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Leadership ist keine Rolle. Es ist eine Haltung.

Der Begriff "Leadership" wird in unserer Gesellschaft inflationär und oft eindimensional verwendet. Wir assoziieren ihn mit Organigrammen, Gehaltsstufen oder einer bestimmten Funktion in einem Unternehmen. Doch diese Sichtweise greift zu kurz.

Leadership ist nicht an eine Rolle gekoppelt. Es ist keine reine Kompetenz, die man erlernt, sondern eine innere Haltung, die eine Person kultiviert.

In seinem Kern bedeutet Leadership, zu führen. Und dieses Führen beginnt nicht bei anderen, sondern bei uns selbst.

Der Anfang aller Führung: Die Selbstführung

Wahre Führung ist in erster Linie Selbstführung. Es ist die bewusste Entscheidung, das eigene Leben aktiv zu gestalten, statt passiv auf Umstände zu reagieren. Der Dreh- und Angelpunkt dieser Selbstführung ist ein Konzept, das oft missverstanden wird: Verantwortung.

Führung zu übernehmen bedeutet, die volle Verantwortung für alles zu übernehmen, was im eigenen Leben geschieht.

Hier ist eine entscheidende Differenzierung notwendig, die den Kern von Souveränität ausmacht: Verantwortung hat nichts mit Schuld zu tun. Es geht nicht darum, sich selbst für einen Missstand zu kasteien. Es geht um einen zweistufigen Prozess:

  1. Radikale Akzeptanz: Die Situation zu 100% so anzunehmen, wie sie ist.

  2. Bewusstes Handeln: Mental und strategisch zu überlegen, wie man selbst – mit den eigenen Fähigkeiten, Ressourcen und Talenten – diese Situation nun zum Positiven neugestalten kann.

Wer diese Art von Verantwortung ablehnt, kann nicht führen. Wer sie annimmt, ist bereits auf dem Weg.

Die fundamentale Wahl: Führen oder geführt werden

Aus dieser Perspektive gibt es, wertfrei betrachtet, nur zwei Zustände:

Entweder man entwickelt die Fähigkeit zur Selbstführung und übernimmt Verantwortung – man führt. Oder man trifft die bewusste Entscheidung, sich führen zu lassen, beispielsweise von einem Mentor oder einer Leitfigur, der man vertraut.

Gefährlich wird es im Vakuum dazwischen. Wer weder führt noch sich inspirieren oder leiten lässt, kann in einen Zustand der Stagnation und Ohnmacht verfallen. Man kann leicht zum Spielball der Umstände werden, fühlt sich den Dingen "ausgeliefert". Dieser Zustand des "sich Herausnehmens" ist der Nährboden für Passivität – und diese Passivität hat dann reale Konsequenzen.

Das gesellschaftliche Risiko der fehlenden Haltung

Diese Haltung ist kein reines Business-Konzept; sie ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Die Tendenz, sich herauszuhalten – "Das geht mich nichts an", "Da wird schon jemand anders helfen" – ist ein Symptom fehlender Führungsverantwortung.

Ich habe dies selbst auf schmerzhafte Weise erlebt, als ich in einem öffentlichen Zug über Stunden von einer Person bedrängt wurde, während Mitreisende die Situation sahen, aber kollektiv wegschauten. Dieser Mangel an Zivilcourage, dieses kollektive Wegducken, ist das Resultat einer Gesellschaft, in der der Einzelne verlernt hat, Verantwortung für das unmittelbare Umfeld zu übernehmen.

Es braucht keine Uniform oder offizielle Erlaubnis, um zu handeln. Es braucht die innere Erlaubnis, die das eigene Herz erteilt.

Wo Führung im Alltag beginnt

Wenn wir diese Haltung entwickeln wollen, müssen wir im Kleinen beginnen. Der erste Schritt ist die ehrliche Selbstreflexion:

  • Wo in meinem Leben übernehme ich bewusst Verantwortung für eine schwierige Situation, selbst wenn ich sie nicht verschuldet habe?

Das kann die eigene finanzielle Lage sein (Sehe ich mich als Opfer der Wirtschaft oder suche ich aktiv nach Wegen?), die eigene Gesundheit (Ist die Kantine schuld oder übernehme ich Verantwortung für meinen Körper?) oder das Arbeitsumfeld (Sehe ich nur meinen Schreibtisch oder auch die Themen, für die sich niemand zuständig fühlt?).

Vom Kern zum Stern

Natürlich ist es von Vorteil, auch die Kompetenzen der Führung zu erlernen: strategisches Denken, Kommunikationsmodelle, Deeskalationstechniken oder das Verständnis für Gruppendynamiken.

Doch all diese Werkzeuge bleiben wirkungslos, wenn der Kern fehlt. Alle Seminare und Modelle laufen am Ende auf eine einzige Frage zurück: Wie gut kenne ich mich selbst?

Wenn ich meinen wahren Wesenskern nicht kenne, reagiere ich unter Druck wie ein trotziges Kind. Ich erzeuge Provokation, Verweigerung und ein Umfeld der Angst.

Wahre Führung beginnt immer innen. Erst wenn dieser Kern kultiviert ist, kann man die Techniken erlernen, um von einer souveränen Persönlichkeit zu einem echten, wirksamen Vorbild für andere zu werden.

 

Sujet Leadership

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