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StreetLetter #7: Wolle mer se noilosse? Mit der Kamera im Trubel

Am Fastnachtssonntag (nein, es heißt hier nicht Karneval) hatten wir einen Photowalk mit unserem Kollektiv Collateral Eyes (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) in Mainz. Da war ganz schön was los, und statt viel zu quatschen, haben wir tatsächlich vor allem fotografiert. Und hinterher RIESIGE Pizzen gegessen, aber das ist eine andere Geschichte.

Bei solchen Veranstaltungen zu fotografieren ist immer ein bißchen eine Herausforderung. Aber ich stelle fest, daß es mir viel leichter fällt, seit ich mich entschieden habe, was ich eigentlich will. Will ich eine Reportage fotografieren oder mach ich hier irgendwie so Kunst? Weil die Street Photography mit einem Bein in der Reportage und einem Bein in der Kunst steht, ist das nämlich gar nicht so einfach, aber dennoch entscheidend.

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Beides kommt nämlich mit Vor- und Nachteilen daher und verlangt einen anderen Blick. Wer eine Reportage fotografiert, erfüllt gewisse Anforderungen an das Genre: Überblicksbild, Close-up, Szenen, und dann ist da noch ein gewisser dokumentarischer Anspruch, Entscheidendes nicht auszulassen. Ein Bild von dem Gutenberg-Denkmal mit Narrenkappe ist ebenso Pflicht wie jeder Wagen und eine gute Mischung an Kostümen. Das ist eine Menge, gibt aber eine gewisse Sicherheit. Ein Geländer, an dem man sich festhalten kann.

andrea.diener (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

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Ich fühle mich ehrlich gesagt total entlastet, seit ich für mich entschieden habe, halt irgendwie so Kunst zu machen. Das entbindet mich davon, Fotos aufzunehmen, von denen ich glaube, sie machen zu müssen. Ich muß gar nichts, ich werde hier nicht bezahlt, ich hab keinen Auftrag. Ich verfolge nur mein eigenes Werk. Ich muß nicht schauen, was man von mir wollen könnte, ich muß nicht irgendwas der Vollständigkeit halber fotografieren. Aber: Dadurch müssen sich die Bilder, die ich mache, ganz anderen Ansprüchen genügen. Sie sind nicht da, um irgendwas zu dokumentieren. Das genügt nicht mehr. Sie müssen für sich selbst stehen.

Je nachdem, was man will, wird man dann entweder im Gewühl oder am Rand des Geschehens glücklicher. Ab Rand sitzen ab und zu einsame Menschen in Hühnerkostümen auf Pollern und gucken, das kann wahnsinnig lustig sein. Oder man geht rein ins dichteste Gedränge und ganz nah ran an die Menschen, bis auf wenige Zentimeter, das kann krass und intensiv wirken. Manchmal gibt es bunte Hintergründe, da spring ich immer sehr drauf an, und wenn dann noch irgendwas angeschnitten ist, umso besser. Das sind so meine Trigger, ihr habt sicher andere.

Das ganze Gewimmel in kurzer Zeit kann einen ganz schön überfordern. An normalen Tagen genügt es, einfach loszulaufen und sich vom Alltag in der Stadt überraschen zu lassen. Aber in die Fassenacht oder andere Massenaufläufe geht man meiner Ansicht nach am besten nicht ganz unbedarft rein, sonst verzettelt man sich gnadenlos. Es ist einfach zu viel, und von allen Seiten gleichzeitig.

Auf Instragram hab ich ein paar sehr schöne Fassenachtsbilder (und Karnevalsbilder) gesehen. Da laufen Rheingau und Rheinland zu ähnlicher Hochform auf wie später im Jahr die Münchner beim Oktoberfest. Zwischendrin feiern wir Frankfurter noch Wäldchestag und Dippemess, und auch das sind sehr dankbare Gelegenheiten zum Fotografieren, mit ähnlichen Regeln. Zu wissen, wonach man sucht, kann auch da sehr helfen, der Überforderung vorzubeugen.

Links

Terminkalender

Wettbewerbe

Die guten Fasssenachtsbilder

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