Es ist Mittwoch, der 6. Mai 2026, und du liest den STOFFKUNDE-Trikot-Sondernewsletter zu meinem Trikot-Podcast. Gast in der fünften Folge dieser ersten Staffel ist Hansi Steinle (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Hansi war bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand vor zwei Jahren 45 Jahre im Sportartikelbusiness tätig. Nach einer absolvierten Ausbildung als Einzelhandelskaufmann bei Breuninger wechselte er 1987 zu Reusch und baute dort den Vertrieb mit auf. Zudem war er bei Reusch auch für die Promotion und Versorgung der unter Vertrag stehenden Torhüter aus aller Welt mit verantwortlich.
Dann gab es 1988 die EM in Deutschland, die die Niederlande mit Hans van Breukelen gewonnen hat im Endspiel gegen die UdSSR mit Rina Dassajew, beide mit Reusch-Handschuhen. 1990 die WM in Italien mit Bodo Ilgner im Endspiel gegen Sergio Goycochea. 1992 war es in Schweden Peter Schmeichel. Der hatte kurz davor seinen Vertrag unterschrieben und ist dann mit Dänemark Europameister geworden gegen Deutschland. Und bei der WM 1994 in den USA war es dann Claudio Taffarell (Brasilien) gegen Gianluca Pagliuca (Italien). Beide ebenfalls mit Reusch. Das waren super erfolgreiche Zeiten. Jeder Hersteller, ob Reusch oder Uhlsport möchte gerne für den internationalen Markt einen Europameister oder Weltmeister im Portfolio haben.
Ein wichtiges Standbein für den Markenaufbau war die Ausrüstung von Trainern.
Peter Neururer und Reinhard Saftig, das waren die ersten zwei, die Reusch getragen haben. Dann kam der ein oder andere dazu. Dabei ging es vor allem um Sichtbarkeit in Richtung Textil und ich glaube das ist wirklich aufgegangen.
Ins Teamsportgeschäft ist Reusch eher zufällig geraten.
Wir hatten den Trainer Jürgen Gelsdorf unter Vertrag, der damals Trainer in Bochum war. Er kam in der Sommerpause 1993 nach Metzingen zum Firmensitz mit dem Klaus Hilpert, dem damaligen Manager des VfL. Dann haben wir so gesprochen, der Gebhard Reusch war auch dabei und auf einmal kam man relativ schnell auf das Thema, könnt ihr euch vorstellen, den VfL Bochum auszurüsten?
Der erste größere Auftritt mit Reusch-Trikots war einige Zeit zuvor das Abschiedsspiel von Harald “Toni” Schumacher gewesen, bei dem Tonis Top-Team in Reusch-Trikots gespielt hatte.
Es war vielleicht auch die Zeit, wo man das gern gemacht hätte, nur man hat ja gar nichts gehabt und eigentlich sofort, eigentlich mehr oder weniger in drei Tagen ist Foto, Mannschaftsfoto, was machen wir jetzt? Ach, da sind noch Trikots da vom Abschiedsspiel, also die nicht mit Werbung versehen waren, die waren blank, weil man die nicht gebraucht hat. Dann hat der Verein mehr oder weniger mit diesen 20 bis 25 Trikots, die da waren, das Mannschaftsfoto bestritten und wir plötzlich den VfL ausgerüstet.

Mit dem FC St. Pauli, Bayer 05 Uerdingen, Hertha BSC, SV Meppen und dem VfL Wolfsburg folgten recht schnell weitere Klubs. Arminia Bielefeld war dann von 1996 bis 2000 der letzte Verein, den Reusch unter Vertrag hatte, bevor man sich aus dem Teamsportmarkt wieder verabschiedete.
Da war Hansi Steinle aber schon nicht mehr da. 1997 wechselte er zu Fila Deutschland und betreute dort neben erneut Uerdingen auch den Hamburger SV und Eintracht Frankfurt.
Und nicht zu vergessen, der KFC Uerdingen, nicht mehr Bayer 05 Uerdingen. Das war so der erste Schritt. Das war so ein bisschen der Testklub. Kann das funktionieren?

Von Fila ging es für Hansi Steinle 2004 anschließend weiter zu Kappa, wo man von sportlichen Erfolgen praktisch überrollt wurde: Zweimal Doublesieger, einmal Deutscher Meister, zweimal Pokalsieger, einmal Supercupsieger mit Werder Bremen, Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg. Dazu später noch Champions League mit Borussia Mönchengladbach. Mit dem FC St. Pauli, TSV 1860 München, 1. FC Kaiserslautern und 1. FSV Mainz 05 rüstete Kappa zudem noch weitere Erst- und Zweitligisten aus.
Kappa war es auch, die als erste die eng geschnittenen Trikots auf den Markt brachten.
Also man muss ich muss wirklich sagen, Kappa hat ein bisschen diesen Schnitt erfunden. Mit der italienischen Nationalmannschaft bei der WM 2002 in Korea und Japan haben die Italiener in diesen Trikots gespielt.

Werder Bremen kam dann in der Bundesliga als erste in den Genuss, in diesen Trikots zu spielen, die sich jedoch nicht bei allen Beteiligten besonderer Beliebtheit erfreuten.
Auf der anderen Seite ist es so und das haben wir dann festgestellt, das sieht schon cool aus und in den durchtrainierten Körper,
aber in der Kreisliga A halt weniger cool. Und auch bei den Fans haben die für viel Ärger gesorgt, weil viele konnten sich gar nicht in die Trikot reinschaffen,
Diese Podcastfolge ist ein spannender Rückblick aus nächster Nähe auf eine Zeit als sich der Ausrüstermarkt in Deutschland Anfang der Neunzigerjahre öffnete und neue Sportartikelhersteller die 1. und 2. Bundesliga für sich als neues Wachstumssegment entdeckten. Hört also auf alle Fälle mal rein. Es lohnt sich wirklich.
Herzlichst, euer Steve