Im letzten Newsletter (NAPS #64 (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)) habe ich euch und auch mich selbst gefragt, welche Botschaft Podcasts in die Welt tragen. Zwei Antworten aus der Leserschaft möchte ich mit euch teilen.
ââŠMir geht es um Bildung â an die ich glaube; sie soll zur Langlebigkeit einer wohlwollenden Demokratie beitragen, das ist mein Ziel.
Und mein Medium bei allem sind Podcasts â weil sie mit ĂŒberschaubarem technischen Aufwand Wirkung erzielen könnenâŠâ
Ein Auszug aus Stefanies Nachricht. Brigitte kommt zu Ă€hnlichen SchlĂŒssen:
âFĂŒr mich steckt in Podcasts etwas sehr Demokratisches: Jeder kann zum Sender werden.
Nicht, um möglichst viel Reichweite zu erzielen, sondern um Wissen, Erfahrungen und Perspektiven zu teilen.
Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft des Mediums Podcast: Menschen können ihre Stimme erheben und ein Thema in die Welt bringen â unabhĂ€ngig davon, ob ihnen ein groĂer Sender oder eine groĂe Plattform gehört.â
Und da wir gerade schon von Medien, Demokratie und dem groĂen Ganzen redenâŠ
Ende April war der AfD-Politiker Björn Höcke zu Gast im Podcast {ungeskriptet}. Bis heute andauernde Debatten ĂŒber Politik, Skandale, Gesellschaft, TabubrĂŒche, Medien, die Brandmauer und vieles mehr sind die Folge. Im Zentrum steht die Frage, warum man einen Rechtsextremisten wie Höcke a) ĂŒberhaupt einlĂ€dt und dann b) einfach unkritisch mit ihm plaudert. Das kreiden viele Beobachter Ben, dem {ungeskriptet}-Host, nĂ€mlich an.
Ich selbst hatte den Podcast bereits im Februar (NAPS #60 (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)) kritisiert. Nun, nachdem die Kontroverse sich voll entfalten konnte (und ihn mit Abermillionen Abrufen beschenkt hat), möchte ich meine ursprĂŒngliche Kritik ironischerweise ein wenig relativieren. Nicht, weil ich {ungeskriptet} plötzlich besonders toll oder meine Kritik im Nachhinein ungerechtfertigt fĂ€nde, sondern, weil mir damals ein wichtiges Detail noch nicht klar war: Nicht geringe Teile der Ăffentlichkeit wĂŒnschen sich dieses Format offenbar sehnlich. Sie wollen rohe GesprĂ€che, ohne Unterbrechungen, ohne Faktenchecks, ohne Einordnungen. Sie wollen selbst beurteilen, ob jemand zu gefĂ€hrlich ist, um eine BĂŒhne zu erhalten. Diese Menschen misstrauen klassischen Medien mittlerweile so sehr, dass sie deren Einordnungen als Bevormundungen empfinden. Anstatt den âSystemmedienâ und der âLĂŒgenpresseâ zuzuhören, schenken sie ihre Aufmerksamkeit lieber jemandem, der kaum etwas sagt: Ben. Er bedient ihre Nachfrage. Seine Fans feiern ihn, denn, so die Logik, wer sich kaum Ă€uĂert, der kann zumindest nicht lĂŒgen.
Nun bin ich mit diesem Thema reichlich spĂ€t dran und hĂ€tte es eigentlich vollends gemieden. Schlaue Leute haben bereits alles Wichtige dazu gesagt. Allerdings kam es mir vor einigen Tagen wieder in den Sinn, und zwar als ich den neuen Podcast, Was zĂ€hlt (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) von Correctiv entdeckt habe, der âNachrichten mit einer persönlichen Note einordnenâ will. Beim Reinhören wurde mir plötzlich klar: Ich höre gerade den Gegenpol zu {ungeskriptet}.

Beide Podcasts, so scheint es mir, stehen sich in unserem Mediensystem diametral gegenĂŒber. Und obwohl beide Pole reichlich AngriffsflĂ€che fĂŒr Kritik bieten, scheint das System insgesamt bereichert, ausgewogener und vollstĂ€ndiger. Womöglich braucht es beide Angebote, das Schweigen und die ErklĂ€rung, den Einfach-Loslass-Podcast und den An-Die-Hand-Nehm-Journalismus.
Mit welchem der beiden Lager sympathisiert ihr? Oder konntet ihr womöglich sogar einen Mittelweg fĂŒr euch finden? Eure Meinung interessiert mich sehr. Schreibt sie mir als Antwort auf diese Mail.
Euer Steffen von podcast.de
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â                   âMelanie Amann lĂ€sst ihr GegenĂŒber ĂŒberhaupt nicht ausreden. Sie fĂ€llt ins Wort, schĂŒttet mit Argumenten zu und möchte ihre Meinung ihrem GegenĂŒber unbedingt aufdrĂŒcken. Dadurch kann keine wirkliche Diskussion entstehen. Es wird einem nicht leicht gemacht diesem GesprĂ€ch mit Interesse zu folgen, vielmehr ist man von der Moderatorin genervt. Schade, die Chance auf ein interessantes GesprĂ€ch wurde vergeben. Hoffentlich gelingt es in Zukunft besser.â - Rezension nur im Extremfall
âââââ âUnframed von Melanie Amann ist fĂŒr mich ein sehr gelungenes Podcastformat. Besonders gefĂ€llt mir die Idee, Menschen einzuladen, die in der Ăffentlichkeit oft auf bestimmte Zuschreibungen reduziert werden, und gemeinsam zu hinterfragen, wie diese Bilder entstehen.
Die Folge mit Harald Martenstein fand ich besonders spannend. Das GesprÀch war ein respektvolles StreitgesprÀch auf Augenhöhe, in dem beide Seiten nachvollziehbare und interessante Argumente vorgebracht haben.
Positiv aufgefallen ist mir auĂerdem, dass Melanie Amann einen Fehler offen eingerĂ€umt hat, als sie fĂŒr eine zugespitzte Aussage keine ausreichenden Belege nennen konnte. Das wirkt glaubwĂŒrdig und stĂ€rkt das Vertrauen in das Format.
Ein Podcast, der zeigt, dass kontroverse Diskussionen differenziert und fair gefĂŒhrt werden können. Gerne mehr davon.â - Ales.Cir
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