FILM-&-TV-KRITIK (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
„Homo homini lupus. - Der Mensch ist des Menschen Wolf.“
Zugeschrieben wird diese Sentenz dem römischen Comedian (😉) Plautus, ausnahmsweise mal kein Älterer oder Jüngerer, und seinem Stück Asinaria. Größere Bekanntheit erlangte der Spruch durch den Thomas Piketty (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) seiner Zeit, den englischen Philosophen Thomas Hobbes (1588–1679), der es in seinen Werken De Cive sowie dem weitverbreiteten Leviathan nutzte. Im Zweifel kennt ihr es aber einfach aus einer Serie oder von Papa, Opa, der Tante, etc. wenn sie sich einmal tiefsinnig geben wollen, nach ein wenig zu viel und zu süßem Riesling in der Sonne.

Da der Mensch aber ungern zugibt, dass er ein gar garstiges Biest mit kalten Klauen und bösem Biss ist, muss immer wieder der Wolf als Monster herhalten. Im Bundestag wurde vor gut einem Monat darüber debattiert (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), dass und wie der Wolf künftig wieder bejagt werden könne (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) – wir haben das auf unsere Art hier aufgegriffen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). In Buch und Film, Doku und Serie ist der Wolf immer wieder Thema und nicht selten der Mensch das Monster. Homo homini lupus.

So auch im Auftakt der neuen ZDF-Servus-TV-Koproduktion Der Garmisch Krimi – Wolfsmord mit Lavinia Wilson als desillusionierter Ex-Polizistin Ira Zach und Philine Schmölzer als deren ambitionierter Nachfolgerin und Daphne Meindl in den Hauptrollen: Ein abgetrennter Wolfskopf wird per Post an den Naturschützer Fabian Pongratz (Ben Münchow) geschickt. Eine Morddrohung? Davon müssen die Ermittler*innen in Garmisch spätestens ausgehen, als die Leiche des Mannes gefunden wird.

Zwischen Bauern, Aktivisten und Politik brodelt ein Konflikt, dem Daphne Meindl auf den Grund gehen möchte. Neu im Amt, stößt sie schnell auf Widerstand im Kommissariat und auf ihre Vorgängerin Ira, die mittlerweile im Team Gartenteich des örtlichen Baumarkts arbeitet. Hat der Absender des Wolfskopfs auch den engagierten Naturschützer auf dem Gewissen? Die beiden gehen unkonventionelle Wege und bilden bei aller Unterschiedlichkeit ein erstaunlich gutes Team
Das Drehbuch des TV-Krimis (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Leona Stahlmann und Niklas Hoffmann ist nicht vor manch Klischee gefeit (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Dann wiederum muss wohl gesagt werden, dass Mensch und Wolf insofern eh Klischee sind, da die Debatten um diese Problematik immer recht ähnlich verlaufen. (Wie wir zuletzt auch im Berliner Tatort: Gefahrengebiet sehen konnten, der neben ein wenig Klischee (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und Waldwanderung (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), schwulem Sex & Preppertum (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und dem Abschied Corinna Harfouch (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)s nicht viel zu erzählen hatte.)
https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/008bf8b9-f6d3-4d24-8b86-814683bde71f (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)So kocht der Konflikt hier zwar einigermaßen erwartbar hoch, ist allerdings dank der Inszenierung Saralisa Volms und zweier gut aufgelegter Haupt- sowie motivierter Nebendarsteller*innen durchaus sehenswert und teils gar schneidig. Dazu gibt es solide Bildmotive (Kamera: Roland Stuprich). Natürlich inklusive des typischen Mensch-Tier-Anstarrens (wie auch im Tatort...).

Dafür liegt das eigentliche Drama und/oder Grauen von Wolfsmord, der seit heute auf ZDF verfügbar ist und am kommenden Samstag linear um 20:15 Uhr ausgestrahlt wird, näher am eigenen Zuhause als zunächst gedacht. Was natürlich nicht bedeutet, dass es nicht diverse arge Verstrickungen im österreichisch-bayrischen Filz gibt. Sollte die Reihe um Meindl und Zach fortgesetzt werden, sind wir gern am Start. Erst recht, wenn Wilson weiter die Magnum-Bierdosen süffeln darf.
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Nah am Heim bleibt auch die Home-Invasion-Horror-Comedy Coyotes von Colin Minihan (fünfzig Prozent der The Vicious Brothers) mit dem Real-Life-Ehepaar Kate Bosworth und Justin Long in den Hauptrollen, die seit wenigen Tagen fürs Home Entertainment erhältlich ist. Verheiratet sind sie als Liv und Scott auch im Drehbuch von Tad Daggerhart und Nick Simon, haben eine pubertierende Tochter namens Chloe (Mila Harris), einen Hund und ein riesen Rattenproblem. Dieses zu lösen ist ein heldenhafter Kammerjäger (Keir O'Donnell) angetreten, der auch auf das Grundstück des Weirdo-Nachbarn Trip (stark: Norbert Leo Butz) schaut. Was noch keine*r ahnt: Neben einem großen Sturm zieht auch ein wütend-wildes Rudel Kojoten durch die Hollywood Hills und ist bereit zu reißen und zu fressen.

Leider schöpfen die Coyotes ihr satirisches Potenzial, das vor allem zum Start mit Katherine McNamara als Influencerin, mit Einführung der Sexarbeiterin und Verschwörungsmystikerin Julie (besser als jeder Naidoo: Brittany Allen) und zum Ende deutlich durchbleckt, nie ganz aus. Dabei hätten verwöhnte, reiche Leute, denen die Zivilisation um die Ohren fliegt, durchaus etwas für sich gehabt. Es muss ja nicht gleich Triangle of Sadness sein, aber da bietet aktuell die neue Disney+-Serie The Beauty mehr spiegelnden Spaß bei gleichwohl höherem Blutgehalt (queer review folgt).
https://www.youtube.com/watch?v=1c7sZrBDLvk (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Das ist leider das nächste Manko im ansonsten stimmungsvollen und gut aussehenden Film: Zwar gibt es manch recht kreative Art des Sterbens, ähnlich wie auch die Kojoten einfallsreich sind, doch viel zu sehen bekommen wir nicht. Ob es wohl am Budget lag? An der Sorge vor der Altersfreigabe wohl kaum, dafür sind manche kurze Momente doch zu brutal.

Ein wenig Horror, etwas Blut und Gedärm und ein bisschen Humor des Absurden (nicht ganz à la Karl Valentin, eher à la Henry Hoke und dessen famosen Buch Ganz wie ein Mensch) finden sich also in diesem Film-Fressnapf. Unterm Strich bleibt eine nette Nummer, die ihre comichaften Momente am Ende noch halbgar erläutert und dank einigen Charmes all die Logiklücken und Dummheiten schnell vergessen lässt. (Wieso haben die alle keine Panic Rooms?)
AS [mit Material von ZDF]
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