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Die Reise kann weitergehen

Heute mal etwas völlig anderes.

Hierzu gibt es keinen Insta-Post. Dieser Text ist nur für hier, nur für euch.

Nicht geplant, nicht groß überarbeitet, eine Momentaufnahme.

Ich weiß nicht, was ich damit will, aber ich habe das Gefühl, er gehört genau hierher.

Da es hierzu keinen Insta Post gibt, vielleicht eine Gelegenheit für euch, falls ihr etwas dazu sagen möchtest, mal die Kommentarfunktion auf Steady auszuprobieren.

Oder es einfach wirken zu lassen.

Danke für eure Aufmerksamkeit <3

Die Reise kann weitergehen


Hier saß ich also, auf dem Boden meines Trainingsraums, immer noch in Sportkleidung in dem gescheiterten Versuch, mich irgendwie auf Gedanken zu bringen, die den Tag in eine positive Richtung drücken, und weinte. Das Hörbuch pausiert, angeblich um meine Trainingszeiten aufzuschreiben, doch tatsächlich, um mir selbst zumindest ein bisschen Raum zu geben.

Ich weiß nicht genau, warum ich das tue. Selbstgeißelung sagen die einen. „Jan hat eine Gym-Bro-Attitude zu Mental Health“, hat mein bester Freund einst gesagt. „Never let me go“, von Kazuo Ishiguro. Das furchtbarste Buch, das jemals geschrieben wurde. Jeder sollte es gelesen haben.


Während mir die Tränen herunterlaufen und ich dem unkontrollierten Schluchzen einfach freien Lauf lasse, versuche ich zu verstehen, was das alles soll. Was meine ich mit „das alles“? Na, das alles. Ich nehme mein Handy und schreibe an besagten besten Freund die Nachricht: „Weird to belief, that his entire existence revoles around learning pain and love.“ Ohne das Komma. Man will ja im Messenger nicht zu kleinlich wirken. Außerdem muss ich dafür die Tastatur umschalten- ich lenke ab. Vermutlich um den Gefühlen zu entgehen.


Was ich sagen wollte: Ich gucke auf mein Leben und bei all den Dingen, die ich gelernt, getan und erreicht habe, fühlt es sich so an, als ob all das nur auf eine Sache ausgerichtet ist: Zu lernen, mit Schmerz umzugehen. Habe ich die schmerzhafteste Existenz, die ein Mensch haben kann? Auf gar keinen Fall. Weder objektiv noch subjektiv. Ich lebe ein Leben, in dem das Ausmaß an Leid, das ich trage, gerade so groß ist, dass es mich nicht ganz zerstört. Kein Stück mehr. Aber auch kein Stück weniger.


Man kann Schmerz und Leid in der Panikzone erfahren. Aber man kann es dort nicht lernen. Lernen geschieht weder in der Panik-Zone noch in der Komfort Zone. Lernen geschieht in der Growth Zone. Der Zone der Herausforderung und des Wachstums. Gerade genug, um zu fordern. Nicht zu viel, um zu überfordern.


Doch jetzt frage ich mich, ob es wirklich das Leben ist, dass die Überforderung zurückhält oder ein Teil von mir. Mein Gehirn, das mich brav davor beschützt, so viel Leid wahrzunehmen, wie da ist, ich aber nicht aushalten könnte. Um zu lernen. Um zu wachsen. Um zu erfahren, was Leid ist, ohne daran zugrunde zu gehen.


Und ich fühle, dass das ein Sinn ist. Vielleicht mein Sinn. Zu lernen, das Leid zu tragen. Um zu sehen, was ich absurd immer wieder erfahren muss, dass in dem Leid so viel Liebe liegt. Dass es alles nicht so unendlich weh tun würde, wenn nicht so viel so unendlich schön wäre. Und dass es nicht so schmerzen könnte, wenn etwas geht, wenn es vorher nicht so wertvoll gewesen wäre.


Und immer wieder dieser Satz, den ich noch nicht so richtig verstehe. Leiden lernen heißt lieben lernen. Nur wer sich für die volle Breitseite des unvermeidlichen Verlusts öffnet, kann die Liebe ganz erfahren. Liebe für eine:n Partner:in, eine Mutter, ein Kind, einen Freund… letztlich die Welt.


Ich kann mich dem Leid der Welt nicht verschließen und die Welt lieben. Und in dem Moment schaue ich auf und sehe einen Stein. Ich habe schon Hundertmal in den letzten Wochen auf diese Stelle geguckt. Nicht willkürlich, sondern um genau ihn zu suchen. Und jetzt liegt er da, fast verspottend, als hätte er da schon immer gelegen und ich hätte nur nicht richtig hingeguckt.


Doch auch gleichzeitig mit den Worten „Ich hab mich versteckt, bis du bereit warst, mich wiederzufinden.“ Der Kroatien-Urlaub ist ein gutes halbes Jahr her und als ich dort oben auf den Felsen saß, an jenem Punkt, an dem ich die Wanderung nicht fortsetzen konnte, weil die Kraft meiner Freundin erschöpft war und ich hätte alleine weitergehen müssen, habe ich einen Deal mit dem imaginären Affengott gemacht, der mich aus dem Felsen betrachtet hat.


Ich lasse einen Cent da und nehme mir ein Stück Holz und einen Stein mit. Und wir tauschen zurück, wenn ich meine Reise dort nächstes Jahr fortsetze. Das Holz ist zurückgekommen und jetzt auch der Stein. Die Reise kann weitergehen.