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Mia

Ich lese alles, was Melissa Febos schreibt. Ihre Prosa ist fleischig und satt und sinnlich und immer ein bisschen over the top. In einem Interview sagte sie mal, ihr Lieblingswort sei MOUTH. Wenn andere versuchen würde, ihren Stil zu imitieren, sie würden nicht damit durchkommen.

Febos´ erstes Buch beschreibt die Zeit, als sie als professionelle Domina gearbeitet hat, während sie heroinabhängig war. Ihr zweites handelt von einer obsessiven, toxische Beziehung und das dritte von ihrer Kindheit und Jugend als Mädchen, und die mühevolle Befreiung aus den Vorstellungen und Selbstbezeichnungen des Patriarchats – dem »Haus, in dem wir alle leben«. Man sagt ja, dass alle Schreibenden immer nur ein einziges Kernthema haben und das ist ihres: ihre eigene Zerstörung und Wiederauferstehung. Das Schreiben spielt in diesen Transformationsprozessen eine Schlüsselrolle. Immer hat sie sich aus den Abhängigkeiten und Zwängen ihres Lebens durch das Schreiben befreit.

Deswegen war ich völlig begeistert, als ihr neues Buch erschien, denn darin geht es genau darum. Es heißt »Body Work« und es ist kein Buch über Schreibtechnik, sondern eine psychologische und soziologische Analyse des autobiografischen Schreibens. In vier Essays behandelt die Autorin die politische Kraft, die besonders für Individuen aus sozial unterdrückten Gruppen darin liegen kann, das eigene Narrativ zu kontrollieren. Febos spricht sich ausdrücklich für die Nabelschau aus. Und es geht um die Parallelen von autobiografischem Schreiben und Trauma Arbeit – um die kathartische Wirkung des Erzählens. 

Beim Lesen habe ich ständig Momente des Widererkennens. Auch ich fühle mich immer auf eine einzigartige Art vollständig, wenn ich schreibe, und kenne dieses Gefühl von Entspannung, von zentrierter Kontrolle, die meine Worte auf den Seiten herstellen. Auch ich habe Sucht und Missbrauch und zerstörerische Beziehungen verlassen, indem ich sie schreibend von mir trennte – es ist ein fast magischer, alchemistischer Prozess und das beste Werkzeug, das ich kenne.

Über ihr zweites Buch, das von einer toxischen Beziehung zu einer narzisstischen Frau – also von einer Beziehungssucht – handelt, schreibt Melissa Febos:

»I was writing about my affair and my feelings, but, at least while I was writing, I didn‘t have to feel them the same way. An analytical part of me takes over when I write and creates a distance between me and the subject, and in that space, I have always been able to breathe.«

(»Ich schrieb über meine Affäre und meine Gefühle, aber, zumindest während des Schreibens, musste ich sie nicht auf dieselbe Weise empfinden. Wenn ich schreibe, übernimmt ein analytischer Teil von mir die Kontrolle und schafft eine Distanz zwischen mir und dem Thema, und in diesem Raum konnte ich immer durchatmen.«)

Leider sind ihre Bücher bisher nicht auf Deutsch übersetzt worden. Wer englisch liest und sich für das Schreiben als Form des Aktivismus und Form der Therapie interessiert, der sollte sich unbedingt dieses Buch zulegen.  

Außerdem: Tage ohne Zigaretten: 21.

Habt wundervolle Ostern, ihr Häschen 🐰

Mia + Mika

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