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DAS BÖSE TRÄGT PINK

FILM-KRITIK (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Die gute Nachricht zu WICKED: FOR GOOD lautet, dass der von Jon M. Chu inszenierte Film weit weniger schlecht ist, als der erste Teil. Die weniger gute: Schlimm ist er immer noch. Vor allem, wenn wir merken, wie unnötig der erste WICKED war, wird er doch im finalen Film immer wieder erklärt. Da wir schon reichlich Zeit im Kinosaal und aus Gründen der Vollständigkeit nochmals mit dem Soundtrack verbracht haben, bemühen wir uns nun mal um einen Quick-Rant. (Ein Rage-Quickie in der Hexenkiste kann ja auch ganz fein sein (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), nicht wahr, Fiyero?!)

L to R: Cynthia Erivo is Elphaba and Jonathan Bailey is Fiyero in WICKED FOR GOOD, directed by Jon M. Chu.
© Universal Studios. All Rights Reserved.
Beinahe alles Schlecht hat was Gutes: Cynthia Erivo als Elphaba und Sexiest Man Alive 2025, Jonathan Bailey, als Fiyero in WICKED: FOR GOOD // © Universal Studios. All Rights Reserved.

Zunächst einmal: Cynthia Erivo, Michelle Yeoh und Jonathan Bailey sind solide und prägen die stärkeren Momente des Films. Weshalb es bedauerlich ist, dass vor allem Yeohs komplexe Figur Madame Akaber / Morrible kaum und wenn dann vor allem im Reich-&-Schön-Style erzählt wird. Dafür der Fokus vor allem auf den vermeintlichen „Gewissensbissen“ G(a)lindas liegt, die so mit zu den enervierendsten und unterkomplexesten Figuren (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) der Film-/Serien-/Reality-/Musical-/Buch-/Was-Auch-Immer-Geschichte zählen dürfte.

Ebenso zu den wirklich, wirklich schlechtesten und schlimmsten, innerlich hässlichsten, unfassbar soziopathischen fiktiven Figuren, die ich SLASH wir je erlebt haben. Dagegen sind doch alle MONSTER und Ratched American Horror Stories eines Ryan Murphys und Co. beinahe nur eigenwillige Eigenbrötler mit Hang zu Blut (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Herrje, Scandals Rowan „Papa“ Pope wirkt wie ein Heiliger im Vergleich zu der Fake-Witch in Pink.

Michelle Yeoh steht als Madame Morrible für gute Pressearbeit in WICKED: FOR GOOD // © Universal Studios. All Rights Reserved.
Michelle Yeoh steht als Madame Morrible / Akaber für gute Pressearbeit in WICKED: FOR GOOD // © Universal Studios. All Rights Reserved.

Nun ist die Frage, was die Musical-Schöpferinnen und Drehbuchautorinnen der WICKED-Filme Winnie Holzman und Dana Fox uns mit dem sehr sortierten und unglaublich empathischen Statement von Erivos Elphaba, dass die Leute eben das Böse brauchen, um an das Gute zu glauben, so vermitteln wollen. Oder anders: Die Message ist klar. Doch warum nur, in drei Hexenkessels Namen, steht die eben nicht so Wicked Witch of the West für diese Typen ein? Die haben sie vertrieben, die sprechenden Tiere eingesperrt und verbannt, waren für Sklavenarbeit, sind allzu leicht auf Propaganda reingefallen und erweisen sich als rassistisch, xenophob, sexistisch und prinzipiell ein wenig blöde sowie egoistisch und frei von der Gefahr zur Selbstreflexion.

https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/a7b6e080-fcb0-4f4c-8b77-d5c7a18e535a (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Da wünschen wir uns doch, dass Elphaba mal voll in den Cersei-Modus schaltet und einfach mal diese ganze Yellow Brick Road-Show niedermacht (nach „No Good Deed“ wäre ein toller Moment dafür gewesen). Aber nee: Stattdessen steht sie bis zum Ende irgendwie hinter Glinda, die zunächst willfährige Helferin und letztlich gar Teil-Vollstreckerin vieler fataler „Urteile“ ist. Und nicht zuletzt direkt oder indirekt an Verfolgung und Verschleppung, Folter und (versuchter) Ermordung diverser Unschuldiger und Elphaba nahestender respektive von ihr geliebter Charaktere ist.

Ariana Grande überlegt als Glinda in WICKED: FOR GOOD, ob sie singen sollte... // © Universal Studios. All Rights Reserved.
Ariana Grande überlegt als Glinda in WICKED: FOR GOOD, ob sie singen sollte... // © Universal Studios. All Rights Reserved.

Dann trällert sie mit „I'm Not That Girl“ noch davon, dass sie irgendwie was dazu gelernt hätte und eigentlich gar keine so schlechte Despotin sei, einfach weil... Ja, warum und wie und wann? Weil sie es – dank Elphaba – geschafft hat, ihre größten Konkurent*innen in diesem Game of Lies auszuschalten? Bitch, please! Das geht echt unter keine Fake-Flug-Bubble (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), Leute! Was ist also die Message des sich viel zu ernst nehmenden WICKED: FOR GOOD? (Eine Szene, in der es mal ein wenig augenzwinkernd wird und mensch hofft, der Film erkenne seine bräsige Absurdität und vergiftete Good-Message an, verpufft im nächsten verachtenswerten Handlungsmoment.)

