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Schicksalstage? Aus dem Leben einer Autorin-to-be

Heute schreibe ich dir komplett exklusiv, denn ich will meine Gedanken mit dir teilen, aber es wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt höchst unklug, sie direkt mit der ganzen Welt zu teilen. So, wie die Dinge sich aktuell darstellen, stehe ich an einem Wendepunkt in meinem Leben, und zwar gleich in zwei wichtigen Bereichen: Meinem Autorenleben und meinem Berufsleben. Dummerweise haben beide mit meinem Einkommen zu tun.

Weil es sich insgesamt um zwei Geschichten handelt, ist das hier heute Teil 1. Die muss dann auch erstmal sacken.

Vorboten

Veränderung kündigte sich nun schon länger an. Ich bin höchstgradig unglücklich in meinem Berufsleben, aber bei 15 Stunden pro Woche war es bisher leicht verdientes Geld für mich. (Mein Brotjob ist Online Marketing Management in einer kleinen IT-Firma im Maschinenbaubereich.)

Nach zwei berufbedingten Burnouts in früheren Anstellungen stehe ich der Arbeitswelt als solcher mindestens kritisch gegenüber, und ich bin sehr sensibel, was Warnsignale angeht. Lange habe ich auch gedacht, ich könnte überhaupt nicht mehr arbeiten, weil meine Erfahrungen einfach sehr schlecht waren.

In der kleinen Firma, für die ich arbeite, gehören sexistische und rassistische Äußerungen irgendwie zur Unternehmenskultur. Meist kommen die Kommentare als blöde Sprüche, die “gar nicht so gemeint” sind, oder die man "ja nochmal wird sagen dürfen.” Das passiert oft so nebenher, aber von Seiten meines Chefs kamen sie doch in schöner Regelmäßigkeit.

Darunter waren Aussagen wie “In der Klasse meiner Tochter sind ganz schön viele Schwarzfüße” oder abwertende, diskriminierende Äußerungen und Provokationen. Auch von einem Kollegen kam “Ich bringe das Bier, du die Frauen” bei der Weihnachtsfeierplanung.

Als eine von zwei Frauen (und davon die Einzige, die da offensichtlich dran Anstoß nimmt) in einer sonst männlichen Belegschaft (wir sind insgesamt 7 Leute) fühle ich mich unwohl, um das vorsichtig auszudrücken, und das seit einigen Monaten. Seit der “Schwarzfuß”-Aussage letzten Winter habe ich innerlich gekündigt.

Status Quo

Mein Plan war seit meiner inneren Kündigung, dass ich bis zur Veröffentlichung des Buches mit der Kündigung warte. Klug wäre es auch, länger beschäftigt zu bleiben, weil ein plötzlicher Reichtum nicht zu erwarten ist - ich mache mir da keinerlei Illusionen über den Verkauf.

Aber wie lange soll man warten, wenn der Job unerträglich wird?

Folgendes ist passiert:

Mein Chef kam letzte Woche in mein Büro und erzählte meinem Kollegen und mir einen Witz zum Weltfrauentag, der ihm erzählt worden war, und den er witzig fand: “Ich will auch, dass Frauen an die Macht kommen. Frauen an die Macht! Macht Essen.”

So.

Davon abgesehen, dass das einfach nicht lustig ist und grammatisch dumm ist, ist in diesem Moment endgültig mein guter Wille gestorben. Ich bin so tief verletzt, da macht dieser Mann sich einfach keine Vorstellung.

Dieser Mann wird ansonsten nicht müde, meine Arbeit über den grünen Klee zu loben. Ich weiß, dass er viel von mir hält. Er schätzt meinen Rat. Ich bin vielleicht nur 15 Stunden die Woche da, aber ich leite quasi das komplette Marketing, habe mich in drei Jahren fachfremd in Systems Engineering und Maschinenbau eingearbeitet - so sehr, dass ich schon Fachpaper verfasst habe! - und dann erzählt er mir so einen Witz?

Und nun?

Ich habe getan, was viele Frauen in solchen Momenten tun: ich habe ihn mit Ignoranz bestraft, nur noch einsilbig geantwortet und den Blickkontakt vermieden.

Am nächsten Tag sprach er mich darauf an, ob was wäre, und ich habe ihm ganz klar gesagt, dass ich seinen Witz vollkommen daneben fand und ich stocksauer bin und so nicht arbeiten kann. Er sagte darauf:

“Okay.”

Und dann lachte er so ein bisschen und erklärte mir (weil er wohl dachte, ich hätte was nicht verstanden):

“Aber der Witz war ja nicht von mir. Ich hab den ja nur erzählt.”

Let that sink in.

Er hat nichts begriffen. Gar nichts!

Und ich glaub, in dem Moment ist dann der restliche gute Wille in mir gestorben und ich weiß gar nicht, wie ich für ihn weiterarbeiten soll. Im Lauf des Gesprächs fand er sich dann übrigens toll dafür, dass er gemerkt hat, dass ich sauer bin. Da wollte er allen Ernstes von mir ein Lob für haben! 🤯

Das Blöde ist: Ich war zu aufgeregt. Ich wär ja am liebsten endcool geblieben - so Sharon-Stone-cool - , aber mein Herz hat geklopft wie verrückt, und ich war auch echt in Rage und wollte nur noch raus, also hab ich dann recht schroff gesagt:

“War es das? Kann ich jetzt gehen?”

Und dann meinte er: “Also das ist jetzt aber auch ein bisschen hart.”

Klar, um mir ein schlechtes Gewissen zu machen für seine Grenzüberschreitung.

🤷‍♀️

Ich habe also keine Ahnung, ob ich nächste Woche noch einen Job habe. Wollen tu ich ihn ja nicht, und ich wollte eh binnen diesen Jahres kündigen, aber da steht auch noch so eine Bonuszahlung für 2025 im Raum, und die hätte ich gern noch mitgenommen. Außerdem wird mir mein Gehalt bis zur Veröffentlichung fehlen. Mit dieser Lücke habe ich nicht gerechnet. Ich suche ja schon seit einiger Zeit nach was anderem, aber da ich zugleich in der heißen Phase vor der Veröffentlichung bin, kommt diese ganze Affäre zur Unzeit. Denn für Bewerbungen fehlt mir gerade auch der Nerv, zumal ich eigentlich selbstständig arbeiten will. Ich bin endgültig überzeugt, nicht für ein Angestelltendasein geboren worden zu sein.

Dass DU mich hier unterstützt, bedeutet mir in dieser Zeit umso mehr. DANKE ❤️.

Wie es weitergeht, sehe ich kommende Woche. Ich würde gern wenigstens bis Ende April bleiben, dann ist die Bonuszahlung da und den Sommer kriege ich irgendwie überbrückt. Ich habe immer noch mein kleines Nähbusiness und meinen Großmäzen, meinen Mann. ich werde also nicht sofort unter einer Brücke schlafen müssen. Aber es wird mich treffen. Andersrum kann ich ohne den Job alle Energie ins Buch stecken und das vielleicht früher rausbringen.

Tja. Nächste Woche wird mich Kraft kosten. Es stehen auch Mitarbeitergespräche an und ich habe noch keine Ahnung, wie sehr ich das eskalieren will.

Was hättest du gemacht?

Lieben Dank fürs Lesen - ich erzähle, wie es weitergeht!

Deine Sonja

Sujet Exklusiv

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