
Liebe Leser:innen,
heute gehts weiter mit dem vorfreudigen Ausblick in die Herbstvorschauen der Verlage. Wer nochmal in den ersten Teil schauen möchte, findet hier die vorherige Ausgabe (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Aber das Buch, für das ich diesen Newsletter eigentlich geschrieben habe, kommt ganz zum Schluss.
Doch bevor es um die neuen Programme (und viele Romane) geht, hier drei Bücher zur Zeit, die es schon gibt, die gerade erschienen sind.

Es ist eine Zeile der syrischen Dichterin Lina Atfah an ihre Kollegin Nino Haratischwili, die der Briefwechsel-Anthologie Wenn ich deine Worte lese, finde ich den Weg zurück nach Hause (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ihren Titel gibt. Die Herausgeberinnen Annika Reich und Mirjam Wittig haben hier Texte von fünfzehn Tandems aus zehn Jahren Weiter Schreiben (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) zusammengestellt, die uns zeigen, wie wichtig es gerade in Krisenzeiten ist, miteinander in Verbindung zu sein. Mit Briefen von: Ali Abdollahi, Omar Al Jaffal, Abdalrahman Alqalaq, Baraa Altrn, Lina Atfah, Marie Bamyani (Pseudonym), Marica Bodrožić, Sabina Brilo, Asal Dardan, Daniela Dröscher, Tamanna Easar, Yirgalem Fisseha Mebrahtu, Sylvia Geist, Heike Geißler, Freshta Ghani (Pseudonym), Daryna Gladun, Batool Haidari, Nino Haratischwili, Judith Hermann, Yael Inokai, Masoma K. (Pseudonym), Francesca Melandri, Mariam Meetra, Katerina Poladjan, Zia Qasemi, Tanasgol Sabbagh, Mithu Sanyal, Bilqis Soleimani, Oksana Stomina, Parand (Pseudonym), Shamsia (Pseudonym), Zaheda (Pseudonym).
Die Autorinnen Asal Dardan und Lena Gorelik und der Historiker Dietmar Süß haben mit Shelly Kupferberg über Erinnerung, Demokratie und Solidarität gesprochen. Entstanden ist der Band Gegenwehr im Jetzt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), der diese Gespräche und ergänzende Essays versammelt und genau die Fragen stellt, die uns jetzt umtreiben müssen, weil wir dem Faschismus nicht noch mehr Raum geben dürfen.
Das stimmt! … so nicht. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ist die Argumentationshilfe gegen Vorurteile und Fake News. Zehn Organisationen schreiben darin zu zehn Themen: Mein Grundeinkommen über Finanzielle Ungleichheit, Sozialheld*innen über Teilhabebarrieren für behinderte Menschen, die Amadeu Antonio Stiftung über Rassismus und Antirassismus, PINKSTINKS über Geschlechtergerechtigkeit, der LSVD Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg über Queeres Leben, Friedas for Future über die Klimakrise, Freunde fürs Leben über Mentale Gesundheit, Sea-Watch über Flucht und Migration, Volksverpetzer Gegen rechte Narrative und HateAid* über Digitale Gewalt. Das Buch kann man unter dem Link kostenlos herunterladen oder für 1€ (oder produktionskostendeckend für 5€ oder mit solidarischem Betrag für 10€) als Taschenbuch bestellen.
Und jetzt geht’s los: Diese Herbstnovis habe ich in den seltensten Fällen schon gelesen, erwarte sie aber alle mit größter Vorfreude. Ich schicke euch also Ausschnitte der Klappentexte in kursiv mit. (Und hier und da nicht kursiv eine klitzekleine Anmerkung von mir.)

Orca (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Franziska Gänsler erscheint am 17. August. Die Fleischtheke des Supermarkts am Tag, Stille bei Nacht: So sieht Coras Leben aus. Bis ihre Kindheitsfreundin Olympia verhaftet wird und alles zurückkommt. Der Sommer, in dem sie sich wiedergetroffen haben, in dem alles gesummt hat in ihr, das Seewasser noch auf der Haut, der Glitzer auf der Cap, die verzierten Fingernägel. Die langen Tage im großen, leeren Haus mit Olympia, die Cora erkennt, wie sie ist. Und wie schnell sie Olympia nicht mehr nur für sich hat nach der illegalen Party, auf der sie zum ersten Mal eine Grenze überschreiten, nach der Olympia so viel Zeit mit Ariel und ihrer Aktivistengruppe verbringt. Hier nochmal der glühende Hinweis, Heated Waitery (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) nicht zu verpassen. Franziska Gänsler spricht bis Mitte August auf Instagram jeden Montagabend mit einer Autorin, die ebenfalls gerade auf die Veröffentlichung des (neuen) Romans wartet.
