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Die Flyer auf dem Klo

Während ich Online-Kurse für mehr Selbstvertrauen beim Beachvolleyball anbiete, befinde ich mich selbst noch mitten im Turniergeschehen. Über das Wagnis, sich zu zeigen, wenn man auch scheitern könnte.

Neulich ist mir aufgefallen, dass die meisten Menschen erst etwas aktiv machen: Zum Beispiel Sport treiben, etwas Bestimmtes arbeiten. Und wenn sie das nicht mehr machen, werden die Coaches, Trainer:innen, Expert:innen. Das macht sie wenig angreifbar, weil sie nicht mitten im Geschehen mit ihren eigenen Themen konfrontiert sind.

Während ich Tipps zur mentalen Komponente im Beachvolleyball gebe, Online-Kurse, Workshops und 1:1 Coachings anbiete, befinde ich mich selbst mitten im Turniergeschehen. Andere Menschen erleben mich im Training und können mir dabei zusehen, wie ich meine eigenen Lehren im Turnier anwende – oder auch wie ich scheitere. Das empfinde ich einerseits als sehr authentisch und mag es, weil ich das Gefühl habe, ich kann mich viel besser in die Themen reindenken, als wenn ich das alles ausschließlich von außen beobachten würde, auf der anderen Seite fordert mich das auch sehr.

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Was, wenn ich jetzt rausfliege?

Und manchmal hemmt es mich auch. Zum Beispiel hatte ich für meinen Online-Workshop richtig schicke A5-Flyer ausgedruckt, laminiert und auf Beachmitte und Beach61 verteilt. Eine Freundin fragte mich, ob ich sie auch bei ihrem Turnier in Binz auslegen möchte. „Au ja“, antwortete ich. Als die dann aber da lagen, merkte ich, dass mir das Druck machte. Am Sonntagfrüh hatte ich die lustige Idee, noch Flyer an die Spiegel auf den Damen- und Herrentoiletten zu kleben – denn wo denkt man während eines Turniers am meisten nach? Wenn nicht auf dem Feld, dann doch wohl dort.

Diese Flyer findet ihr aktuell auf Beachmitte – vermutlich ebenfalls in den Sanitäranlagen, einfach weil... :)

Allerdings erwischte ich mich bei dem Gedanken: „Was, wenn ich jetzt richtig schlecht spiele und dann schnell rausfliege?“ Dann fühlt sich der Flyer gar nicht gut an, dann schäme ich mich vielleicht oder andere Leute fragen sich, was ich mir einbilde, ihnen beibringen zu wollen. Ich fragte mich, ob ich es schaffen würde, im Spiel die Gedanken an diesen Flyer auszuklammern, besonders, wenn es nicht gut laufen würde. Ich stellte fest, dass das schwierig werden könnte, also wählte ich einen Kompromiss: Ich klebte nur einen Zettel an, nicht an den Spiegel, sondern in nur eine Kabine auf der Damentoilette. Das war unauffällig genug, um nicht zu viele Menschen aufmerksam zu machen, aber ausreichend, damit ich das Gefühl hatte, ich habe mich hinausgewagt.

Wenn die eigenen Weisheiten helfen

Jedes Mal, wenn ich auf die Toilette musste, ging ich in diese Kabine, grinste und erinnerte mich an die Tools, die ich kenne und abrufen kann. Im Turnierverlauf habe ich mich immer wieder an meine eigenen Sätze erinnert. Als ich zum Beispiel meinen Aufschlag nicht fand, habe ich am Satzende aufgehört, mich damit herumzuquälen und einfach von unten aufgeschlagen. Warum? Mir war aufgefallen, dass unsere Gegnerinnen extreme Probleme mit ihrem Spielaufbau hatten und wir eine sehr starke Abwehr. Wozu sollte ich also mit etwas herumkämpfen, vielleicht sogar einen Fehler produzieren, anstatt das Problem auf deren Seite zu werfen. Es war kurios. Drei Friedenstauben schickte ich rüber, einer der Angriffe landete neben der Seitenlinie, einer an der Antenne, einer im Netz und das Spiel war vorbei. Und während ich mich nicht mehr so sehr auf den Aufschlag konzentrierte, kam er langsam zu mir zurück.

Und wenn etwas nicht funktioniert, dann machst du etwas anderes. Foto: Franziska Schewe

In einem anderen Spiel holten wir einen 11:14-Rückstand auf (der Satz ging bis 15 Punkte). Den Ball zum 14:14-Ausgleich mussten wir zwei Mal wiederholen: einmal rollte ein Ball ins Feld, während unsere Gegnerin ihren Angriff bereits drei Meter ins Aus geschlagen hatte, beim zweiten Versuch latschte ein Typ durchs Feld in meine Abwehr hinein. Wieder stand ich am Aufschlag. Dritter Versuch. Immer noch 13:14. Und ich dachte: „Alle erwarten jetzt, dass wieder auf die eine Person aufschlage, über die wir ja schon zweimal fast den Punkt gemacht hätten. Aber was, wenn wir den Punkt anders sogar schneller machen können – bevor weder ein Ball reinrollt?“

Das richtige Maß finden

Ich setzte den Aufschlag in die Mitte, Richtung der Person, die wir bislang gar nicht angespielt hatten. Sie bekam ihn gerade so, der Ball segelte weit über das Feld und der aus der Not gespielte zweite Ball ihrer Partnerin landete im Aus. 14:14. Ich gab ihr noch einen Aufschlag, diesmal einen langen auf die Außenschulter. Ass. 15:14. Den letzten Ball bekam wieder die Person, die wir ursprünglich angespielt hatten. Kurzer Aufschlag, dichte Annahme, sehr dichter Pass und meine Partnerin blockte den Ball weg. 16:14 gewonnen.

Wir schafften es bis ins Halbfinale, gewannen sogar das kleine Finale, was nicht unbedingt meine Spezialdisziplin ist (im Video zum Opening Call (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) nachzuhören) – und am Ende ärgerte ich mich fast, dass ich nicht mutiger war und mehr von meinen Flyern aufgehängt hatte. Aber wer weiß, vielleicht hätte es mich wirklich rausgebracht. Es ist nicht so leicht, mehrere Rollen gleichzeitig zu leben und in dem Maß hat es sich für mich gut angefühlt.

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Sujet beachvolleyball.

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