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Wie wir zwischen Gurken, Wellness und Luttken den perfekten Familienurlaub machen

Mit Kindern in den Urlaub zu fahren, ist nicht einfach, wenn du selbst auch Urlaub haben möchtest. Hinzu kommt der ganze Stress mit buchen, packen und gegebenenfalls Herzrasen zum Flughafen hetzen. Außerdem möchte man es ja auch schön haben und nicht noch erschöpfter durch Daueranimation und Reiz-Overload wieder heimkehren. In dem Artikel verrate ich Dir den Ort, an dem mein Mann und ich mit kleinen Kindern am besten entspannen konnten- seit wir Eltern sind.

Der Ort, an dem ich als Mama das erste Mal Urlaub machte, von dem sie auch etwas hatte.

Das Problem am Urlaub mit kleineren Kindern ist ja: Man hätte auch gerne welchen. Aus wie vielen Urlauben sind wir schon nach Hause gekommen und haben gedacht: Jetzt nochmal Urlaub vom Urlaub und man wäre erholt? Deshalb bin ich immer sehr zögerlich, wenn es ums Buchen geht. Der Horror, in ein Hotel zu kommen, was nicht hält, was es verspricht, und dafür auch noch den ganzen Pack, Termin- und Flugstress im Gepäck zu haben, ist für mich eine der größten Unerträglichkeiten. Oder wie mein Mann immer sagt: „Wir wohnen ja schon schön, im Urlaub möchte ich ja kein Level drunter.“ Er ist Architekt, da ist das verständlich. Und ich bin leider auch so. Kurzum: Wir sind nicht ganz so einfach, denn wir brauchen es mindestens schön und mein Mann seine Wasserfalldusche.

 Jetzt gibt es für Kinder ja sehr viele Angebote. Nur die muss man auch mögen. Einmal haben wir uns zu einem Cluburlaub hinreißen lassen mit sehr viel Bespaßungsmöglichkeiten. Am Ende saßen wir immer daneben: Beim Seidenmalen, im Klettergarten, in der Kinderdisco. Gut, wir sind immerhin mitgeritten, weil wir das alle können, aber das auch eher semi-freiwillig. Überall waren bunte Wände, bunte Buffetts, bunte Tiere- und ganz viel Animation. Meine große Tochter, heute 15, damals 6, erinnert sich immer noch gerne daran- ich nicht. So einen Urlaub wollte ich nie wieder ertragen und schon gar nicht bezahlen müssen. Und warum müssen in Hotels, die sich als kinderfreundlich verkaufen, immer überall Farben wie orange und uringelb dominieren? Warum muss man da nur Mutti und Vati sein und vergisst sich bitte als Mensch und Paar total? Frage für einen Freund.

 Aber zurück zum Urlaubsdruck. Man muss ja auch mal raus. Und so buchten wir eines schönen Urlaubstages mutig unser Lieblingswellnesshotel, in das wir schon als kinderloses Paar immer gefahren sind: Die Bleiche im Spreewald. Da es dort zu dem Zeitpunkt extra ein Kinderpoolhaus gebaut worden war, waren wir uns auch sicher, dass Kinder dort offiziell willkommen waren. Nur eben nicht als Erlebnisnabel der Welt, sondern als kleine Miturlauber. Normalität halt statt entengelbem Dauerpodest mit Schlumpf-Drink!

Und was soll ich sagen? Es wurde der beste Urlaub seit Jahren, und wir fahren seitdem mindestens einmal im Jahr hin. Warum? Weil einfach alles passte: Im Kinderpool fanden unsere kleinen Mäuse sofort Anschluss an andere Kinder, mit denen sie dann auch den Außenpool unsicher machten. Zusätzlich gab es etwas Entertainment-Programm, aber nur wenn man denn Lust hatte, einfach morgens serviert als Vorschlag in der Hauspost. Ohne Animateur. Unaufdringlich. An Ostern war es Eiermalen im Look der Luttkis, das sind Eier mit sorbischer Wachsreservetechnik gekratzt, extrem süß und kurz vor Mandalas-Malen im Zen-Bereich. Im Sommer gab es Kräuterkunde, Basteln und ein Barmixkurs mit Säften (Gott, fanden die kleinen Barkeeper sich cool!).  Ansonsten haben wir gechillt, im Pool, am Pool und wieder im Pool. Gelesen. Familienfilme geguckt. Es war einfach Urlaub wie im Bilderbuch. Bullerbüh-Feeling nach Spreewaldtradition. Das lag vermutlich auch daran, dass wir einfach mal gar keinen Stress hatten: Wir konnten schlafen, solange wir wollten, denn Frühstück gab es den ganzen Tag. Am Pool gab es immer Kuchen und Suppe, Wasser, Säfte und Kaffee. Das machte es einfach, denn wer nicht genug gefrühstückt hatte, konnte am Pool ein bisschen nachlegen. Wetter ist dort übrigens immer super und 10 Grad wärmer als im Norden.