Club der Verschwenderinnen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)von Lena Müller erscheint im September. Wenn Eli das Kind ins Bett gebracht hat und die Enge der eigenen vier Wände spürt, flieht sie in die Kneipe unten im Haus, an die Theke zu Gunda, der Wirtin – Hauptsache, nicht alleine sein. Durch das Aufkommen von KI ist ihr Job als Übersetzerin unsicher geworden, und als alleinerziehende Mutter bleibt ihr oft wenig Zeit für sich selbst. Gunda, über sechzig und ständig rauchend, steht seit fast zwanzig Jahren allein hinter dem Tresen. Als eine sommerliche Hitzewelle über die Stadt hereinbricht, trommelt sie die Mütter und Kinder des Hauses zusammen. Gemeinsam trotzen sie den extremen Temperaturen und verbringen ihre Zeit im kühlen Kneipenraum, spannen feuchte Laken über die städtische Betonwüste und hacken den asphaltierten Gehweg auf. Die gemeinschaftlichen Tage bringen Gunda und Eli einander näher und Gunda beginnt zu erzählen: von ihrem Leben in der DDR zwischen Gehorsam und kritischem Denken, von leidenschaftlichen Diskussionen im Lesezirkel, vom Festhalten an gesellschaftlichen Utopien auch nach der sogenannten Wende …
Die Woche danach (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Helga Schubert erscheint am 8. Oktober. Wenn es sein muss, kann man auch mit fast neunzig Jahren von vorn beginnen – ein Buch über die Liebe, über den Tod und über einen Neuanfang. Helga Schubert hat sich mit jedem ihrer Bücher fester in meine Lesebiografie und von dort in mein Denken geschraubt.
Niemand weiß, dass wir hier sind (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Sandra Gugić erscheint am 13. August. Eine Frau zieht mit ihrer Familie von Berlin nach Tel Aviv-Jaffa. Es ist nicht ihr erster Versuch, an einem anderen Ort neu zu beginnen, doch während ihr Partner sich rasch einlebt, bleibt sie fremd. Suchend reist sie durch die Westbank und Israel, sammelt die Geschichten der Menschen, die ihr begegnen. Dann kommt der 7. Oktober 2023. Gewalt und Gegengewalt – in einer Kaskade der Zerstörung gerät eine ganze Welt an den Abgrund.
Und während die Sirenen heulen und Raketen über sie hinwegfliegen, erzählt die Frau ihrem Kind auf dem Spielplatz Geschichten. Sie selbst steht scheinbar am Rand, beobachtet, hört zu – und versucht, unter dem Druck einer aufs Extrem zugespitzten Gegenwart Zeuginnenschaft abzulegen. So verbinden sich Erzählung, Gedankenstrom, Reportage und Botinnenbericht zur gedanklichen und physischen Odyssee einer Frau.

Alles mit Eigengewicht (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Silvia Pistotnig erscheint am 17. September. Silvia Pistotnig ist das, was man manchmal ein bisschen neidisch als „fit“ bezeichnet. Ein Tag ohne Workout- Einheit macht sie grantig. Das passt schon, denn ein trainierter Body signalisiert: Ich investiere in mich, ich will gesund sein, ich will Erfolg. Silvia Pistotnig zweifelt – und hört endlich ganz bewusst auf ihren Körper. Und der fragt kritischer nach als erwartet: Magst du mich eigentlich? Kannst du mich wertschätzen? Wovor läufst du davon? Und hey, feministisch, raunzt er, ist das nicht, was du machst. Das sitzt. Eine Kindheit ohne Sport, ein Körper, den man der Veränderung durch Mutterschaft und Alter entreißen will, das große Hadern mit Schönheitsidealen und der eigenen Sterblichkeit: Silvia Pistotnig enthüllt, wie unbarmherzig wir auf uns selbst schauen – und dass unser Leben Gewicht haben darf.
Die Stadt, die sie schrieben (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Isabella Caldart erscheint im September. Jedes Jahr erscheinen Dutzende Romane, die nicht nur in New York City spielen, sondern die Stadt als integralen Bestandteil erzählen und sie so zu einem eigenständigen Charakter machen. »Die Stadt, die sie schrieben« versammelt einige der wichtigsten Autorinnen, die die Stadt als ihren Lebensmittelpunkt hatten, sich in ihrer Literatur ausführlich mit ihr beschäftigten und das Bild von New York City prägten. Portraitiert werden: Kathy Acker – Nellie Bly – Leslie Feinberg – Paula Fox – Mary Gaitskill – Siri Hustvedt – Bel Kaufman – Lisa Ko – Nella Larsen – Emma Lazarus – Fran Lebowitz – Paula Marshall – Mary McCarthy – Eileen Myles – Daphne Palasi Andreades – Dorothy Parker – Ann Petry – Betty Smith – Edith Wharton – Jacqueline Woodson
Die Wahrheit kann niemand verbrennen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Marica Bodrožić erscheint als Neuauflage im August. Ausgehend von der mittelalterlichen Mystikerin Mechthild von Magdeburg fragt Marica Bodrožić nach der Kraft der Sprache, nach dem Ursprung der Poesie und nach einer Wahrheit, die sich dem Zugriff entzieht und gerade darin Bestand hat. Aus der Begegnung mit ihrem Werk entsteht ein poetischer Raum, in dem sich Erkenntnis nicht festschreiben lässt. Sprache erscheint hier als Bewegung, als Fließen zwischen Schweigen und Ausdruck, zwischen Hingabe und Widerstand. In einer Welt, die zur Vereinfachung und Schnelligkeit drängt, erinnert dieser Text daran, dass Wahrheit sich nicht besitzen lässt – und dass jede echte Erfahrung im Ungesicherten beginnt.
