
Liebe Leser:innen,
wer Anfang Januar vergeblich auf diesen Newsletter gewartet hat: Ich bitte um Entschuldigung, das Leben wollte anderes von mir. Ohnehin eine der spannendsten Lektionen gerade für mich, genau da hinein zu fühlen, was es gerade braucht. Manchmal ist es eine Pause.
Und obwohl die Welt sich gerade wieder nicht danach anfühlt, bin ich nun frisch zurück, auch hier, und plane Newsletter bis zur Sommerpause, wie immer am ersten Sonntag im Monat.
Euch erwarten in dieser (extralangen) Ausgabe:
20 x weitere Vorfreude auf Bücher des Frühjahrs
was Neues zu meinem zweiten Standbein
schönste Termine für die kommenden Wochen
doppelte Podcast-News
und ganz zum Schluss ein paar Bücher, die gerade helfen können, die Welt besser zu verstehen.
Für die freundliche Unterstützung dieses Newsletters danke ich dem Suhrkamp Verlag, der im Dezember die Waterfront Journals von David Wojnarowicz veröffentlicht hat — in der hervorragenden Übersetzung von Marcus Gärtner, eine innige Empfehlung.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)»Ein absolut entscheidendes Buch von einem der Größten des 20. Jahrhunderts.« Maggie Nelson
David Wojnarowicz – der legendäre Künstler, Bilderstürmer und Aktivist – erzählt von Menschen, die nirgends dazugehören, von Aufbruch, Verzweiflung und von harscher Schönheit, wo niemand sie vermuten würde.
Jetzt reinlesen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Jetzt aber zu den nächsten Frühjahrstiteln, auf die ich mich sehr freue. Wer Teil 1 verpasst hat, kann hier den letzten Newsletter nachlesen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Eva von Redecker hat mich schon mit ihren Büchern Revolution für das Leben und Bleibefreiheit sehr beeindruckt, erhellt und zum Nachdenken gebracht. Nun nimmt die Philosophin sich das Thema vor, was uns vielleicht am allermeisten Angst macht: Sie schreibt über den neuen Faschismus. Dieser Drang nach Härte (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)erscheint Mitte März und es ist vielleicht das Buch, von dem ich wünschte, unsere Gegenwart hätte es nicht so bitter nötig.
Und jetzt queer! Lesen jenseits der Norm (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) erscheint am 3. März. Dieses Buch wird unsere Leselisten beflügeln und unseren Blick weiten, unser literarisches Fundament festigen, unsere Wahrnehmung und unser argumentatives Besteck schärfen. Es ist die Gemeinschaftsarbeit von Bianca-Maria Braunshofer, Marlon Brand und Tobi Schiller, die über queere Literaturen schreiben, die es seit jeher gab, was immer uns der Kanon auch einreden will. Jasmina El Bouamraoui alias EL BOUM hat den Band illustriert, und ich freue mich jetzt schon auf die Buchpremiere am Indiebookday, am 14.3. im ocelot.
David Hugendick denkt in seinem Essay Jetzt sag doch endlich was (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) über das Stottern nach, so der Untertitel. Wovon der autobiografische Text noch erzählt, ist das Sprechen in unserer hastenden Gesellschaft, ist die Ungeduld unserer Zeit. Ein Buch auch als Ermutigung, das eigene Tempo zu finden. Es ist gerade erschienen.
In Ein Haus für mich (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) knüpft Christine Koschmieder wieder an ihre autofiktionalen Texte Dry und Schambereich an. Berührend schreibt sie vom Besitzen und gleichzeitig vom Mangel, sie legt von ihrem eigenen Renovierungsprojekt die Fährten zu den Behausungen anderer Figuren der Kunst und Literatur, befragt kritisch die Vergangenheit und unseren Blick auf das Dorfleben in Ostdeutschland. Ich durfte das Buch bereits begeistert lesen, es erscheint am 17. März.

