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Angriff der Riesenbiber!

Logo »TITANIC-Wochenrückblick. Der endgültige Newsletter«

Liebe Leser*innen,

Sie haben es bestimmt bereits den zahlreichen Berichten entnommen und freuen sich vielleicht selbst schon auf Ihren Besuch dieses Wochenende: In Aachen findet wieder der Trödelmarkt an der Eissporthalle statt. Dort können Sie kaputte Lampen, ungetragene Babyschuhe (im Angebot) und abgegrabbelte Lustige Taschenbücher erwerben, wenn Sie das nötige Kleingeld mitbringen (1 bis 5 Euro in bar). Alle, die gern Lustige Taschenbücher lesen, es aber dieses Wochenende leider nicht nach Aachen schaffen, können immerhin die Frankfurter Buchmesse besuchen. Der Wochenrückblick weiß alles, was Sie über das zweitwichtigste Event am dritten Wochenende im Oktober wissen müssen:

Weniger bekannte Fakten zur Frankfurter Buchmesse

Nachdem Stände mit Würsten und Wein jahrelang das Bild in den Ausstellungshallen dominierten, geht der Trend auf der Frankfurter Buchmesse 2025 für alle überraschend zurück zum Buch. Na ja, Buch … zu Young Adult halt.

Die Frankfurter Buchmesse ist der größte offene Bücherschrank der Welt. Jeder darf kostenlos so viele Bücher mitnehmen, wie unter den Mantel passen, und selbstverständlich auch eigene von zu Hause dazustellen, z. B. Meyers großes Konversationslexikon von 1985 in 48, halt, 47 Bänden (Be–Ca fehlt).

Junge Leute zwischen 14 und 25 sind für die Verlage die mit Abstand interessanteste Besuchergruppe. Beide fragen sich gleichermaßen: Wer sind die? Was wollen die hier?

Im Laufe der Messe wird an nicht wenigen Ständen die eine oder andere Flasche Alkohol verkasematuckelt.

Bis zum Jahr 2030 soll die Buchmesse fast vollständig digital stattfinden, der Messeraum auf die Größe eines historischen Postkastens schrumpfen (kleinster offener Bücherschrank der Welt).

95 Prozent der auf der Messe präsentierten Neuerscheinungen werden von weniger als einer Person gelesen; bei der Hälfte der Bücher kommt nie jemand über den Titel hinaus (nicht einmal der/die Autor*in).

Künstliche Intelligenz ist der absolute Megatrend auf dem Buchmarkt und wurde bei der Erstellung zahlreicher Bücher bereits eingesetzt. Beispielsweise heißt der Esel in  der neuesten Auflage von »Pu der Bär« jetzt »AI«.

Morgen (oder falls Sie diesen Newsletter am Wochenende lesen: heute beziehungsweise gestern) wurden in Frankfurt auch die TikTok Book Awards vergeben. Doch durch die folgende Liste wissen Sie schon heute beziehungsweise jetzt gleich, welche Trends gerade die erfolgreichsten sind:

BookTok-Trope-Trends

Die sechs neuesten Tropes, die aktuell unter #BookTok trenden:

  1. Enemies to Couple, Married for 30 Years, and Now Enemies Again

  2. Damsel in the Disco

  3. Best Friend’s Brother’s Second Cousin’s Cousin

  4. Grumpy and Grumpy (Viennese Edition)

  5. Forbidden Dark Fated Hand Holding

  6. Home Office Romance und in der Folge: Slow Burn Out

(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Die Schwedische Akademie hat bereits um eine Verlegung der TikTok Book Awards-Preisverleihung gebeten, da diese gerade mal anderthalb Wochen nach der Verkündung des Literaturnobelpreisträgers stattfinden wird und damit »unnötig Aufmerksamkeit von uns wegzieht« (O-Ton Nobelkomitee Literatur).