Mein Leben als Frau (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Antonia Baum erscheint im August. Die gleichnamige Kolumne war von 2020 bis 2024 in der Zeit zu finden und ich bin froh, dass diese Texte nun gesammelt und mit diesem großartigen Cover erscheinen.
Auf Steady (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) habe ich Mitte Mai unter anderem zu diesen Büchern über komplexe Mutter-Tochter-Beziehungen geschrieben.

Und dabei ganz sicher gesagt, dass Meine Zuflucht und mein Sturm (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Arundhati Roy (übersetzt von Anette Grube) zu meinen neuen liebsten Büchern gehört. In diesem Zuge möchte ich euch unbedingt noch auf ein großartiges Porträt von Sabine Jainski hinweisen: Bis zum 22.8. könnt ihr Arundhati Roy — Eine andere Geschichte Indiens (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) noch in der ARTE Mediathek finden. Und spätestens danach direkt zu lesen anfangen.
Was Steady betrifft: Während es auf Instagram in den kommenden Monaten etwas ruhiger auf meinem Kanal bleiben wird, gibt es auf Steady — verlässlich auch über den Sommer — Texte zum Lesen und übers Leben, immer am 9., 15. und 23. eines Monats.
Herbstnovis 2

Winterschlaf (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Mario Petuzzi erscheint am 19. August. Wenn der Schnee in den Alpen bis ins Tal hinunter schmilzt, ist es soweit: Die Mutter erwacht aus ihrem Winterschlaf, den Kopf voller Träume der letzten Monate. Erwartet wird sie vom Großvater, umsorgt von ihren Kindern, den Zwillingen. Schon bald reisen die ersten Besucher an, denn die Träume der Mutter versprechen Rat und spenden Trost. So geht es Jahr für Jahr. Doch in diesem Sommer, dem zehnten der Zwillinge, wird sich alles ändern – und was die Mutter weissagt, wahr werden.
Das Lachen der Medusa (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Hélène Cixous erscheint im Oktober in der Übersetzung von Claudia Simma. Das Lachen der Medusa – 1975 zum ersten Mal auf Französisch erschienen – zählt zu den Schlüsseltexten der feministischen Theorie und ist ein widerständiges, lebendiges und provokantes Bekenntnis zum politischen Akt des Schreibens im Ausgang vom weiblichen Begehren. Die kommentierenden und erklärenden Beiträge jüngerer Feministinnen und ein Interview mit Hélène Cixous ordnen diesen Grundlagentext historisch ein und erklären seine Bedeutung für den heutigen Feminismus.
Wand an Wand (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)von Maja Zade erscheint am 3. September. Maja Zade erzählt von einem Haus als Mikrokosmos einer Stadt – und von Menschen, die nebeneinander existieren und sich doch unausweichlich prägen. Ein vielstimmiger Roman über Nähe und Distanz, über das Altern, Begehren und die fragile Hoffnung, dass aus bloßer Nachbarschaft so etwas wie Verbundenheit erwachsen kann.
Handbuch für Putzfrauen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Lucia Berlin erscheint, übersetzt von Antje Rávik Strubel, am 13. November erstmals in der vollständigen Ausgabe. Lucia Berlins Erzählungen, die in den 1960er–1980er-Jahren entstanden sind, zeugen von einem unsteten, von Brüchen durchzogenen Leben. Es sind Frauen wie sie, deren Schicksal Lucia Berlin festhält: alleinerziehende Mütter, Alkoholikerinnen auf Entzug, Haushaltshilfen, Krankenschwestern, Sekretärinnen. Es geht um eine erste Liebe, das Ende einer Ehe, um schwangere Mädchen, um Migration, Reichtum und Armut, um Einsamkeit, Glück und Gewalt. Die Orte des Geschehens sind alltäglich: Waschsalons, Cafés und Restaurants, Notaufnahmen, Arztpraxen. Hier entsteht das Unerwartete, zeigen sich die kleinen Wunder des Lebens, entwickeln sich Tragödien, denen Lucia Berlin mal mit Humor, mal mit Melancholie, aber stets mit ergreifender Empathie auf den Grund geht.
Weil der Aki Verlag jedes Jahr nur im (namensgebenden) Herbst neues (namensgebendes) Leuchten veröffentlicht, um den Titeln und den schreibenden, verlegenden und lesenden Menschen mehr Zeit zu schenken, gehört das sechste Programm als dafür dankbare Liebeshandlung vollständig in diesen Newsletter. Und sowieso geht jedes Mal ein Staunen durch mich bei dem, was Ann Kathrin Doerig da (nun zum sechsten Mal) erschafft.

