Jeden Mittwoch sende ich dir einen Impuls für mehr Rhythmus im Leben. Heute: Mit der Stockente in den Herbst und Winter.
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Ein Blick auf die Gräben und Seen in der Umgebung zeigt: Die Stockenten sind zurzeit meist paarweise unterwegs. Sie „verloben“ sich bereits im Herbst, gehen die kalte Jahreszeit gemeinsam durchs Leben, um dann im März mit dem Brutgeschäft zu starten.
Die Stockente zählt zu den Vogelarten, die viele von uns treffsicher erkennen können, auch diejenigen, die sonst nicht so viel mit dem Federvieh am Hut haben. Das liegt wohl daran, dass die Stockente die häufigste Gründel- oder Schwimmente (im Gegensatz zur Tauchente steckt sie bei der Nahrungssuche allein den Kopf unter Wasser) in Europa und Nordamerika ist: In Deutschland schätzt man den Bestand auf 190.000 bis 345.000 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Brutpaare, weltweit auf mehr als 19 Millionen.
Stockenten sind keine klassischen Zugvögel, wie etwa die Graugänse, Kraniche oder Störche. Sie sind aber ein wenig kälteempfindlich. Gerade, wenn sie weit im Norden oder Osten zu Hause sind, flüchten sie als Teilzieher (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) bei Bedarf gerne in etwas wärmere Gefilde. Die Weibchen kehren zum ausgehenden Winter aber häufig wieder an alte Brutplätze zurück. Dort, wo die Gewässer nicht zufrieren, bleiben die Enten als Standvögel meist das ganze Jahr über.
Genetisch festgelegtes Balzritual
Stockenten führen eine monogame Saisonehe. Die Paarungszeit startet schon im Herbst. Dann wenn die Enten nach der Mauser wieder im Prachtkleid erscheinen. Sie beginnt mit einem genetisch festgelegten Balzritual. Die Erpel vollführen dabei typische Bewegungsabläufe. Das tun sie nicht einzeln, sondern als Gruppe und erinnern mit ihren blau-grün schimmernden „Badekappen“ an die Tänzer eines Wasserballetts. Die Erpel ziehen den Hals ein, schütteln wiederholt den Schwanz, pfeifen oder grunzen, schütteln den Kopf, schlagen seitwärts mit den Flügeln – wir alle kennen die Bewegungen irgendwie.
Wenn ein Weibchen von dem Balzritual angetan ist, schwimmt sie den auserwählten Erpel direkt an. Ein historischer Film (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) des Verhaltensforschers Konrad Lorenz (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von 1952 zeigt die komplexen Balzrituale, die zu einer vorübergehenden Paarbindung führen.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)In der Filmbeschreibung (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) heißt es: „Statt sie (die Erpel) durch Nickschwimmen zu weiterer Balz zu veranlassen, schwimmt die Ente zu einem bestimmten Erpel hin und vollführt ihm gegenüber die Instinktbewegung des so genannten ‚Hetzens‘.“ Darunter verstehe man eine stark mimisch übertriebene und ritualisierte Drehbewegung mit Kopf und Schnabel, die stets über die Schulter der Ente weg nach hinten zeige.

Geht der Erpel auf das Angebot ein „antwortet er mit (…) Kinnheben oder räb-räb-Palaver, oder aber mit einem ritualisierten Übersprung-Putzen, dem sogenannten ‚Scheinputzen‘.“ Fortan schwimmen die beiden neben- oder hintereinander, der Erpel vertreibt andere männliche Artgenossen.
Die „Reihzeit“ zeigt, ob die Verlobung hält
Eine Garantie dafür, dass die Beziehung hält und der Erpel die sieben bis dreizehn Eier, die die Ente schließlich legt, tatsächlich im Februar oder März befruchtet, gibt es nicht. Wer hier zum Zuge kommt, entscheidet sich in der so genannten „Reihzeit“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) im Januar oder Februar.
Auch das haben wir alle aus dem Augenwinkel wohl schon einmal beobachtet. Mehrere Erpel, auch der Verlobte, schwimmen dann „in der Reihe“ hinter einem Weibchen hinterher. Manchmal hebt die Gruppe ab, und die Erpel folgen der Ente im Flug. Wer hier das Rennen macht, wird die Ente schließlich abermals nach einem ausgedehnten Paarungsritual begatten.
Paarung in den Winterquartieren
Die Verlobung im Herbst und Paarung noch in der Winterzeit hat einen evolutionären Vorteil: In den Winterquartieren schwimmen nicht nur die Erpel und Enten herum, die dort das ganze Jahr über anzutreffen sind. Auch teilziehende Gäste sind darunter. Da die Enten sich jedes Jahr mit einem neuen Partner zusammentun, aber meist zur Brut in alte Gefilde zurückkehren, erhöht sich dadurch die Chance für eine gute genetische Durchmischung. Eine Strategie, die sicherlich zur hohen Anpassungsfähigkeit und dem ganz offensichtlichen Überlebenserfolg der Stockenten beigetragen hat.

Die Spermien des Erpels sind 17 Tage (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) lang befruchtungsfähig. Manchmal sind an einem Gelege, wie genetische Untersuchungen zeigen, aber auch mehrere Erpel beteiligt. Deren biologischer Auftrag endet spätestens dann, wenn die Ente die Eier abgelegt hat. Um den Nachwuchs, der nach vierwöchigem Brüten schlüpft und nach 50 bis 60 Tagen flügge wird, kümmern sich allein die weiblichen Tiere. Stockenten werden in der Wildnis bis zu 15 Jahre alt.
Text: Dr. Ulrike Gebhardt
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