Spiel mit Licht, Transparenz und neuen Perspektiven. Wenn die Tage heller werden und der Frühling langsam Einzug hält, verändert sich auch unser Blick auf die Dinge. Sie wirken leichter, klarer, offener.

In diesem Sinne wünsche ich Euch frohe und erholsame Ostern, Momente zum Innehalten und vielleicht auch die Gelegenheit, das eine oder andere neu zu entdecken.

Liebe Grüße
Eure Heike

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