Mein Jahr in Paris mit Gertrude Stein (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Deborah Levy erscheint übersetzt von Marion Hertle am 15. Juli. Die Erzählerin von Mein Jahr in Paris mit Gertrude Stein hat viel zu tun. Der Kater ihrer Freundin Eva ist verschwunden, und sie befürchtet, er könnte im Bewusstseinsstrom davongeschwommen sein. Ihre andere Freundin Fanny hat kaum Zeit für sie, denn sie arbeitet in der Finanzbranche und ist mit nicht weniger als drei Liebhaberinnen verstrickt. Und vor allem Gertrude Stein macht der Erzählerin das Leben schwer.
Sie versucht, einen Essay über Stein zu schreiben, aber das scheint ganz unmöglich zu sein. Sie weiß zu viel und gleichzeitig gar nichts über die wichtige Avantgarde-Denkerin des frühen 20. Jahrhunderts.
Was sie weiß, ist Folgendes: Gertrude Stein studierte Psychologie und Medizin, brach dann aber ihr Studium ab, kuratierte stattdessen in ihrer Mietwohnung in Paris moderne Kunst, die die Welt erschüttern sollte, Picasso, Matisse und Hemingway gingen bei ihr ein und aus, sie schrieb Romane, Theaterstücke und Gedichte, die inkohärent und brillant sind, und sie verliebte sich auf den ersten Blick in ihre spätere Frau Alice B. Toklas.
Aber so vieles weiß sie auch nicht. Und so versucht sie, herauszufinden, was wir verlieren müssen, um modern zu werden, wie wir mit Ängsten umgehen, mit Unsicherheit leben, mit deprimierenden Vätern, wie wir uns ein neues Leben in einem anderen Land aufbauen. Sie denkt nach über Kunst und Sprache und Freiheit – darüber, was all diese Dinge für Gertrude Stein in den Anfängen des 20. Jahrhunderts bedeutet haben und was sie für sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts bedeuten. Ich durfte dieses Buch bereits begeistert lesen: »Ein Buch über die Liebe – in all ihren Formen – zwischen Frauen. Eine Hymne darauf! Mit Deborah Levy in Paris, nicht nur auf den Spuren Gertrude Steins, sondern verbunden in Freundinnenschaft und Liebe zur Kunst, zum Leben — was für ein Glück, dass wir dabei sein dürfen.«
St. Brooklyn (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Christoph Trummer erscheint am 20. August. Ein Schweizer Musiker reist im Februar 2006 mit seinem Gitarrenkoffer von Bern nach New York. Er will herausfinden, ob seine Lieder tragen, ob das englischsprachige Publikum ihn besser versteht. Ob es dort Menschen gibt, denen er seine Musik, seine Leidenschaft nicht erklären muss. Menschen, die ihn wirklich sehen. Er findet Zugehörigkeit, Freundschaft, musikalische Verwandtschaft. Doch die Nähe legt auch Brüche frei, und mit der Zeit erkennt er, dass er und seine neuen Bekannten aus ganz anderen Welten kommen: Er hat einen Schweizer Pass, etwas Geld auf der Seite, ein Rückflugticket. Angelina, Joey, Lee und Tom leben von Auftritt zu Auftritt, schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch, haben keine Krankenversicherung, kein Sicherheitsnetz, auf das sie zurückfallen könnten. Für sie steht weitaus mehr auf dem Spiel. In dieser neuen Welt beginnt seine Fassade zu bröckeln. Die Künstlerpose, die ihn jahrelang geschützt hat, fällt von ihm ab. Um wirklich gesehen zu werden, muss er riskieren, sich zu zeigen.
Gesichter im Spiegel (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Johanne Lykke Holm erscheint, übersetzt von Hanna Granz, am 12. November. Bernarda und Silas sind Theaterkinder. Sie sitzen im Saal des Stadttheaters von Malmö und schauen zu, wie die Erwachsenen auf der Bühne spielen. Ein erwachsener Mann als Schwan verkleidet. Eine Frau in einem Trollkostüm. Eines Tages taucht eine neue Schauspielerin mit ihren beiden Kindern Asta und Fox auf. Die vier Kinder werden Freunde und ziehen sich aus der unberechenbaren Welt der Erwachsenen zurück, um sich einen eigenen Raum zu schaffen, eine gesetzlose, verzauberte Welt hinter den Kulissen, zu der Erwachsene keinen Zutritt haben. Doch etwas passiert, und fünfundzwanzig Jahre später wird Bernarda von ihrer Vergangenheit heimgesucht. Etwas drängt sich ihr auf und zwingt sie, ihren Blick auf die Tragödie zu richten, die sie mit aller Kraft zu verdrängen versucht hat. Gesichter im Spiegel ist ein Roman voller Schall und Rauch, voller Irrlichter und Spiegelphänomene, in dem sich alles im Wandel befindet. Johanne Lykke Holms Sprache ist hoch atmosphärisch, sinnlich und immer auch ein bisschen unheimlich.
Schaum (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Kate Zambrano erscheint, übersetzt von Eva Bonné, am 17. September. Schaum beginnt mit der Geburt des zweiten Kindes der Erzählerin. Die Erzählerin ist erschöpft, hat als Autorin und Dozentin in den USA keinen Mutterschutz und auch sonst gibt es kaum Strukturen, die sie unterstützen könnten. Sie stellt eine Reihe von Nannys ein, die alle Eva heißen, und ist sich nicht sicher, ob diese sie wirklich entlasten.
