Fikele* schreibt mir: "Meine Kinder sind nur ein Jahr auseinander. Der Große ärgert den Kleinen ständig, provoziert und wird aggressiv. Ich werde zunehmend ungeduldiger und fühle mich ständig belastet. Was kann ich tun?"
Hier auf Steady beantworte ich einige eurer Fragen mit meinem Hintergrund eines Studiums der Neurowissenschaften und kognitiven Psychologie, einer Ausbildung zur Trageberaterin und Babykursleiterin, meinem gesammelten Wissen aus etwa 250 Büchern zum Thema Erziehung und meinen Erfahrungen, die ich in den letzten sieben Jahren als Mutter gesammelt habe. Ich bin keine Psychologin und kein Coach. Wenn euch eine Situation so sehr belastet, dass sie eure Gedanken den ganzen Tag über beeinflusst, möchte ich euch bitten, euch professionelle Hilfe zu suchen. Ich kann euch die innere Arbeit mit eurem Päckchen an Erfahrungen, Verletzungen und Traumata nicht abnehmen. Was ich aber versuchen kann, ist euch ein paar Gedanken und Impulse mitzugeben, die euch vielleicht helfen können, eure eigene Lösung zu finden. Und wenn ihr euch mit dem, was ich schreibe, überhaupt nicht identifizieren können solltet, dann ist auch das ein wichtiges Zeichen. Ich bin keine „Expertin“ und habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Was ich anbieten kann, ist eine (hoffentlich) empathische Antwort aus wissenschaftlichem und persönlichem Hintergrund.
Wer mir auch schreiben möchte, wendet sich bitte an anna.brachetti@posteo.de. Ich bearbeite dienstags und donnerstags eure Briefe. Schreibt bitte auch dazu, ob ich eure Nachricht und meine Antwort darauf anonymisiert (*Namen werden verändert) veröffentlichen kann.
Vielen Dank für das Vertrauen!
Bild: Anne Richard
Liebe Anna,
ich bin zur Zeit als Mama total unglücklich und besorgt. Ich bin Mama von 2 Jungs und habe die beiden sehr schnell hintereinander bekommen. Ich würde mich selbst als in gewisser Weise hochsensibel oder gefühlsstark bezeichnen und meinen Erstgeborenen ebenfalls. Obwohl ich ihn gut nachfühlen/ mitfühlen kann, kann ich damit entgegen meiner eigenen Erwartung nur sehr schwer mit seinen extremen Launen und Gefühlen umgehen. Dadurch, durch die schnelle 2. Schwangerschaft und die Phase nach der Geburt hat mein Erster glaub ich, ein ganz schönes Trauma erlitten. (Unser erstes Jahr gemeinsam allein war allerdings auch nicht einfach). Eifersucht ist normal aber zusehends wird der große dem Kleinen gegenüber aggressiver, obwohl sie sich auch sehr lieb haben. Ich finde es total schwierig im Alltag und bei Streitereien gute Lösungen parat zu haben, so dass ich die Eifersucht zwischen beiden nicht verstärke, nicht schimpfe, nicht Urteile, nicht aus der Haut fahre. Ich habe gelesen, dass du auch eine nicht so leichte Phase mit deiner ersten Tochter hattest. Und vielleicht hast du ein paar praktische konkrete Tipps? Wie verhalte ich mich morgens bei Geschrei in der Hektik, wenn man loswill und der große sich weigert, man aber einfach Zeit Stress hat? Oder wenn der große den kleinen mit voller Wucht und Absicht vom Dreirad schmeißt. Einfach so mit schlechter Laune andere Kinder oder den Bruder provoziert, haut und beißt. Was sind gute Reaktionen darauf? Ich möchte so gerne gelassen entspannt aber bestimmt reagieren. Doch was heißt das eigentlich konkret in der Ausführung? Du hast bestimmt tolle Ideen! Liebe Grüße,
Fikele*