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The summer I turned obsessed! Warum wir alle “The summer I turned pretty schauen sollten…

Als meine Teenie-Tochter mich fragte, ob ich mit ihr „The summer I turned pretty“ angucken will, war ich wenig angefixt. Dann fiel mir ein, dass ich sehr gerne Maxton Hall gebinget hatte, und gab der Coming-of-age- Serie (Kann man es noch seltsamer betiteln?) eine Chance. Was dann folgte, hätte ich nicht für möglich gehalten: Ich ging auf emotionale Zeitreise.

Ja, im LTeenager-Liebesdreieck sind alle on fire. Aber ich war blendend entertained. Absolute Empfehlung! Bild-Quelle: Amazon prime

 Am Anfang fand ich es so öde, dass ich nach der zweiten Folge vergaß, weiter zu schauen. Kein gutes Zeichen. Worum es geht? Teenie Isabell, genannt Belly, liebt zwei Brüder. Mit denen sie aufgewachsen ist, was eigentlich Schwachsinn ist, denn wer verliebt sich in seine Fast-Brüder? Aber gut. Bruder eins ist älter, sieht aus wie Leo di Caprio, weshalb es ganz schnell um alle Ex-90er-Teenies, die auf der Titanic waren, geschehen ist. Außerdem ist er introvertiert, empathisch, sehr klug und ihm hängen ständig irgendwelchen bekloppten Strähnen ins Gesicht. Was natürlich Absicht ist. In den 90ern hat man aus dem Gesicht gegelt, 2025 gelt man alles nach vorne. Bruder Nummer 2 ist wie ein Eichhörnchen, das man immer nur mit der Hand füttern will. Er hat stahlblaue Augen, Locken oder Dauerwelle, die ebenfalls nach vorne durchhängt, ist lustig, liebevoll und ein Feierbiest. Eigentlich liebt sie Bruder Nummer eins, schon immer, verliebt sich dann aber auch ein bisschen in Nummer 2, verlässt dann aber Nummer 2, als Nummer 1 signalisiert, da geht doch was. Am Ende verlassen sie einander, weil die Mutter der Brüder an Krebs stirbt und sie mit seiner Art zu trauern nicht umgehen kann. Dann meldet sich Bruder Nummer 2 wieder: 3 Jahre Beziehung gehen ins Land, ein Betrug kommt dazu, gefolgt von einer urplötzlichen Verlobung, aber irgendwas, vermutlich mein Plotgespür sagt mir, dass sie am Ende doch Bruder Nummer 1 wählen könnte. Auch Eltern finden statt, was interessant ist, da man ja jetzt selbst Eltern ist. Zwar existieren die nur am Rande, aber auch sie sind Teil der Beach-Blase mit kaputten Ehen, Affairen, Sex im Auto und dem Wunsch, die Kinder mögen doch bitte nicht so früh heiraten. Also jedenfalls nicht so schnell.

Ja, man merkt es, die Story ist eigentlich dünn und vorhersehbar und so ganz habe ich den Schauspielern die ganz große Gefühle teilweise nicht abgenommen. Vielleicht lag es am immer gleichen Gesichtsausdruck oder dem ganzen Haar in der Stirn, aber: Ich blieb dran und war plötzlich drin. In dem Hype, den mein Teenie daheim erfasst hat. Allerdings weniger mit der Fragestellung: Team Conrad oder Team Jeremayer? Am Anfang war es die Kulisse, ein Traumhaus mit Pool im fiktiven Ort Cousin´s beach, umrankt von blauen Hortensien, gesäumt von einem kleinen Traumpool. Dann waren es die Kinderzimmer mit hübschen Tapeten und Foto-Collagen an der Wand. Die Mutter, auch Schriftstellerin, getrennt von ihrem Mann, kam mir irgendwie bekannt vor, wenn auch in anderer Reihenfolge.

Die Leichtigkeit, die man nur mit 16 fühlt, passte sehr gut zu meiner Sommerferienlaune. Oder sagen wir, das Gefühl, dass das einzig existente Problem ist, ob die Harre sitzen, der richtige Typ mich gut findet und ob die Mathearbeit noch ´ne drei geworden ist. Und so verliebte ich mich ein bisschen in das Gefühl, wie Belly und ihre beste Freundin Taylor unter der Dachschräge mit angeklebter Fotocollage auf ihrem kleinen Kinderbett überlegen, für wen sie sich entscheiden soll. Oder wie ihre Mutter und ihre beste Freundin auf die Idee kommen, ein bisschen daydrinking zu genießen und tagsüber tanzen zu gehen. Dass es leider auch einen Serientod gibt, trifft mich kurz heftig, aber es gehört zur Story.