Wer sind all diese Evas? Sie kommen, um zu helfen, im Haushalt und mit den Kindern, doch sie stellen auch Anforderungen und stören den häuslichen Raum und das Gleichgewicht der Erzählerin. Außerdem müssen die Evas bezahlt werden, mit Geld, das die Erzählerin eigentlich nicht hat.
Und noch eine Eva spielt eine wichtige Rolle und treibt die Erzählerin um: Eva Hesse und ihre Kunst, aber auch andere Künstler*innen und Soft Sculptures, wie überhaupt alles Wandelbare und Formverändernde.
Schaum ist der neueste grenzenüberschreitende, genreunabhängige und skurrile Roman von Kate Zambreno. Ein spekulativer Kunstessay, eine Sammlung von Texturen, ein Zeugnis der Prekarität und der flüchtigen Zeit – ein Meisterwerk in Ton und Atmosphäre.

Sommer und so (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Rebecca Martin erscheint am 15. Juli. Rebecca ist Ende zwanzig und hat ihr Leben in Berlin hinter sich gelassen, um in London neu anzufangen. Sie will den Durchbruch als Drehbuchautorin schaffen, mit ihren Freundinnen Champagner trinken, mit interessanten Männern auf Dates gehen, gute Bücher lesen, glamouröse Dinnerpartys schmeißen, sich ganz und gar zugehörig fühlen.
Stattdessen lebt sie in einer WG, die sie sich kaum leisten kann, verbringt ihre Tage schreibend in der Bibliothek mit ihren Freundinnen Anne und Melody und versucht, sich mit ihrem Job als Nanny irgendwie über Wasser zu halten. Und sie versucht, ihr gebrochenes Herz wieder zusammenzuflicken, Max zu vergessen. Zu vergessen, wie schlecht er sie behandelt hat, wie lange sie trotz allem bei ihm geblieben ist, wie sehr sie mit der Rolle der Stiefmutter für seinen Sohn gehadert hat.
Als sie Jeppe kennenlernt, erinnert sie nichts an ihm an Max, und so lässt sie sich auf eine Sommeraffäre mit ihm ein. Jeppe ist älter als sie und hat die meisten großen Entscheidungen für sein Leben schon getroffen: Er hat zwei Kinder, ist geschieden, ist erfolgreicher Filmproduzent, hat Geld. Sie essen zusammen auf den Terrassen der besten Restaurants, fahren für ein Wochenende nach Paris, übernachten in luxuriösen Hotelsuiten. Wäre das ein gutes Leben? Rebecca erwägt einen weiteren Neuanfang. Doch zu wessen Bedingungen?
Sommer und so ist ein Roman über komplizierte Beziehungen – romantische wie freundschaftliche –, über Unsicherheiten und Träume, darüber, was uns prägt, verletzt und hält. Über die Frage, was man vom Leben erwarten darf und was es einem abverlangt. Ein Roman über das Gefühl, mit Ende zwanzig gleichzeitig noch ganz am Anfang und doch schon zu spät dran zu sein. Da das die einzige Terminankündigung in diesem Newsletter ist: Ich freue mich sehr darauf, am 14. Juli um 20 Uhr im Instagram-Livestream mit Rebecca Martin über ihren Roman zu sprechen.
Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Valeria Gordeev erscheint am 26. August. Eine Familie zwischen Kyjiw, Moskau und Berlin und eine Welt, die aus den Fugen geraten ist. Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester Lada in Berlin mit einer Sanierung, die ihr Wohnhaus unbewohnbar macht. Auch versteht sie nicht, warum ihr Bruder nach Kriegsbeginn in Moskau geblieben ist, doch steckt Konstantin bis zum Hals in Schwierigkeiten, an denen sein Patenonkel nicht unschuldig ist, ein Oligarch mit transhumanistischen Ambitionen, der auch Lada in Bedrängnis bringt. Sprachgewaltig, lustvoll und berauschend. Eine Wunderkammer und ein Höllenritt.
Das haben wir nicht gewollt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Calla Henkel erscheint, übersetzt von Verena Kilchling, am 14. September. Als Valentine unerwartet ein Gothic-Hotel in South Carolina erbt, fühlt es sich wie Schicksal an. Denn seit sie, ihre Partnerin Linh, ihr langjähriger Freund und Bandkollege Raul und sein Partner Banner in ihren Vierzigern sind, haben sich ihre Prioritäten verschoben. Schließlich schafft Val es, die anderen davon zu überzeugen, von Berlin und New York in die Südstaaten zu ziehen, um das heruntergekommene Hotel zu renovieren. Dort wollen sie eine ungewöhnliche Wahlfamilie gründen und alle gemeinsam ein Kind großziehen. Mit vier Elternteilen müsste niemand seine Identität aufgeben, sie könnten Künstler bleiben und ein erfülltes Leben führen. Doch als die vier sich in ihrem neuen Zuhause einleben und ihre Tochter August zur Welt kommt, geraten die Beziehungen ins Wanken. Am Tag der Hoteleröffnung verwandelt sich der Abend in einen Albtraum: August ist verschwunden. Daraufhin wenden sich die Eltern gegeneinander. Und bald wendet sich die Welt gegen sie.
