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PDA war im TV

Und ich war mit dabei. Ich kann euch sagen Leute:

Der 3sat Nano Beitrag hat in mir viele Gedanken ausgelöst.

Mein Sohn und ich wurden zu Systemaussteiger*innen. Nicht, weil wir das wollten, sondern weil das System uns krank gemacht hat. Mein Sohn konnte aufgrund von Burnout und der fehlenden Passung nicht mehr in die Schule. Ich selbst wurde kurz vor meiner Erzieherinnenprüfung ebenfalls systemabsent. Ein schwerer autistischer Burnout machte mich für das klassische Arbeitssystem nicht mehr tragfähig.

Und dann passierte etwas, womit ich nie gerechnet hätte.

Zum ersten Mal konnten wir unsere neurodivergenten Merkmale wirklich leben. Ohne ständige Anpassung. Ohne permanente Fremdbestimmung. Wir lebten unseren eigenen Rhythmus, ohne starre Zeiten und ohne den ständigen Druck, funktionieren zu müssen.

Mein Sohn brachte sich Lesen, Schreiben und Englisch selbst bei. Heute programmiert er und arbeitet mit einem 3D-Drucker. Ich selbst eignete mir unglaublich viel Fachwissen an, absolvierte Weiterbildungen und konnte mir Wissen zum ersten Mal in meinem Leben dauerhaft merken, weil es mich wirklich interessierte.

Mit der Zeit wurden unsere Symptome immer weniger. Wir wurden beide immer mehr zu unserem authentischen Ich.

Mir würde es heute wahrscheinlich noch deutlich besser gehen, wenn das System vorher nicht bereits so viele seelische und körperliche Spuren hinterlassen hätte. Die chronische Erschöpfung und Überforderung begleiten mich noch immer. Für den klassischen Arbeitsmarkt bin ich aktuell nicht arbeitsfähig.

Und dann kam der Dreh mit 3sat. Ich hätte niemals gedacht, wie sehr diese Tage mein Leben verändern würden.

Die Begegnung mit Professor Dr. Zimpel hat etwas in uns allen bewegt. Ich hatte das Gefühl, dass wir in diesem Raum gemeinsam erlebt haben, was eine neuroaffirmative Sichtweise bewirken kann. Zum ersten Mal standen Unterschiede nicht im Mittelpunkt als Defizite, sondern als Ausdruck menschlicher Vielfalt.

Mein Eindruck war, dass viele von uns dadurch begonnen haben, auch über ihr eigenes Neuroprofil nachzudenken. Es fühlte sich an, als hätte diese Begegnung uns alle auf unterschiedliche Weise berührt und gestärkt. Genau das machte diesen Moment für mich so besonders.

Professor Dr. Zimpel begegnete Neurodivergenz nicht mit Defiziten, sondern mit echter Wertschätzung. Diese Haltung hat mich tief bewegt. Seit dieser Begegnung bezeichne ich Autismus und ADHS – genau wie er – nicht mehr als Störung, sondern als Spektrum. Denn ich glaube, dass diese Sichtweise Menschen stärkt, anstatt sie auf ihre Schwierigkeiten zu reduzieren. Für dieses Verständnis haben viele Menschen der Neurodiversitätsbewegung über Jahrzehnte gekämpft.

Professor Dr. Zimpel sagte mir außerdem etwas, das ich niemals vergessen werde. Er erklärte mir, dass Studien zeigen, dass Betroffene Betroffenen oft besonders gut helfen können. Er hielt mir vor Augen, wie viel Wissen ich mir angeeignet habe und wie gut ich mein Panda-Kind begleite. Ich sage es ganz ehrlich: Er war begeistert. Und genau in diesem Moment wurde mir bewusst, wie viel Imposter-Syndrom eigentlich noch in mir steckt.

Ein weiterer Mensch, dem ich unglaublich dankbar bin, ist Clarissa Junger-Speckner von der PDA-Selbsthilfegruppe. Sie hat mich für den Beitrag bei 3sat Nano empfohlen. Dass sie sagte: „Wenn jemand diesen Weg in die Öffentlichkeit gehen sollte, dann Vanessa“, macht mich bis heute unfassbar stolz.

Ebenso dankbar bin ich Rieke Brandt, der Autorin des Buches Neustart PDA. Zu erfahren, dass sie unsere 3sat-Dokumentation in ihrem Buch erwähnen möchte, hat mich tief berührt. Dass ausgerechnet eine Autorin, deren Arbeit so viele Familien begleitet, unsere Geschichte als wertvoll erachtet, bedeutet mir unglaublich viel.

Ich hatte meinen eigenen Wert so viele Jahre nicht gespürt. Erst durch diese wundervollen Menschen begann ich langsam zu erkennen, dass ich mit meinem Wissen, meinen Erfahrungen und meiner Geschichte tatsächlich etwas bewegen kann.

Dabei sah die Zeit vor dem Dreh ganz anders aus.

Leute, ich hatte verdammt nochmal Angst.

Ich konnte wochenlang kaum schlafen. Ich habe mich vorbereitet, Fachwissen gesammelt und Krisengespräche mit Freundinnen geführt, weil ich solche Angst hatte, etwas falsch zu machen.

