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Morgenletzt und Abenderst

Der Pfad durch die Berge liegt vor dir, steil und unbarmherzig, gesäumt von spitzen Felsen, die wie stille Wächter aus dem weißen Wolkenmeer ragen. Du folgst Athura mit gesenktem Blick, im Bewusstsein seiner vertrauten Präsenz an deiner Seite. Er geht zwar nur wenige Schritte vor dir, doch die Nähe schmerzt mehr, als sie dich tröstet.

Die Erinnerung daran, wann ihr das letzte Mal nur unter euch wart, liegt schon einige Jahre zurück. Eine Zeit, in der ihr euch ohne Worte verstanden habt, in der ihr die gleichen Gedanken geteilt habt, in der ihr nur euch hattet. Jetzt bist du allein. Jetzt liegt zwischen euch eine Kälte, die nichts mit der dünnen Bergluft zu tun hat.

Seit deinem kindischen Ausbruch habt ihr euch aus den Augen verloren, zwischen euch ist etwas zerbrochen, im Stillen und endgültig. Athuras Schweigen führte zu Abstand und dieser hat sich seitdem in dein Herz gefressen.

Es war also keine Überraschung, als Athura vehement Protest eingelegt hat, als ihr beide zusammen im Auftrag der Mihéndir losgeschickt wurdet.

Doch in dir pocht seitdem eine aufgeregte Erwartung. Eine Vorfreude auf das, was kommen wird. Ihr beide. Zusammen. In dieser Welt hier draußen. Vereint. Sie haben dir immer wieder eingetrichtert, dass die Wesen außerhalb der Grenzen von Meru nicht mit dem Äther umgehen können und haben wohl Recht behalten…

Aber das ist dir egal. Denn vielleicht wird das, was vor euch liegt, ihn dazu zwingen, dich wieder anzusehen, dir zuzuhören, dir wieder zu vertrauen wie damals.

In deiner Hoffnung liegt Aufregung und sie ist brüchig, gefährlich, doch sie ist momentan alles, woran du dich festhalten kannst. Während du mit jedem Schritt mehr von ihr schöpfst und die Vorfreude in dir steigt, baut sich vor dir die Silhouette eines Klosters auf, das aus der Wolkendecke emporsteigt. Der Herbstpunkt…

Sujet Die Welt von Vytra

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