Magisch (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Annika Büsing erscheint am 29. Juli. Magisch ist zurück. Natürlich in dem Haus hinter dem Knallerbsenwall, natürlich mit einem Job, der nicht ganz legal ist, natürlich mitten in der flirrenden Hitze des Spätsommers. Und alles fühlt sich an wie in ihren besten Zeiten, als Marie und Magisch erst enge Freunde und dann die erste Liebe wurden. Mehr als fünfzehn Jahre sind vergangen, und jetzt sitzen sie unten am Feldweg bei der Pferdekoppel im Schatten der Büsche und trinken Fanta-Korn als wären sie nie weg gewesen. Doch Andi, Maries Bruder, ist auch noch da, war tatsächlich nie weg, ist mittlerweile in der Partei, und noch immer gefährlich. Als Magisch bedroht wird, ist für Marie der Zeitpunkt gekommen, die Frage nach der Brandmauer in der eigenen Familie neu zu stellen. Ich lese dieses Buch gerade, liebe diesen Ton und wovon hier erzählt wird und freue mich, euch mehr zu erzählen, wenn es erschienen ist.
Kleiner Servicehinweis, weil ich nicht weiß, wie die Premiere im April an mir vorbeigehen konnte: Habt ihr schon gesehen, dass Bluets (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)von Maggie Nelson gerade von Margaret Perry adaptiert und unter der Regie von Katie Mitchell an der Schaubühne (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) gezeigt wird?
Und auf meiner kleinen digitalen Bühne, meinem YouTube-Kanal (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)sind nun auch die jüngsten Buchgespräche mit Timothy Paul und Lisa Roy zum Nachschauen für euch.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Auch wenn Ludwig Lohmann und ich in diesem Jahr aus Zeitgründen keine Sonderfolge zum Internationalen Literaturpreis vom HKW aufnehmen konnten, empfehle ich euch wärmstens, die diesjährige Shortlist (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) zu feiern und vor allem zu lesen.
Zur Jury gehörten in diesem Jahr: Joy Denalane, Maha El Hissy, Paula Fürstenberg, Hannes Langendörfer, Melody Makeda Ledwon, Cia Rinne und Senthuran Varatharajah.
Und diese sechs Titel übersetzter Gegenwartsliteratur haben sie nominiert.

Blutkreislauf (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Julia Cimafiejeva
Aus dem Belarusischen von Tina Wünschmann
Berlin: Edition.fotoTAPETA, 2025
Oroppa (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Safae el Khannoussi
Aus dem Niederländischen von Stefanie Ochel
München: Carl Hanser Verlag, 2026
Eddos Goldenes Lächeln (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Stella Gaitano
Aus dem Arabischen von Larissa Bender
Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2026

Der brennende Garten (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
V. V. Ganeshananthan
Aus dem Englischen von Sophie Zeitz
Stuttgart: Tropen Verlag, 2025
Das Gewicht der anderen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Bahram Moradi
Aus dem Farsi von Sarah Rauchfuß
Göttingen: Wallstein Verlag, 2025
Die Aussiedlung (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
András Visky
Aus dem Ungarischen von Timea Tankó
Berlin: Suhrkamp Verlag, 2025
Apropos Zeit, da Ludwig und ich uns mit blauschwarzberlin jetzt in eine Sommerpause verabschieden, sind die beiden jüngsten Podcastfolgen aus Mai und Juni dicht hintereinander online gegangen.
Wir sehen uns an dieser Stelle wieder, um am 7. September um 20 Uhr im Livestream aus der Stabi Folge 86 aufzunehmen und widmen uns dann verstärkt dem Gastland der Buchmesse und Übersetzungen aus dem Tschechischen.
Bis dahin, lasst uns doch bitte wissen, welches dieser vierzehn Bücher aus den Folgen 84 & 85 euch besonders begeistert hat.
https://www.youtube.com/watch?v=a6SXhsG7mew (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)https://www.youtube.com/watch?v=33cX62huC7c (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Herbstnovis 3

In den Wolken schwimmen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Kerstin Campbell erscheint im August. Wegen einer unglücklichen Liebe soll sich Karoline von Günderrode 1806 das Leben genommen haben. Kerstin Campbell zeigt in ihrem Roman einen anderen Blick auf die 1780 in Karlsruhe geborene Dichterin Karoline von Günderrode, die an den bestehenden Verhältnissen verzweifelt. Sie will als Dichterin und Philosophin wahrgenommen werden, doch das bleibt ihr verwehrt. Ihr Geliebter, der Mythenforscher Friedrich Creuzer, löscht nach dem Tod das Werk der Günderrode mithilfe seines Freundeskreises aus. Bettine von Arnim, geborene Brentano, rettet mit ihren Büchern dreißig Jahre danach die Freundin vor dem Vergessen. Ich durfte bereits begeistert lesen: »Ein soghafter Roman, der die beiden Frauen in poetisch bildhafter Sprache so wunderbar aus der Zeit in unsere holt, sie nahbar und lebendig macht. Ich bin so gerne mit Kerstin Campbells Blick durch die Zeiten gereist.«
Unwucht (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Sarah Elena Müller erscheint im August. Alice wartet. Sie wartet auf Rio, einen Anruf, eine Erklärung, wo er ist, mal geht sie ihn suchen, mal setzt sie sich in ihr rostiges Auto, um selbst zu verschwinden. Das Kunststudium, in dem sie sich kennengelernt haben, ist lange her, der Erfolg ausgeblieben. Rio verliert sich in kleinkriminellen Machenschaften rund um seine Drogensucht, Deal um Deal hält ihn der Stoff auf Trab. Alice jobbt als Kellnerin, klammert sich an unfertige Liebeslieder und verteidigt mit ihrem schwächelnden Fiat den letzten Rest Fassade zwischen Bruchbuden und Raves, Gefängnis und Sozialamt. Die Wende wird erst möglich, als Freundinnen einschreiten.
