Wenn wir an das Meer denken, haben wir sofort schillernde Fische, elegante Haie oder friedlich daher schwimmende Wale im Kopf. Doch heute wollen wir uns den Meeresvögeln widmen, die ebenso zum Ökosystem gehören.
Vielleicht habt ihr schon einmal vom Eissturmvogel gehört, der die meiste Zeit seines Lebens auf dem offenen Meer unterwegs ist. Dort kann er bis zu 40m tief tauchen, um an seine Beute zu kommen. Kurz danach segelt er wieder in den eisigen Winden des Nordens über dem Ozean. Nur für die Brutzeit kommt er an Land und beschützt sein Gelege vor Fressfeinden, indem er ihnen stinkendes Magenöl entgegenspritzt. Yummi!
Etwas häufiger bei uns zu sehen aber immer noch etwas Besonderes: die Eisente. Also Eis-Ente, nicht Eisen-Tee ;) Sie ist im Winter auf unserer Ostsee zu beobachten und wartet hier in großen Schwärmen, bis sie im Frühling wieder in ihre Brutgebiete weit im Norden, z.B. auf Island, Spitzbergen, in Nordrussland und Nord-Skandinavien zieht. Sie ist ebenfalls eine exzellente Taucherin: 2min und 50m stehen auf ihrer Rekordtafel. Ich durfte sie in diesem Winter beobachten und bin seitdem ganz großer Fan!


Doch nun zu einem Meeresvogel, der es etwas schwer hat, in Kategorien wie “süß” oder “faszinierend” zu landen. Für mich völlig unverständlich, denn mir scheint er eine äußerst spannende Mischung aus Pinguin und Tropenvogel zu sein. Sein Gefieder schimmert in wundervollen Farben, sobald die Sonnenstrahlen darauf treffen, seine Laute klingen wie bei Jurassic Park und wer einmal in seine kräftig türkisen Augen blicken konnte, müsste eigentlich hin und weg sein.

Die Rede ist vom Kormoran, der das ganze Jahr über bei uns Zuhause ist. Vor Kurzem war ich mit Verena von @wiederwilderwerden (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) in einer Kormorankolonie kurz vor Stralsund. Der Wanderweg in diesem Naturschutzgebiet verläuft direkt unter den Nestern entlang und man hat die Möglichkeit, respektvoll zu beobachten und zu staunen. Liebevoll schnäbeln die Brutpaare miteinander, bessern letzte Stellen an ihren Nestern in großer Höhe aus und sitzen vermutlich schon auf ihrem Gelege.

Leider hat der Kormoran vor allem hier an der Küste keinen guten Ruf und wird von der Fischerei als Konkurrent gesehen. Und wer im Norden lebt, weiß, welch große und traditionell fest verankerte Lobby dahinter steht. Dieser fällt es schwer, die Überfischung der Ostsee, den Eintrag von Schadstoffen, den menschlichen Müll in den Gewässern und die Klimakrise mit daraus resultierend verschobenen Laichzeiten als die Ursache für den Rückgang vieler Fischarten anzuerkennen. Die Schuld wird dagegen leider noch viel zu häufig bei fischfressenden Tiere, wie der Kegelrobbe oder dem Kormoran gesucht. Die am lautesten geforderte Maßnahme: Abschuss.
Noch ist der Kormoran EU-weit geschützt, nachdem er eine Zeit lang stark bejagt wurde und sich nun erholt. Ich hoffe, dass er und viele andere Arten als Teil des Ökosystems anerkannt werden und es allgemeiner Konsens wird, dass WIR diejenigen sind, die sich genau in diesem System einen Platz suchen müssen, der uns zusteht, anstatt andere zu verdrängen und uns mehr zu nehmen, als wir brauchen.

In diesem Winter konnte ich auch zum ersten Mal Kormorane im Prachtkleid beobachten. Ihre Kopffärbung verändert sich dann und sie tragen eine fetzige Frisur auf ihrem Kopf. Ihre Federn sehen das ganze Jahr über aus, wie mit einem dicken Filzstift einzeln umrahmt und erwecken den Eindruck von Schuppen eines Fisches. Praktisch, denn auch der Kormoran taucht nach seiner Beute: je nach Gebiet und Gewässer fängt der opportunistische Jäger verschiedene Arten. Anders als andere Wasservögel fettet er sein Gefieder nicht ein. Um schwimmend tiefer im Wasser zu liegen, nimmt es Wasser auf. Das ist auch der Grund dafür, dass wir ihn an Land so häufig mit weit ausgebreiteten Flügeln sehen: er trocknet.
Hier bei uns gibt es nur eine Art: Phalacrocorax carbo aber weltweit gibt es noch viele weitere wunderschöne Cousins und Cousinen.


Der Besuch in der Kolonie war ein ganz besonderes Erlebnis und hat meine Neugier und Faszination für diese Vögel direkt auf ein neues Level gehoben. Deshalb: geht raus und haltet die Augen offen. Es gibt IMMER etwas zu sehen und man ist nie nur draußen.
Spannender NABU-Artikel über Nahrungsanalysen des Kormorans und ob er wirklich eine Konkurrenz zur Fischerei darstellt: HIER (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
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