Vielleicht zähle ich die Tage bis zum 19. Mai, wenn der neue Roman von Heike Geißler erscheint. Michaela Kohlhaas (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) — mehr muss (und kann ich) noch gar nicht sagen. Aber in mir kribbelt es ungeduldig.
Ab Mitte März lese ich auf jeden Fall Alle meine Mütter (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Lena Gorelik. Darauf freue ich mich mindestens genauso.
Auch wegen eines meiner liebsten Bücher der letzten Jahre, Orwells Rosen von Rebecca Solnit (Ü: Michaela Grabinger) bin ich sehr auf das neue Buch von Anna Funder gespannt. Darin geht sie dem Leben und Wirken von Eileen O'Shaughnessy (George Orwells erster Frau) nach und stellt stellvertretend auch für andere große Literaten Fragen, über die diese wohl ebenfalls lieber geschwiegen hätten. Mrs. Orwells unsichtbares Leben (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (Ü: Reinhild Böhnke) erscheint am 24. Juni.
Hatice Açikgöz gibt im März mit Literarisch Solidarisch (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) eine Sammlung heraus, die unseren Literaturbetrieb weiter denkt. Für die Anthologie geschrieben haben: Josephine Apraku, Maryam Aras, Sarah Berger, Betiel Berhe, Dara Brexendorf, Seda Çalışkanoğlu, Özlem Özgül Dündar, Mareike Fallwickl, Christiane Frohmann, Heike Geißler, Linus Giese, Mareice Kaiser, Ozan Zakariya Keskinkılıç, Maline Kotetzki, Hami Nguyen, Andrea Schöne und Ayna Steigerwald.

Ich wünschte, ganz viele Leser:innen würden Josefine Klougarts wirklich bemerkenswerte Literatur entdecken. Jetzt gibt es eine neue Chance, denn am 9. März erscheint ein neues Werk Das alles könntest du haben (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (Ü: Peter Urban-Halle).
Bei Lilli Tollkien hingegen könnt ihr von Anfang an dabei sein. Ihr Debütroman mit dem grandiosen Titel Mit beiden Händen den Himmel stützen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) erscheint am 11. März.
Oroppa (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (Ü: Stefanie Ochel) von Safae el Khannoussi erscheint am 17. Februar. Und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass das genau der Roman wird, bei dem man auf den nächsten Parties gern mitreden will. (Es wären so gute Feste, wenn auf ihnen über dieses Buch gesprochen würde. Notfalls fangt ihr damit an.)
Am 14. März endlich erscheint Ich, die ich Männer nicht kannte (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)von Jacqueline Harpman (Ü: Luca Homburg). Ihr habt es bestimmt längst auf der Leseliste für dieses Jahr, sonst ist das hier die ebenso freundliche wie nachdrückliche Erinnerung.

Lange, lange haben viele von uns auf einen neuen Roman von Kiran Desai gewartet. Die Einsamkeit von Sonia und Sunny (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (Ü: Robin Detje) erscheint am 25. März — und hat zum Glück 752 Seiten. Das könnte uns eine Weile bestens beschäftigen.
Martin Piekar veröffentlicht mit Vom Fällen eines Stammbaums (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)nach intensiver Lyrik nun Mitte Mai seinen ersten Roman. Ich kann es kaum erwarten, ihn daraus lesen zu hören.
Pizza Orlando (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) heißt das Debüt von Clara Umbach und ist bereits in dieser Woche erschienen. Der Roman erzählt von queerer Liebe, Körper und Versehrtheit, Distanz und Sehnsucht.
Der zweite Roman von Yade Yasemin Önder erscheint am 26. Februar. Und Daniela Dröscher sagt über Anti Müller (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre): »Ich wage zu prophezeihen, dieses Buch wird ein feministischer Klassiker.« Ich sage: Hört, hört!