Sieben Jahre später steht Alice vor Rios Tür, um mit ihm über damals zu reden. Sie arbeitet an einem Roman, will ihre Geschichte verstehen. Aber die Erinnerung bleibt unzuverlässig, und Rio hadert mit der Deutungsmacht der Erzählerin. Alice weicht in die Erfindung aus, doch auch dort lauern die alten Untiefen ihrer Beziehung.
Berlin Babel (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) erscheint, herausgegeben von Katy Derbyshire, am 3. September. What brings people to today’s Berlin, what makes them stay? For some, the city is a place of refuge, from war and persecution, bigotry or boredom. For others, it’s the history or the nightlife or the broad green spaces that attract them — or haunt them. And a few are just born here. How do they cope with the pressure, with housing shortages, racism, club queues, bicycle thefts, shitty jobs, with home catching up on them?
Berlin Babel presents fourteen short stories by writers originating from Syria, Turkey, China, the UK, the US, the Netherlands, Spain, Russia, Germany, Italy and India. From Arabic to Italian to Yiddish, the stories are beautifully translated from eight different languages.With contributions by Odai Al Zoubi, Carla Berges, Leon Craig, Ulrike Draesner, Linda Farata, FENG Yurui, Lin Hierse, LJ Kessels, Natasha Podlyzhnyak, Nainy Sahani, Jake Schneider, Meral Şimşek, David Wagner, Jane Yager.
Die zweitgrößte Liebe (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Ruth-Maria Thomas erscheint am 30. Juli. Michelle ist Anfang dreißig, als ihr Leben im Osten des Landes auseinanderbricht. Sie lässt alles hinter sich und fängt von vorne an: Als Rezeptionistin eines Hotels trifft sie auf Luxus, westdeutschen Reichtum und – Henry. Einer, der ganz andere Startmöglichkeiten hatte als sie, dem es nie an irgendetwas gemangelt hat. Sie verlieben sich, allen Unterschieden zum Trotz. Es erscheint Michelle zum ersten Mal möglich, ein sorgloses Leben. Aber es wäre kein Buch von Ruth-Maria Thomas, wenn nicht alle schönen Gewissheiten irgendwann gehörig ins Wanken gerieten ... Mit großer Sogkraft und berückender Leichtigkeit erzählt der Roman von Aufstiegswünschen, Abstiegsängsten und von der Frage, was Freiheit und Sorglosigkeit für einen Preis haben.

Lori (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)von Anousch Mueller erscheint am 9. Juli (nebenbei bemerkt ein besonders guter Tag, weil mein Geburtstag). Thüringen, 1995. Auf einem verlassenen Bahnhof wächst Leni mit ihren fünf Geschwistern auf. Seit sie denken kann, spürt sie, dass etwas in ihrer Familie nicht stimmt. Als junge Frau macht sie sich auf die Suche nach dem Geheimnis, das ihr Leben prägt. Im Zentrum steht ihre Schwester Lori und die Frage, was mit ihr geschah. Die Suche nach Antworten führt sie bis in die frühen siebziger Jahre der DDR zurück.
Ich will dich lebend (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Julia Malik erscheint am 3. September. Selma und Mischa haben sich all die Jahre nicht füreinander interessiert. Bis sie, die erfolgreiche Architektin, beobachtet, wie er, Nobelrestaurantbesitzer, im Biosupermarkt klaut. Als er droht aufzufliegen, deckt sie ihn. »Verbrecherbraut«, grinst Mischa.
Jeanne, Mischas Schwester, ist Selmas beste Freundin – bis Selma plötzlich ganz und gar Mischa gehört. Als der Traum einer leidenschaftlichen Liebe zum Albtraum wird, lädt Jeanne das Auto voll und entführt Selma aus einem Berliner Kaffeehaus. Sie verharren in einem Versteck, bis der Termin kommt, an dem sie erneut ins Auto steigen und ins Gericht fahren.
