Autohersteller ~ e-Commerce ~ Snow City

Wer meinem Taibang-Blog (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) folgt, der kennt meine zahlreichen Notizen zum chinesischen Markt für Elektroautos mit seinen faszinierenden technologischen Entwicklungen. Der Markt ist mit unzähligen Fahrzeugproduzenten und Modellangeboten hart umkämpft. Umso mehr überrascht es, dass der kränkelnde amerikanisch-europäische Hersteller Stellantis sein vernachlässigtes Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller Dongfeng Motor wiederbeleben will. Nebenbei bemerkt passen die beiden Autokonzerne hervorragend zusammen, da beide nicht gerade für Qualität stehen und eher minderwertige Fahrzeuge produzieren. Die Millionen-Spritze ist allerdings verwunderlich, da das andere chinesische Stellantis-Joint-Venture mit dem Autokonzern GAC, die GAC Fiat Chrysler Automobiles (GAC-FCA), im letzten Jahr Insolvenz angemeldet hat, einem Schicksal, welches ich persönlich auch diesem Stellantis-Dongfeng-Joint Venture prophezeie.
Nun sollen aber von der Dongfeng Peugeot Citroën Automobile Company Ltd. (DPCA) im Wuhan-Werk ab 2027 je zwei neue Peugeot- und Jeep-Fahrzeuge für China und die weltweiten Märkte produziert werden. Dazu bekommt das Unternehmen neues Kapital zugeschossen und an dieser Stelle sehe ich eine große Verschwendung von Geldern. Während Stellantis nur 128 Millionen Euro in das Projekt steckt, pumpen drei chinesische Investitionsfirmen mehr als 1 Milliarde Euro in das Abenteuer. Nun kann jede Firma ihr Geld verschwenden, wie es ihr beliebt, aber bei den drei Firmen in China handelt es sich um die Changjiang Industrial Investment Group, die Wuhan Financial Holding Group und die Wuhan Economic Development Industrial Investment Group. Alle drei sind regionale staatliche Unternehmen aus der Provinz Hubei bzw. der Stadt Wuhan.
Dieses Engagement überrascht dann doch sehr, da die Investition eindeutig der offiziellen politischen Linie der Regierung in Peking widerspricht. Diese hatte eine Politik versprochen, die solche staatlichen Investitionen in übersättigte Märkte und das Anheizen des selbstzerstörenden Wettbewerbs Einhalt gebieten sollte. Außerdem ist das Ziel, dass der genau durch solche stattlichen Investitionen befeuerte Schuldenanstieg der Regionen gestoppt wird. Die Frage bleibt außerdem: Werden dann diese Automodelle mit EU-Subventionszöllen belegt? Nach der Logik der EU-Politik müssten diese Stellantis-Fahrzeuge mit hohen Zöllen belastet werden, was wiederum die Absatzplanung merkwürdig erscheinen lässt, da Peugeotmodelle in China quasi keine Rolle spielen. Allein der chinesische Hersteller BYD verkauft in einem Monat die anderthalb höhere Menge an Fahrzeugen, was Peugeot im ganzen Jahr verkauft.
Für Stellantis ist es wahrscheinlich ein verzweifelter Versuch, dass mit der chinesischen Produktion für den Weltmarkt die Kosten gesenkt werden. Für Dongfeng mit seinen staatlichen Investitionspartnern dagegen könnte die Überlegung so aussehen, dass man für die Expansion in europäische Märkte die Stellantis-Vertriebsstruktur nutzen möchte, ähnlich wie es schon der chinesische Hersteller Leapmotor tut.
Dazu passt die Meldung, dass beide Unternehmen ein Memorandum of Understanding (MOU) zur Gründung eines neuen Joint Ventures in Europa bekannt gegeben haben. Die Firma soll den Verkauf und Vertrieb der Dongfeng-Marke Voyah in Europa übernehmen. Dann kann man die oben genannte Investition der chinesischen Firmen schon eher verstehen. Es scheint, das endlich die chinesischen Autohersteller begriffen haben, dass in Europa die Dichte des Vertriebsnetzes der wichtigste Erfolgsfaktor beim Verkauf ihrer Fahrzeuge darstellt.
Im Gegensatz zur Ausweitung der Vertriebsstrukturen chinesischer Autohersteller in Europa zieht sich der amerikanische e-Commerce-Konzern Amazon aus Singapore zurück. Zukünftig wird Amazon.sg sich auf internationale Angebote aus den Filialen in den USA, Japan und Deutschland konzentrieren. Amazon kapituliert damit in Südostasien auf dem E-Commerce-Markt vor den drei Konkurrenzunternehmen Shopee, TikTok Shop und Lazada, welche den 135 Milliarden Euro umsatzstarken Markt mit fast 99 Prozent Marktanteil dominieren. Amazon begründet diesen Schritt zwar, dass der lokale Markt zu klein sei, um die Kosten für den Aufbau von Fulfillment-Fähigkeiten im großen Maßstab gegenüber etablierten Akteuren zu rechtfertigen.
Allerdings vermute ich eher, dass die umstrittenen Praktiken von Amazon in Singapore wegen der Etablierung anderer Unternehmen nicht funktionierte. In den USA und in Deutschland nutzt Amazon seine marktbeherrschende Stellung für unlautere Praktiken, wie diese Reportage zeigt: Wie Amazon die Preise steigen lässt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Diese dort geschilderten Praktiken gegenüber Verkäufern bei Amazon lässt sich natürlich nicht verwirklichen, wenn man keine marktbeherrschende Stellung einnimmt. Und so bevorzugen Verkäufer in Singapore lieber andere e-Commerce-Plattformen und Amazon scheitert krachend.
Übrigens kaufe ich schon seit drei Jahren nicht mehr bei Amazon, da mir unmittelbar nach einer Bestellung mit Lieferung aus einem französischen Amazon-Logistikzentrum Spam-SMS mit Bezug auf die Lieferung erreichten. Irgendein Amazon-Mitarbeiter dort in Frankreich muss also Daten stehlen und an Verbrecherbanden weitergeben.
Neben Amazon schließt auch die "Snow City" in Singapore. Nach 26 Jahren ist Ende September mit dem Skifahren in Singapore Schluss. Skifahren in Singapore? Ja, so verrückt wie das klingt, so ist dieses Indoor-Schneezentrum mitten im tropischen Singapore ein Kuriosität. Die Temperaturen in der riesigen Halle werden auf ca. -5 °C gehalten. Es werden wöchentlich 10–15 Tonnen Schnee mit einer Snow Gun nachproduziert, die Wasser mit Druckluft und flüssigem Stickstoff (–196 °C) atomisiert und gefriert.
Der Betrieb ist durch Kühlung und der Schneeproduktion extrem energieintensiv. Vergleichbare Indoor-Schnee- oder Eishallen verbrauchen oft Hunderttausende kWh pro Jahr. In dem tropischen Klima von Singapore ist der Aufwand besonders hoch. Es passt einfach nicht in die heutige Zeit, wo in Singapore viel über die Notwendigkeit energieeffizienter Technologien geredet wird. Wintersportfans aus Singapore machen lieber in den nördlichen Breiten der Weltkugel Urlaub, wo die Natur die Schneepiste herstellt und kühlt.
Und auch ich bin nicht traurig, dass ich im Oktober während meines Aufenthalts in Singapore keine Ski-Tour mehr unternehmen kann, obwohl mein Hotel nur 600 m von der "Snow City" in Jurong entfernt liegt.