Was mir auffällt: Das Ganze erinnert mich sehr an meine Teeniezeit. Keiner ist extrem geschminkt, es gibt keine Kunstwimpern, die Hauptdarstellerin, auch die Jungs sehen völlig normal aus, weder abgemagert noch auftrainiert. Auch die älteren Serienfiguren sehen angenehm ungebotoxt aus. Viele Szenen spielen in der Küche des Sommerhauses, auch dieses Haus ist nicht überstylt oder Ton in Ton- man bekommt plötzlich wieder richtig Lust auf Farbe. Es duftet regelrecht nach Muffins und Pan Cakes in Mickey Maus-Form. Manchmal liegt sogar etwas herum oder man mixt in alten Mixern. Besonders schmunzeln muss ich, als ich im Kinderzimmer des großen Bruders der Hauptdarstellerin das Kinoposter von „Ten things I hate about you“ erspähe. Ist diese Serie eigentlich für Teenager? Das ist sie ohne Frage, aber nicht ohne Grund gucken sehr viele erwachsene Frauen diese Liebesdreieckgeschichte mehr als gern. Vermutlich, weil sie eintauchen. In eine Welt, der sie längst entstiegen sind. Aber was spricht gegen einen Ausflug? Schließlich haben wir jetzt richtige Probleme: Die alternden oder kranken Eltern, die Schulprobleme der Kinder, deren Hormone und die eigenen, der Haushalt, der Ehegatte, das Finanzamt. Irgendwer nervt immer und will bespaßt, erzogen, gemanagt oder bezahlt werden. Da kommen doch ein paar Kindheits- und Jugendgefühle genau richtig.

Ich erinnere mich genau daran, wie es war: Ich musste nur auf die Straße gehen und war mehrfach verliebt. Jeder Abend war eine Verheißung und konnte alles ändern. Die Unbeschwertheit erfüllt einen bis in die letzte Pore- es gab ja sonst kaum Verpflichtungen. Und die erste Liebe, die einen so völlig aus der Bahn wirft, ein Traum. Denn Wäsche hat ja Mama gewaschen. Meine erste große Liebe war ohne Hin- und Her, gipfelte aber auch mit Verlobung und zerbrach dann an einem englischen Internat, weshalb ich spontan zum Schüleraustausch nach Frankreich ging. Und das Drama tat weh, aber auch so gut. Denn als Teenie gilt ja: Besser ein Drama als kein Drama. Und es gab auch in Frankreich gute Jungs. Aber natürlich ist die erste Liebe unantastbar. Ich habe heute noch eine Kiste im Keller- unter uns.

Diese Gedanken, warum wir Teenieserien durchsuchten, ließen mich nicht mehr los. Also recherchierte ich ein bisschen, was das alles mit uns macht: Laut Psychologen passiert das beim Glotzen: Shows wie TSITP (super Abkürzung) aktivieren unser Bindungssystem, weil sie uns erinnern, wie es sich anfühlt, das erste Mal bedingungslos geliebt zu werden. Hallo Nostalgie! Oder der Plot fungiert als Projektionsfläche für alles, was wir selbst gerne erlebt hätten. Und süchtig werden wir danach, weil es ein selektives Erinnern daran ist, wie es sich anfühlt, wenn die Gefühle Samba tanzen und es aber sein darf, sogar sein soll, weil es niemanden stört. Ich saß jetzt nicht seufzend davor, aber ich musste schon an diese Leichtigkeit denken, die ich mit 16 natürlich gar nicht so empfunden hatte. Welch Paradoxon! Aber es erklärt, warum so viele Millennial-Frauen (nämlich 40 %- Teenies sind nur 20 %! ) die Serie suchten. Das sind übrigens Frauen von 25-34 oder 25-54, definiert jede Quelle anders! Tja, die Teenies der 90er, die mit Beverly Hills 90210, OC California und Dawson´s Creek groß geworden sind, kommen jetzt halt nochmal aus den Kulissen geschlichen. Aber genug der Analyse! Mein Tipp: Für ein bisschen Spätsommerfeeling- einfach mal reinschauen und sich anfixen lassen!   

Sujet MINDSET & PERSPEKTIVE

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