Territorium (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Sabrina Janesch erscheint am 4. September. Hawai‘i 1893: Noch wiegen sich Kokospalmen im Wind, stehen Regenbögen am Himmel, da braut sich am Horizont bereits ein Sturm zusammen. Amerikanische Großkapitalisten stürzen in einem Staatsstreich die Königin und bereiten die Annexion durch die USA vor. In Honolulu brodelt es, gehen die Risse auch durch die einflussreiche deutsche Gemeinschaft des Archipels, denn ein Land wird gestohlen – und wehrt sich.
Inmitten des Geschehens drei außergewöhnliche Frauen: Die weise, gewitzte Königin Lili‘uokalani, ihre deutsche Beraterin Gertrude Wolf und die mutige Journalistin Emma Nāwahī verbindet nicht nur die Liebe zum Land Hawai‘i und die Vision seiner Zukunft, sondern vor allem tiefe Freundschaft – die angesichts des drohenden Untergangs ihrer Welt auf die Zerreißprobe gestellt wird. Als die alles entscheidende Schlacht naht, muss jede für sich eine Entscheidung treffen: Kampf oder Unterwerfung, Liebe oder Hass, Haltung oder Resignation.
Sterben (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Marica Bodrožić erscheint am 6. Oktober. Ein sonniger Klinikgarten, ein Liegestuhl vor dem Hospiz – und die Erkenntnis: Die Autorität des Todes ist die Autorität des Lebens. Als die Autorin eine Diagnose bekommt, die ihren baldigen Tod bedeuten könnte, betritt sie einen »Zwischenraum«, jene Zone, in der die Zeit zwei Takte hat, den des Körpers und den des Bewusstseins. Aus dieser Grenzerfahrung heraus beschreibt sie, wie Sterblichkeit die Wahrnehmung schärft und Freiheit ermöglicht. Sie vollzieht die Denkbewegungen großer Philosophen und Schriftstellerinnen nach und fragt, was von uns bleibt, wenn alles Überflüssige abfällt. Ein literarisch-philosophischer Essay über Sterblichkeit als Schule des Sehens – und darüber, wie uns das Leben, das uns bleibt, intensiver, wahrhaftiger, freier werden lässt.
Und ganz zum Abschluss darf hier ein Text für sich und doch mit allem verbunden stehen, der mich bereits in den Start dieses Jahres begleitet und seither nicht losgelassen hat:

alphabet des wassers (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)von Simone Scharbert.
Auf Instagram schrieb Simone Scharbert (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) dazu: Im Juli 2021 regnete es im nordrheinwestfälischen Erftstadt stärker als sonst. Aus dem Regen wurde erst Starkregen, dann eine Flut ungeheuren Ausmaßes.
„a l p h a b e t d e s w a s s e r s“ ist der Versuch, für all das Wasser und unsere damit verbundene Zeit eine Sprache zu finden: dieser Text ist Tage- und Nachtbuch, manchmal Halt, auch Zuversicht. Dieser Text ist Stille. Sehr oft. Ungläubigkeit. Dieser Text ist ein Sammeln, Sichten, Suchen. Ein Erinnern und Vergegenwärtigen. Ein Zukünftigsein. Dieser Text ist auch ein Lernen über das Wasser. Was es alles sein kann. Sichtbar. Unsichtbar.
Dieser Text ist ein Archiv.
Ich sage dazu: Simone Scharbert erschafft Sätze und Bilder für Erschütterungen, die eigentlich sprachlos machen müssten. Sie verwebt das Eigene mit dem Weltumspannenden, dieser Text öffnet und fließt — und genau deshalb hält er uns.
Ich wünsche mir, dass ihr auch von dieser Sprache gehalten werden könnt. Dass dieses kleine und wichtige Buch viel gelesen und besprochen wird, wünsche mir, dass ihr euch berühren lasst und dem Buch, dass es bejubelt wird.
Das Langgedicht erscheint am 15. Juli, wenn sich die Flut von 2021 jährt. Dieses Buch wird eine besondere Ausgabe in kleiner Auflage: offene Fadenbindung, dreilagiges Cover (zum Reißen), circa 110 Seiten und kostet 18€.
Die wunderbare Autorin versendet das kostbare Gut im selbstgenähten Umschlag. Post von Simone Scharbert zu bekommen, gehört zu den schönsten Erfahrungen, ich verspreche s euch. Schickt ihr also eine kurze Mail, wenn ihr das Alphabet des Wassers auch vorbestellen woll ant: post@simonescharbert.de (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Noch während ich das alles schreibe, Titelfotos aus diesem Internet zuppele, letzte (natürlich unbezahlte, ich sag es nur fürs Protokoll) Links zu den Verlagen setze, an mir zweifle, ob das jetzt zu lang ist oder nicht genug, fallen mir schon die Bücher ein, die ich hier (noch) nicht erwähnt habe. Es ist eine Auswahl, eine intuitive, eine ganz eigene, ein Vorschlag, eine Einladung zu geteilter Vorfreude. Schreibt doch gern, worauf ihr euch besonders freut.
Ich werde euch im Herbst an dieser Stelle wissen lassen, welche Bücher ich gelesen habe und danach ganz klar wusste, wie unbedingt sie ebenfalls in diese Sammlung hier gehört hätten.
Doch erstmal werde ich ausgiebig den Sommer verlesen.
Habt es gut.
Maria