Dass die Vergabe der TikTok Awards ja noch näher an der Verkündung des Friedensnobelpreisträgers liegt, ist laut Schwedischer Akademie allerdings egal, weil »die Arschlöcher vom Friedensnobelkomitee auch Aufmerksamkeit von uns wegziehen, geschieht ihnen also recht«. Über den mutmaßlichen Spionagefall wird in der Schwedischen Akademie deshalb auch still gefeixt:

Auf den Frieden wetten

Bei einem Wettanbieter wurden kurz vor der Bekanntgabe von María Corina Machado als diesjährige Friedensnobelpreisträgerin verdächtig hohe Summen auf ihren Sieg gesetzt. Der Direktor des Nobelinstituts geht von Spionage aus. Aber warum so kompliziert? Diese Wetten zum Friedensnobelpreis gewinnen immer:

  • Der Gewinner entpuppt sich als Menschenfeind, Mörder oder Kriegstreiber

  • Den Preis hätte wer anders viel mehr verdient

  • Donald Trump beklagt sich, dass er nicht gewonnen hat

  • Markus Söder beklagt sich, dass er nicht gewonnen hat

  • Ein drolliger Norweger vergibt den Preis

  • Bei der Verleihung gibt es Täubchen mit Preiselbeeren

  • Die Party nach der Verleihung bleibt alles andere als friedlich

(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Die dänische Regierung ärgert sich indes, dass Norwegen mit seiner Nobelpreisverkünderei »unnötig Aufmerksamkeit von uns wegzieht«, und richtet sich deshalb mit Appellen an ihre Bevölkerung, um auch mal wieder in die Nachrichten zu kommen:

Nur Bares ist Wahres

Die dänische Nationalbank hat ihren Bürgern empfohlen, wieder einen Bargeldvorrat anzulegen und eine bestimmte Summe zu Hause zu lagern. Folgende Vorschläge wurden den Skandinaviern noch ans Herz gelegt:

  • EC-Karte und PIN nicht im Portemonnaie vergessen, sondern gut sichtbar vor der Eingangstür platzieren

  • Silberbesteck offen auf die Veranda legen

  • Wertsachen wie Schmuck und Erbstücke (Nazigold) aus dem Tresor holen und geschmackvoll auf dem Wohnzimmertisch drapieren

  • Den Kindern zur einfachen Entführung schon mal einen Rucksack mit Klamotten für fünf Tage packen und etwas zum Lesen rauslegen

  • Eine Komoot-Wanderroute mit einfachen, aber doch spaßigen Etappen bis zum Eigenheim und allen Bargeldlagern anlegen

  • Auch an die Fluchtroute denken!

Expert*innen hoffen, dass weder Dänemark noch die Schwedische Akademie von dem neuen Megastaudamm in Äthiopien erfahren und dann befinden, dass dieser zu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sonst könnte es Berechnungen zufolge zu Szenen wie dieser kommen:

Gezeichneter Cartoon: Ein riesiger Biber zerstört eine Stadt, gerade wirft er ein Hochhaus um, alles steht in Flammen. Eine Gruppe betrachtet das Debakel, eine Person sagt: "Einen Riesenbiber erschaffen für einen Riesenstaudamm?! Wessen Idee war das?"

Sie haben nach dem ganzen Gerede über Literaturnobelpreise, Buchmessen und Book Awards richtig Appetit bekommen, etwas zu schmökern? Unser Kolumnist Torsten Gaitzsch empfiehlt Ihnen »Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse«:

Torsten Gaitzsch trinkt eine Tasse Kaffee und schaut in die Kamera

Heute: Vom Drehen und Rollen

Zu den Dönergedanken der vergangenen Woche schreibt mir Newsletterleser Maurice W.: »Die leider häufig anzutreffende Bezeichnung ›Drehspieß‹ ist in der Tat ein eindeutiger Indikator für ein Produkt, das sich lebensmittelrechtlich nicht ›Döner Kebab‹ nennen darf. Meist, weil kaum Fleischstücke enthalten sind – es handelt sich de facto um eine große Wurst in Dönerspieß-Form. Daher wäre auch die Bezeichnung ›Drehfleisch‹ unangemessen. Empfehlung: Meiden.