Wäre Sabrina als Redakteurin nicht so ein außergewöhnlich herzlicher Mensch gewesen, hätte ich diesen Dreh wahrscheinlich kaum ausgehalten. Schon vom ersten Gespräch an hat sie alles dafür getan, dass wir uns als Familie sicher fühlen konnten. Sie ist ein unglaublich warmherziger Mensch, den ich sehr bewundere.

Und Leo schaffte mit seiner ruhigen Art den Rest. Mit beiden zusammen entstand eine Atmosphäre, in der wir einfach wir selbst sein durften. Ohne Druck. Ohne Bewertung.

Und am Ende war es nicht schlimm.

Es war wunderschön.

Als die Drehtage vorbei waren und wir nach Hause kamen, fühlte es sich fast so an, als käme man von einer Konzerttour zurück. Zuhause fühlte es sich plötzlich leer an, weil diese gemeinsamen Tage so besonders gewesen waren.

Auch vor dem Treffen mit Professor Dr. Zimpel hatte ich große Angst. Nach vielen verletzenden Erfahrungen mit Fachpersonen fiel es mir schwer, wieder Vertrauen zu fassen. Doch auch dort geschah genau das Gegenteil von dem, was ich erwartet hatte. Es war wertschätzend, bestärkend und tief bewegend. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, mit einem Experten dieselbe Sprache zu sprechen.

Für all diese Begegnungen bin ich unendlich dankbar.

Sie haben mir nicht nur Hoffnung geschenkt.

Sie haben mir geholfen, mich selbst mit anderen Augen zu sehen.

Trotz allem hat mich diese Zeit etwas Entscheidendes gelehrt.

Wie viel Potenzial steckt eigentlich in uns Menschen, wenn wir in einer Umgebung leben dürfen, die zu unserem Gehirn passt? Würden viele unserer Merkmale überhaupt zu Symptomen oder zu einem so großen Leidensdruck werden, wenn wir in einem menschlicheren System leben würden?

Ich glaube: Nein.

Ich glaube sogar, dass jeder Mensch seinen Platz finden kann – auch Menschen mit schweren Behinderungen –, wenn wir endlich aufhören, alle in dieselbe Form pressen zu wollen.

Während des Drehs wurden wir interviewt. Sowohl Professor Dr. Zimpel als auch ich beschrieben PDA als einen intelligenten Schutzmechanismus eines hochsensiblen Nervensystems. Nicht als Trotz. Nicht als Böswilligkeit. Sondern als eine automatische Schutzreaktion, wenn gesunde Grenzen dauerhaft überschritten werden.

Und nicht nur das: Für mich ist PDA sogar ein verdammt schlauer Schutzmechanismus. Er macht Betroffene immer wieder darauf aufmerksam, wenn ihre eigenen Grenzen verletzt werden, und versucht, diese zu schützen. Etwas, das viele Erwachsene im Laufe ihres Lebens leider verlernt haben, weil uns beigebracht wurde, zu funktionieren, unsere Bedürfnisse hintenanzustellen und unsere eigenen Grenzen immer wieder zu überschreiten.

Vielleicht können wir deshalb sogar etwas von diesen Kindern lernen. Vielleicht zeigen sie uns nicht nur, wo das System sie krank macht, sondern auch, wie wichtig es ist, wieder auf den eigenen Körper, das eigene Nervensystem und die eigenen Grenzen zu hören.

Für mich sind diese Kinder keine Problemkinder. Sie zeigen uns mit ihrem Verhalten, wo unser System Menschen krank macht. Sie halten den Finger genau in die Wunde, die wir viel zu lange übersehen haben.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der wir wieder authentisch leben dürfen. Weniger Manipulation. Weniger Druck. Weniger Zwang. Mehr Menschlichkeit. Mehr Individualität. Mehr Vertrauen.

Ich weiß selbst noch nicht, wie dieser Weg für mich aussehen wird. Ich weiß auch, dass viele Möglichkeiten von Privilegien abhängen. Auch ich kämpfe jeden Tag damit. Finanziell war ich nie privilegiert.

Aber ich werde die Hoffnung nicht aufgeben. Ich glaube, dass Veränderung möglich ist. Und ich glaube, dass genau hier der Anfang liegt.

Ihr seid gut genug.

Vergesst das niemals. 💛

Und zum Schluss bleibt mir nur noch Danke zu sagen.

Danke an Sabrina für deine Wärme, deine Menschlichkeit und dafür, dass du uns vom ersten Moment an das Gefühl gegeben hast, sicher zu sein.

Danke an Leo für deine Ruhe, dein Feingefühl und deine wertschätzende Art.

Danke an Professor Dr. Zimpel für deine neuroaffirmative Haltung und dafür, dass du mir geholfen hast, meinen eigenen Wert wiederzuerkennen.

Danke an Clarissa Junger-Speckner, dass du mich für den 3sat-Nano-Beitrag empfohlen und an mich geglaubt hast.

Danke an Rieke Brandt, Autorin von Neustart PDA, für deine Wertschätzung und dafür, dass unsere Geschichte ihren Platz in deinem Buch finden darf.

Und danke an alle Menschen, die mich auf diesem Weg bestärkt haben.

Manchmal braucht es nur wenige Menschen, die an einen glauben, damit man endlich beginnt, selbst an sich zu glauben.

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