Heute geht es endlich weiter mit der Geschichte! Kapitel 4 von “Tango und Tod” steht an. Tamás wird endlich auf Sophia treffen, nachdem er schon Bekanntschaft mit George McKay und Byron Blackwood gemacht hat.
Hinter den Kulissen - kleines Blitzlicht
Leider bin ich ansonsten noch nicht viel weiter - ich warte nach wie vor auf die Druck-Cover und kann dann endlich den Probedruck bestellen. Sobald der da ist und für gut befunden wurde, geht es dann auch offiziell los mit den Vorbestellungen! Mehr dazu habe ich letzte Woche ja schon geschrieben (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Abgesehen von diesen Shop-Vorbereitungen will ich hier auf Steady demnächst die Pakete erweitern - es wird unter anderem ein “Buch-Abo”-Premiumpaket geben, bei der man jede Neuerscheinung kostenfrei nach Hause geschickt bekommt. Ich tüftele noch an den Details.
Ich habe eine Leseslot auf der Zeilentraum in Dortmund am 14.11.2026 bekommen! Jetzt bin ich natürlich tierisch nervös :D, aber ich freu mich auch drauf. Meine erste Buchmesse als Ausstellerin und dann gleich mit Lesung, oha! :o
Im Moment bereite ich ein Buchprojekt für eine Verlagseinreichung vor. Das Projekt hat nichts mit dem Darkadium (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) zu tun. Drück mir gern die Daumen, dass es genommen wird - veröffentlicht wird es aber frühestens 2028 (und geschrieben ist es nur zur Hälfte ähem …)
Kapitel 4
So, nun endlich Kapitel 4!
Wir erinnern uns. Darum geht’s:
1961. Tamás Bethlen arbeitet unter falschem Namen als Anwalt im spanischen Cala Dorada, als er mit der Erbschaft einer vermögenden Witwe betraut wird – ein Fall, der seine wahre Identität als Sohn einer einflussreichen Druidenfamilie zu enthüllen droht und ihn in ein Netz aus Magie, Intrigen und Verrat verwickelt: Werwölfe machen Jagd auf ihn, ein unheimlicher Halbdarkadier verfolgt ihn, und die geheimnisvolle Wahrsagerin Sophia geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Als er aus der Stadt verschwinden will, überschlagen sich die Ereignisse, und er muss sich entscheiden: Freiheit oder Liebe?
Die anderen Kapitel findest du hier:
Die Tänzerin
Paolo schüttelte den Kopf. »Tut mir leid, Señor Capulet. Montag können Sie den Wagen abholen. Ich bekomme das Ersatzteil nicht früher.«
Tamás schaute auf seinen Seat, der mit offener Motorhaube in Paolos Werkstatt stand. Er hatte auf Paolo eingeredet und mehr Geld geboten, aber es half nichts. Das Auto wurde nicht schneller fertig. Tamás rieb sich resigniert den Nasenrücken. »Na schön. Montag dann.«
Er verließ die Werkstatt und ihren unaufgeräumten Vorplatz, auf dem weitere Autos zwischen Reifentürmen auf ihre Reparatur warteten. Das war etwas, das er aus seinem alten Leben vermisste: einen funktionierenden, fahrbaren Untersatz. In der Garage seines Vaters hatte er die Auswahl zwischen drei Fahrzeugen gehabt. Sein Seat 600 hatte ihn bis hierhin gebracht, aber es ging mit dem Wagen zu Ende. Missmutig schlenderte er zurück ins Herz von Cala Dorada, zum Marktplatz.
Nach dem Besuch bei Blackwood hatte er vorgegeben, sich in Ruhe auf die Verhandlung vorbereiten zu wollen, und die Kanzlei verlassen. Weder Elena noch sein Chef hatten Fragen gestellt, und er hatte den Seat in die Werkstatt gebracht. Seinen Plan, am morgigen Samstag in aller Frühe zuerst zum Zirkus zu fahren und danach die Stadt zu verlassen, verwarf er. Es war wie verhext, als ob er in diesem Kaff bleiben sollte. Am Sonntag fuhr ein Überlandbus, mit dem er bis Barcelona kam, aber Busfahrten waren zurückverfolgbar und große Städte wollte er vermeiden.
Er war tief in Gedanken versunken, als sich um ihn Menschen drängelten und ihre Hälse reckten. Er hob den Kopf und registrierte Musik. Eine Gitarre spielte eine klassische, spanische Melodie und die Leute wippten im Takt. Tamás folgte dem Klang mit den Augen und entdeckte in der Mitte des Marktplatzes am Brunnen zwei junge Männer, die Gitarre spielten. Eine Frau tanzte dazu in einem orangefarbenen Kleid einen Flamenco. Tamás blieb stehen, unfähig, den Blick von ihr abzuwenden.