Den Döner als authentisch deutsches Gericht anzuerkennen ist nicht auf französische Ferienorte beschränkt. Die internationale Restaurantkette mit dem schlichten Namen ›German Doner Kebab‹ wächst rasant und ist vor allem im Vereinigten Königreich mittlerweile allgegenwärtig.«

Und Sebastian S. aus Bremen informiert: »Hier heißt der Döner jetzt Sandwich. Gerade erst wurde ein EU-Streit beigelegt, was alles Döner heißen darf. Vielleicht wird das also auch wieder, haha, zurückgedreht.«

Danke für die Hinweise! Einzugehen wäre eventuell noch auf die kanadische Variante Donair, aber es warten noch andere Themen darauf, behandelt zu werden. Zum Beispiel das Döner-Logo. Damit gemeint ist der lachende Dönermann mit Kochmütze und Schnurrbart, der einen Kebabspieß anschneidet und sich als Zeichnung auf fast jeder Dönerpapierumwicklung findet. Der Urheber des Bildes, das dem inflationären Gebrauch des Wortes zum Trotz als ikonisch bezeichnet werden darf, wurde nach dreijähriger Recherche kürzlich ausfindig gemacht, es ist der Düsseldorfer Grafiker Mehmet Unay. Pikant: Das Logo ist die Abwandlung einer früheren Grafik, in welcher der Koch statt Dönerspieß und -messer einen Rollbraten in den Händen hielt.

Gibt es eine gesetzlich festgelegte Definition von Rollbraten? Klar! In seinen »Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse« in der Fassung vom 14.4.2022 stellt das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat unter Punkt 2.1.2.2 klar: »Rollbraten ist im Zusammenhang belassenes, gerolltes oder von einem Netz umgebenes Fleisch; die Tierart wird angegeben (z. B. Schweinerollbraten [Schweinsrollbraten]). Putenrollbraten, Hähnchenrollbraten ist gerolltes gewachsenes Puten-/Hähnchenbrustfleisch mit nicht mehr als 10 % anhaftender Haut und nicht mehr als 40 % Einlagen von gewachsener Brust- und/oder Oberschenkelmuskulatur derselben Tierart ohne Haut. Putenoberkeulenrollbraten, Hähnchenoberkeulenrollbraten ist gewickeltes, im natürlichen Zusammenhang belassenes Puten-/Hähnchenoberkeulenfleisch, dem maximal 15 % Haut anhaftet.«

Die – wie wir gesehen haben, möglicherweise veraltete – Definition von Döner Kebab findet sich unter Punkt 2.1.4.2, wo u. a. von »Drehspieß«, »grob entsehntem Schaffleisch«, und »bindegewebseiweißfreiem Fleischeiweiß« die Rede ist. Ich empfehle übrigens, das Dokument in seiner 87seitigen Pracht wenigstens zu überfliegen; eine bessere Handreichung zum Verständnis der deutschen Seele werden Sie nicht finden.

Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:

Ihre TITANIC-Redaktion

TITANIC auf der Frankfurter Buchmesse (15. 19. Oktober 2025)

Abbildung ähnlich

TITANIC-Autor*innen signieren alles und jeden!

Messehalle 3.0 – Stand H85

Freitag, 17. Oktober

14 Uhr Ella Carina Werner

15 Uhr Cornelius W. M. Oettle

16 Uhr Katharina Greve

17 Uhr Hauck & Bauer

Samstag, 18. Oktober

11 Uhr Hans Zippert

14 Uhr Riegel/Maschuw/Lichter

16 Uhr Otto-Waalkes-Lookalike

17 Uhr Martin Sonneborn

Kommen Sie vorbei!

TITANIC-Logo

TITANIC-Verlag Georg-Büchner-Verlagsbuchhandlung GmbH & Co. KG

Hamburger Allee 39
60486 Frankfurt am Main

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