Less talk, more rock
Ox-Interview von Joachim Hiller
2023 veröffentlichten DEAD PIONEERS aus Denver, Colorado ihr erstes Album in Eigenregie, 2024 kam via Hassle Records die Europaversion und die Band um Frontmann Gregg Deal wurde zum Geheimtipp mit Hardcore mit markanten Spoken Word-Passagen, in denen Gregg oft sein Herzensanliegen thematisiert: Die Situation der US-amerikanischen Ureinwohner und ihrer Nachkommen, zu denen er selbst zählt. Daher auch der Bandname und das Bandlogo mit dem brennenden Planwagen – mit solchen zogen die weißen Pioniere einst in den USA gegen Westen, nahmen den Ureinwohnern dabei Land und Leben. Deal ist Aktivist, Künstler, Musiker – in dieser Reihenfolge. Mit „Po$t American“ erschien im Frühjahr 2025 das zweite Album, es gab eine erste Europatour, auf der der Band mit großer Neugier begegnet wurde, und nun kommt „Wagon Burner“, das dritte Album, das der fünfköpfigen Band noch viel mehr Aufmerksamkeit bringen wird. DEAD PIONEERS sind neben Gregg Deal am Mikrofon auch Josh Rivera und Abe Brennan an den Gitarren, Bassist Lee Tesche und Schlagzeuger Shane Zweygardt. Mit Gregg und Lee sprachen wir im März 2026 vor ihrem Konzert im Kölner Helios 37, das Album „Wagon Burner“ hatten wir zuvor schon hören können.

Köln ist eine Stadt mit einer lebendigen Musikszene. Wie ist es in Denver?
Gregg: In Denver gibt es eine ganz fantastische DIY-Szene, es gibt da einige Clubs, wo man spielen kann. Aber einige Venues werden auch von AEG oder Live Nation betrieben. In der Community in Denver gibt es super viele Bands, die sich gegenseitig unterstützen. Und wenn man ein bisschen weiter nach Norden nach Fort Collins fährt, gibt es auch dort eine gute Szene und Leute, die versuchen, etwas auf die Beine zu stellen. Wir haben das Glück, viel Support aus unserem Umfeld zu bekommen.
In den USA ist es ein großes Thema, dass der Live Nation-Konzern von Booking über Ticketing bis zu den Hallen und Clubs das Geschäft mit der Live-Musik dominiert. In Europa nimmt das gerade erst Fahrt auf, und das betrifft alle Bands, die nur wenig größer sind als das, was im DIY-Kontext passiert.
Gregg: Mir fällt in Europa auf, wie viel mehr unabhängige Veranstaltungsorte es hier in der EU im Vergleich zu Großbritannien gibt. In den USA übernehmen mittelgroße bis große Akteure einfach alle Venues und lassen nicht viel Spielraum. Unabhängige Locations sind immer schwerer zu finden. Und je größer wir werden, desto mehr merken wir, dass wir uns irgendwie diesen größeren Veranstaltungsorten anpassen müssen, wenn wir weiter wachsen wollen, das liegt in den USA in der Natur der Sache. Es ist schön, hier in Europa in unabhängigen Räumen zu spielen und die Community zu sehen, die sich um diese Orte herum gebildet hat. Ich finde das wirklich wichtig, gerade um jungen Leuten Musik und Kunst näherzubringen und ihnen zu helfen, ihre Stimme und ihre Ideen in die Gemeinschaft einzubringen. So was existiert auch in den USA, aber in weit geringerem Umfang, denke ich.
Ist es ein Dilemma, sich an die Spielregeln dieser großen Konzerne halten zu müssen, wenn man als tourende Band auch mal mehr als zwei-, drei-, vierhundert Leute ziehen will?
Lee: Ja. Das ist eine dieser Sachen, bei denen man irgendwie erst herausfinden muss, wie man damit umgeht.
Gregg: Wir kennen einen Typen, der für einen großen Veranstalter arbeitet. Er ist ein echt guter Kerl und tut sein Bestes, er kümmert sich um uns. Es gibt also auch bei diesen Firmen Leute, die sich um die Szene kümmern und auf die Künstler dort achten. Ich glaube also nicht, dass alles verloren ist.
Ein Konzern wie iHeartMedia, einst Clear Channel, dominiert in den USA die Radiolandschaft und es gab Fälle, da wurde missliebige Musik landesweit verbannt. Aktuell wurde CNN von einem anderen Konzern übernommen, ebenso Netflix, es droht eine konservative Agenda durchgesetzt zu werden. Die Gefahr ist gegeben, dass ein dominierender Konzern im Live-Musik-Sektor entscheidet, dass missliebigen Künstler:innen und Bands eben keine Bühne mehr geboten wird. Ist das eine reale Gefahr oder sind die Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht stabiler, als wir in Europa denken?