Sie verschmolz mit der Musik, sie war eins mit der Melodie. Jede ihrer Bewegungen war ein Beweis ihrer Grazie und Eleganz, sie selbst eine Göttin der Sinnlichkeit. Die Menge lag ihr zu Füßen, wie er an den verträumten Gesichtern der Umstehenden erkannte. Sie strahlte Feuer und Magie aus und ihr Kleid flog wild um sie und schmeichelte ihren Kurven. Tamás lockerte seine Krawatte. Über die Köpfe der Zuschauer hinweg traf ihr Blick seinen und die Zeit hielt den Atem an. Zwischen ihnen entstand eine Brücke, geformt aus den Noten der Musik und einem Gefühl, das Tamás in seinem Innersten berührte. In ihrem Blick lag Erkennen, in ihren leicht geöffneten Lippen das Versprechen eines Kusses. Sie war Sophia Mendoza, die Frau vom Zirkusplakat. Die Erbin Martha Cayetanas. Verlangen flammte in ihm auf und eine Träumerei überfiel ihn, in der sie sich nackt und eng umschlungen küssten. Ihre Finger griffen in sein Haar und zogen ihn näher an sich, während ihre Beine ihn umschlangen. Die Berührung elektrisierte ihn, sie stöhnte seinen Namen. Er versank im Rausch zerwühlter Satinlaken und gab ein Stöhnen von sich.
Jemand rempelte ihn an und er stolperte zur Seite. Verärgert suchte er wieder ihren Blick auf der Bühne. Sie beendete soeben ihre Darbietung. Die Menge stimmte donnernden Jubel an, als sie sich vor ihrem Publikum verneigte.
Menschen drängten nun in verschiedene Richtungen durcheinander und zogen Tamás mit sich. Er sah sich nach ihr um. Sie schaute ihn über die Menge hinweg an und ihr Lächeln brannte sich in sein Herz. Seine Wangen wurden heiß. Unsicher sah er sich um, ob jemand ihn gesehen hatte, aber alle Umstehenden schauten in ihre Richtung. Sein Blick ging zu ihr zurück, doch sie war verschwunden. Tamás seufzte. Er hätte sie gern noch einmal gesehen.
Wie betäubt blieb er, wo er war, während die Menge sich auflöste. Als der Platz sich merklich geleert hatte, trugen seine Füße ihn wie von selbst nach vorn, wo sie getanzt hatte. Ein feiner Duft nach Jasmin lag in der Luft. Er atmete seufzend ein und beschloss, zurück in seine Wohnung zu gehen. Er musste packen und seine Abreise planen. Dass er sich Blackwood zu erkennen gegeben hatte, war ein Fehler gewesen. Er musste seine Angelegenheit klären und die Stadt verlassen.
Entschlossen wandte er sich um, als er etwas auf dem Boden glitzern sah. Er hob es auf. Es war ein Ohrring, ein silberner Haken, an dem kleine, funkelnde Steine hingen. Lächelnd betrachtete er das Schmuckstück, als klackernde Schritte auf ihn zukamen und er aufsah. Atemlos kam sie auf ihn zu, dabei war ihr Blick suchend auf den Boden gerichtet.
»Señorita?«, sagte er leise und sie sah auf. »Suchen Sie das hier?«
Er hielt ihr den Ohrring hin und ihre Augen weiteten sich. Sie lächelte und Tamás Herz machte einen Sprung. Ihre grün-goldenen Augen zogen ihn in ihren Bann. Sie nahm den Ohrring in die Hand und hielt ihren Kopf etwas schräg, um ihn wieder zu befestigen. »Ich muss ihn vorhin verloren haben. Vielen Dank, Señor ...?«
»Capulet. Mein ... äh ... Name ist István Capulet, und ich ...«
»Das ist nicht wahr«, sagte sie mit einem amüsierten Lächeln und zwinkerte ihm zu. »Gibt es einen Grund, warum Sie mich anlügen?«
»Äh, Entschuldigung?«
»Das ist nicht Ihr Name«, sagte sie kichernd und fügte erklärend hinzu: »Ich bin Wahrsagerin, Señor.«
Tamás lächelte ertappt.
»Ist schon gut, tut mir leid. Ich will Sie nicht in Verlegenheit bringen. Es geht mich auch gar nichts an«, sagte sie. »Danke, dass Sie den Ohrring gefunden haben.«
»Sophia?«, rief jemand, eine Männerstimme. »Kommst du? Wir fahren!«
»Bin sofort da!«, rief sie zurück und sah Tamás an. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich. Ein feuchter Schleier legte sich über ihre Augen und für einen winzigen Moment schien es, dass sie den Tränen nahe war.
»Ist alles in Ordnung?«, fragte Tamás.
»Oh! Ja, danke nochmal, Señor Capulet.«
Sie legte ihre Hand auf seine Wange. Er lehnte sich sanft dagegen, sein Herz schlug bis zum Hals. Was passierte hier? Er legte seine Hand auf ihre und sie verharrten einen Moment. Langsam zog sie ihre Hand zurück. »Vielen Dank nochmal.«
Sie drehte sich um und lief mit schnellen Schritten zu dem Mann, dem Gitarrenspieler von vorhin, der neben einem Auto auf sie wartete. Tamás schaute ihr hinterher und drängte die Eifersucht auf den jungen Mann zurück, die plötzlich in ihm aufflammte. Wie gern würde er mit ihr fahren!
Bis zum nächsten Mal, komm gut durch die Woche!
Sonja