Mach kaputt, was dich kaputt macht? Leider nein... Cynthia Erivo als Elphaba in WICKED: FOR GOOD // © Universal Studios. All Rights Reserved.
Mach kaputt, was dich kaputt macht? Leider nein... Cynthia Erivo als Elphaba in WICKED: FOR GOOD // © Universal Studios. All Rights Reserved.

Nun: Hintergehe einfach alle deine Freund*innen, weil du weniger talentiert bist als sie, nicht den Mann bekommst, den du willst und deine Lebenslügen aufzufliegen drohen. Sorge dann dafür, dass du für die rechtmäßige Herrschafts-Erbin in einer Welt ohne Primo- oder Ultimogenitur gehalten wirst und regiere mit Legenden und Lügen(den).

Liebe die Lüge: Ariana Grande als Glinda in WICKED: FOR GOOD // © Universal Studios. All Rights Reserved.
Liebe die Lüge: Ariana Grande als Glinda in WICKED: FOR GOOD // © Universal Studios. All Rights Reserved.

Zwar heißt es, dass es in der Wicked-Story darum gehe, Unterschiede nicht nur anzuerkennen, sondern zu respektieren, Liebe über Hass und Freundschaft über Neid zu stellen. Et cetera pp. Doch wo bleibt all das bitte? Die Vertriebene und „Andersartige“ (und einzig Talentierte) bleibt die Böse, die Außenseiter*innen und Verscheuchten kommen zurück ohne Entschädigung oder Entschuldigung und die privilegierte, egomanische „Hexe“ bekommt alles, was sie will, nachdem sie Chaos und Tod begleitet wie ausgelöst hat. Gerade weil Neid und Missgunst sowie irrationale Anspruchshaltung und Selbstgerechtigkeit (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ihr mehr gelten als Empathie und Ethik, Werte und Moral...

Verachtet, vertrieben und weggesperrt: Elphaba (Cynthia Erivo) & Friends in WICKED: FOR GOOD // © Universal Studios. All Rights Reserved.
Verachtet, vertrieben und weggesperrt: Elphaba (Cynthia Erivo) & Friends in WICKED: FOR GOOD // © Universal Studios. All Rights Reserved.

Nee, #sorrybutnotsorry: Ähnlich wie Boys will be Boys dürfte die Message bei WICKED wohl lauten: Mean Girls will be Mean Girls. (Bei Gabby’s Dollhouse gibt es mehr Charakterentwicklung! (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)) Von diesem Ärgernis ohne Werte lenken auch fröhlich mitsingende Fans des Musicals sowie die gute Optik und die immerhin besseren Songs im Vergleich zum ersten Film nicht ab. (Jedenfalls im englischsprachigen Film. Es hilft allerdings erneut nicht, dass Ariana Grande-Butera weder spielen noch wirklich singen kann. Als würden wir vom Glee-Fan-Chor angeschrien werden, schrieb ein Freund zum ersten Teil.)

https://www.youtube.com/watch?v=vt98AlBDI9Y (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Aus tragischen Gründen ist WICKED: FOR GOOD nach Keeper unsere zweite Empfehlung zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Die Gewalt, die hier von Madame Akaber / Morrible und auf viel mehr Ebenen von G(a)linda nicht nur aber auch gegen Frauen - und vor allem gegen diese eine Grüne (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), die ihr vermeintlich am Nächsten steht - ausgeht, ist erschreckend. The Girl in the Bubble couldn’t be happier…

AS

PS: Besonderer Witz: Die Promo-Show Wicked: One Wonderful Night sollte auch in Israel gezeigt werden. Als dies bekannt wurde, protestierten einige Fans und riefen zu Boykotten von Film und Co. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), den Anbietern, die die Show ausstrahlen würden, sowie erneut natürlich der gesamten israelischen Film- und Fernsehindustrie usw. usf. auf. Da es im Grunde eben doch um eine Nummer geht, in der eine aufgrund ihrer Hautfarbe und besonderen Talente Ausgestoßene für Gerechtigkeit und Miteinander sowie gegen Intoleranz und Rassismus kämpft, entbehrt das nicht einer gewissen Ironie, meint nicht nur die Jerusalem Post (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Diese „israelkritischen“ und zumindest teils antisemitischen Protestierenden (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) scheinen mir wie die oben beschriebenen Bewohner*innen Emerald Citys zu sein...

PPS: Die queere Repräsentation vor und hinter der Kamera begrüßen wir natürlich dennoch ausdrücklich…

PPPS: Wir werden unsere queer review zum ersten Teil in Kürze aktualisiert veröffentlichen.

IN EIGENER SACHE: Da unser reguläres Online-Magazin noch immer nicht wieder am Start ist, veröffentlichen wir vorerst hier. Mehr dazu lest ihr in unserem Instagram-Post (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder auf Facebook (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Außerdem freuen wir uns immer, wenn ihr uns einen Kaffee spendieren wollt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder uns direkt via PayPal (Mail: info_at_thelittlequeerreview.de) unterstützen mögt.

WICKED: FOR GOOD / WICKED: TEIL 2 ist seit dem 20. November im Kino zu sehen.

https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/c3a44233-3f9c-4120-82b7-02b5e82a4ebf (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
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