Das endlose Baden war sowieso das Allerschönste für die Kinder, ewig wurde geschwommen und getaucht und das Wetter war so fantastisch, als wären wir auf den Kanaren. Dann lieber Gurken und Luttken statt Sangria, war mein zufriedenes Fazit, während ein paar selbstgefällige Enten im nicht überchlorten Pool mitschwammen. Ich sehe immer noch Sophia auf ihrer Luftmatratze übers Wasser schippern. Schwimmflügel rechts, Schwimmflügel links, Taucherbrille auf dem Kopf, eine sanfte Brise kräuselt das Wasser und ihr breites Grinsen verrät noch, dass sie gerade einen Kirsch-Apfelsaft getrunken hat. Irgendwann waren die Hände dann schrumpelig, wie bei einer Hundertjährigen, und wir mussten nur noch ein bisschen Haarewaschen, um zum Abendessen zu gehen.

Auch das war clever gemacht: Für die Kinder gab es ein immer warmes Kinderbuffett mit allem, was die kleinen Gäste gerne essen. So konnten sie sofort essen, ohne zu Monstern zu mutieren, und danach Gemälde malen, bis das Dessert kam. Für uns gab es ein Menü, aber auch eine Käse- und Wurstkammer und ein Salatbuffett, das so leckere Sachen offerierte wie überbackenen Gorgonzola und Camembert mit Champignons, bayerische Schwammerlsuppe oder Obatz´n mit Spreewaldgurken. Ja, mein Mann und ich mögen sowas, aber für den feinen Gaumen gab es auch Rinderfilet, Tafelspitz und Forelle in feinen Schäumen. Besonders glücklich machten uns auch die ganzen Lein- und Schwarzkümmelöle, die wir gleich als „amuse gueule“ runterkippten. (Über die Vorzüge von Schwarzkümmelöl hatte ich ja neulich hier schon geschrieben.) Generell muss man sagen: Ich war selten so entspannt und auch bauchwehfrei. Gesundes Essen, keine Quengelei, kein endloses Warten und auch kein böser Blick, wenn mal eine Gabel unter den Tisch fiel. Abends durchstreiften wir die Gärten, hielten kurze Inne an der Fontaine des Bootsanlegers, gingen schaukeln oder guckten eingekuschelt einen Film.

 Zum Look für Designfans: Die Zimmer in der Bleiche haben ihren ganz eigenen. Ein bisschen bayrisches Landhaus meets Spreewald-Idylle in luxuriös. Erdtöne. Edle Möbel. Große Lampen. Schwere Sofas. Viel Holz, viel Leinen und Details, die scheinbar eine Geschichte erzählen. Immer gemütlich, immer stilvoll. Man könnte auch barfuß und ungeschminkt an der Rezeption vorbeilaufen, aber gleichzeitig Champagner kredenzt bekommen. Man ist einfach entspannt. Manchmal bröckelt es auch ein bisschen, wenn man ein nicht ganz neues Zimmer bekommen hat oder wieder umgebaut wird. Ich habe auch schon Freunde schimpfen gehört, die finden, es darf kein Putz bröckeln und es gehört alles schneller renoviert, aber tatsächlich wird ständig renoviert. Es ist immer etwas Neues am Entstehen. Fragt meinen Architektenmann, der immer ganz begeistert alles inspiziert. Mir gefällt der Stil so gut, dass es mir egal ist, wenn plötzlich mal eine Wand mit Klebeband zugetackert ist. Ich fühle mich wohl, ich könnte jeden Sessel einpacken und in unser Wohnzimmer stellen und allein der Duft, der durchs ganze Haus strömt, reicht mir vollkommen, um bei mir selbst anzukommen. Alle sind versorgt, alle sind glücklich, dann bin ich es auch. Einziger Wehmutstropfen: Für die Saunalandschaft hatten wir in den letzten Jahren leider nicht so viel Zeit übrig, sogar im Zimmer mit eigener Sauna haben wir nur einen Saunagang hinbekommen. Aber wenn die Mäuse größer sind, schauen wir bestimmt mal in der Holz,-oder Salzsauna, im Steam Bath, im Türkischen Hamam, in der Russischen Banja, in der Kräuterkammer oder im Japanischen Luftsprudelbecken vorbei.

 Mein bester Moment war übrigens an einem Apriltag, wir kamen gerade aus den Bergen und mein Mann schlug noch drei Tage Bleiche als Ausklang vor. Ich fand das erst übertrieben, ließ mich dann aber doch überzeugen. Und so schön die vorangegangen Tage auch gewesen waren, als ich die Kinder im Pool spielen sah, hatte ich nochmal mehr das Gefühl, wirklich entspannen und loslassen zu können. Vermutlich weil wir alles kannten, uns nicht neu orientieren mussten und genau wussten, worauf wir uns freuten. Denn das Unbekannte kann mit kleineren Kindern stressig sein, manchmal auch unbewußt. Womit ich wieder bei meiner Eingangsfeststellung bin: Das Problem am Urlaub mit kleinen Kindern ist ja: Man hätte auch gerne welchen. Ob du das schaffst oder nicht, hat ganz viel mit deinem Urlaubsort zu tun. Mein bester Ort war bisher dieser hier.   

https://www.bleiche.de (Das ist kein Affilliate/Werbepartner Link) (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

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