Die Marohefte gehören ohnehin zu den interessantes Kurzformen der letzten Jahre. Am 6. März erscheint Band 21 ein abwerbendes Heft Katharina Lux schreibt und Amelie Göppel illustriert in Es ist kompliziert (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) zur Beziehung von Kapitalismus und Feminismus.
Bitch Hunt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Veronika Kracher erscheint Ende Februar und geht der Frage nach, warum wir es lieben, Frauen zu hassen.
Lina Muzur hat mit Frauenprobleme (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) gerade eine Anthologie herausgegeben, die 33 Sprachnachrichten versammelt und uns die Stimmen schenkt, die (halb anonym) aus ihrem Leben erzählen und uns damit so, so oft die Gewissheit geben: Wir sind nicht allein.
Unerwidert lieben (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Miriam Metze ist eine philosophische Tröstung für dieses ganz bestimmtes Gefühl, das vermutlich die meisten von uns kennen. Es erscheint Mitte Februar und ist vielleicht das beste Valentinstagsgeschenk, das wir uns selbst machen können.
Neben dem Moderieren gibt es eine zweite Säule meines beruflichen Lebens.
Im fünften Jahr auf Steady und nach über 160 Veröffentlichungen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), war es dort nun Zeit für eine Politur. Alles darf ein bisschen schöner und vor allem übersichtlicher werden, denn ich liebe diesen Raum für Texte über Bücher und Beobachtungen, möchte seine Leichtigkeit beschützen und trotzdem zur Tiefe einladen.
Neues gibt es dort immer am 9., 15. und 23. eines Monats.
Die Mitgliedschaften, reichen von einfach mitlesen bis zu persönlichen Buchberatungen via Zoom und heißen: Anker, Weite und Kompass. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Für mich sind sie der Halt in einer Zeit, in der der Kulturbetrieb Honorare immer mehr kürzt. Und für euch sind sie literarische Inspiration und Begleitung, je nachdem, was ihr gerade braucht.
Ich freu mich, wenn wir auch dort gemeinsam auf Reisen gehen.
Schönste Termine

Am 10.2. spreche ich um 20 Uhr im Instagram Livestream mit Asal Dardan über ihre Übersetzung von Auf den Straßen Teherans (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Nila.
Am 19.2. spreche ich um 20 Uhr im Instagram Livestream mit Oliwia Hälterlein über ihren Roman Wir Töchter. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Am 25.2. moderiere ich im Literaturforum im Brecht-Haus (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) die Buchpremiere von Im Orkan (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Ulrike Almut Sandig.
Am 28.2. bin ich dann im Rahmen der Herbstlese in Erfurt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)und spreche mit Daniel Schreiber über sein neues Buch Liebe! Ein Aufruf (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Podcast-News
Bevor Ludwig Lohmann und ich am 11.2. um 20 Uhr Folge 81 unseres blauschwarzberlin-Literaturpodcasts im Livestream (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) aus der Stabi senden, wollt ihr vielleicht nochmal in die Januarfolge reinhören?
https://www.youtube.com/watch?v=3aVpyVyEA0Q (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Und heimlich still — aber vor allem tief beeindruckt arbeiten wir an einer blauschwarzberlin-Sonderfolge, für die wir uns mit der Shortlist des Wortmeldungen Literaturpreises (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) beschäftigen. Sie wird ab dem 7. Februar auf allen euren liebsten Plattformen zu hören sein.
Vielleicht wollt ihr vorab oder danach oder gern auch zwischendurch die Texte der fünf nominierten Autor:innen (mit)lesen? Das könnt ihr hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) tun und ich empfehle es euch wärmstens. Denn was Marcel Beyer, Petra Nagenkögel, Lara Rüter, Boris Schumatsky und Ivna Žic die für die Wortmeldungen Shortlist nominiert sind, da geschrieben haben, womit sie sich literarisch so kunstvoll beschäftigen, hat jede Aufmerksamkeit und genaue Lektüre verdient und zeigt wieder einmal sehr deutlich, wie wirkmächtig die kurze Form von Literatur sein kann. Am 17.3. wird bekanntgegeben, welcher Text den Preis gewinnt. Ich bin sehr gespannt — und ausnahmsweise sehr froh, das nicht entscheiden zu müssen.
Bücher, die wir jetzt lesen sollten
Ich habe ein paar Titel zusammengestellt, die gerade in diesen Zeiten helfen können, die Welt vielleicht etwas besser zu verstehen. Sachliches, Lyrisches, Denkendes und Fühlendes und Literatur, die mir gerade gut tut und vielleicht auch euch den Mut finden lässt, ihr immer wieder neu zu begegnen.




Und damit verabschiede ich mich bis zur nächsten Ausgabe am 1. März. Dann werden wir die Frühjahrsvorschauenfreude gebührend abschließen.
Auf ein gutes Lesen.
Eure Maria