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Lifestyle

Die SZ hat mich letztes Jahr in einem Nebensatz als Lifestyle Journalistin bezeichnet. Obwohl das Journalistin schlicht falsch und das Lifestyle vonseiten der SZ natürlich immer als milder Diss gemeint ist, fand ich: Das ist eine Auszeichnung.

Was mit Lifestyle gemeint ist, wenn SZ Autor:innen es verwenden: oberflächlich, leer, künstlich, kommerziell, überflüssig.

Was ich lese, wenn die mich als Lifestyle labeln: Sieht gut aus, macht Spaß, ist Anti Establishment, Anti Tradition, Anti Provinzialismus.

Wenn ich Lifestyle bin, dann heißt das, ich werde wahrscheinlich nie ein Literatur Stipendium oder einen deutschen Buchpreis bekommen, vom FAZ Feuilleton oder Leuten wie Dennis Scheck ernst genommen werden, aber es heißt: ich werde gelesen. 

Dieses Jahr haben Mika und ich eine Podcast Folge gemacht, in der wir über Lifestyle-Nüchterne redeten; also solche, die nicht wegen Sucht aufhören zu trinken, sondern wegen ihrer Haut oder wegen Wellness-Trends oder aus anderen Style Gründen. Leute also, die nicht aufhören MÜSSEN mit dem Trinken, weil sie sonst draufgehen würden, sondern Leute, die aufhören WOLLEN. Die noch eine Wahl haben. Und ein paar Leute fühlten sich davon gedisst. Wir sind keine Lifestyle-Nüchterne. Wir meinen es ernst.

Und dann kam der Lifestyle-Teilzeit Kommentar unseres Kulturkampf-Kanzlers, dessen Regierungsarbeit bisher hauptsächlich darin besteht, durch einzelne Chiffren ganze Bevölkerungsgruppen abzuwerten (LIFESTYLE, STADTBILD, DEUTSCHES BROT).

Und irgendwo dazwischen habe ich angefangen, darüber nachzudenken, wann und warum das Wort Lifestyle eigentlich ein Schimpfwort geworden ist. Denn eigentlich ist Lifestyle doch das beste und interessanteste überhaupt.

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