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Die letzte Romantikerin

Ich war schon immer eine Romantikerin. Also, eine Romantikerin im ursprünglichen Wortsinn. Meine ersten Kicks waren Gruselgeschichten aus dem 19. Jahrhundert. Ich konnte schon mit zwölf Jahren mit schlafwandlerischer Sicherheit in jedem Modemagazin das Dolce & Gabbana Outfit als das beste Outfit identifizieren. Ich ging an Karneval immer als Vampir. Ich stand seit frühster Jugend auf schwarze Kleidung, melancholisch machende Drogen und depressive Musik. Ich finde eine düstere emotionale Grundhaltung an anderen Menschen attraktiv. Ich gehe auf Friedhöfen spazieren. Das Adjektiv morbide ist für mich positiv besetzt. Ich mag das Irrationale, Chaotische und Gebrochene mehr als das Rationale, Ordentliche und Intakte. Ich mochte immer die Kunst von gequälten Seelen. Ich bin eindeutig Team Jess. Ich habe mir einen Job ausgesucht, für den es ein Vorteil ist, wenn man sich in obsessiven Selbstbeobachtungen ergeht. Und ich hatte mehr als eine Beziehung mit Männern, die über weite Strecken darin bestanden, in einem schicksalsschwangeren Tonfall miteinander zu reden, als seien wir beide Figuren in einem Film Noir. 

Seit dem neunzehnten Jahrhundert aber hat die heterosexuelle Paarbeziehung die Romantik komplett vereinnahmt. Romantik bedeutet nicht mehr Gedichte schreiben und Lustwandeln in künstlichen Ruinen, sondern ist auf flachen, heteronormativen Pärchen-Kitsch reduziert:  Candle Light Dinner, Valentinstag, Rote Rosen, Heiratsanträge. Romantik ist zu etwas Geschmacklosen aus Kunstfaser verkommen, was die Teilnehmerinnen von amerikanischen Dating Shows einander antun.

Sujet Romanzen

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