Du interessierst Dich für Dich selbst und Deine Beziehungen. Deshalb liest Du diesen Artikel oder hörst diese Podcast-Folge bei »Aufklärung tut Not«. Zu funktionieren, reicht nicht.
Herzlich willkommen, bei Aufklärung tut Not und meinem Artikel beziehungsweise meiner Podcast-Folge zur Kommunikation,
zu fragen »Wie funktionieren Sender und Empfänger«, ist problematisch. Denn in der Beantwortung der Frage steckt ein objektiver und ein subjektiver Teil. Auf der einen Seite funktionieren Sender und Empfänger. Und auf der anderen Seite wiederum nicht. Das hört sich erst einmal recht paradox an. Und dennoch ist es charakteristisch für das Kommunikationsverhalten vieler Mitmenschen.
Dieser Artikel ist der dritte meiner Artikelserie »Wie funktioniert Kommunikation?« Ich werde mir das Verhalten von Sender und Empfänger genauer anschauen. Dabei nehme ich Bezug auf meinen vorherigen Artikel zum »Sender und Empfänger Modell (Si apre in una nuova finestra)«.

Doch bevor ich näher auf Euer Funktionieren als Sender und als Empfänger eingehe, ist eines zu klären.
Was bedeutet funktionieren?
Der Duden (Si apre in una nuova finestra) gibt zwei Antworten:
1.
https://www.duden.de/rechtschreibung/funktionieren (Si apre in una nuova finestra)intakt sein und durch Zusammenwirken bestimmter [technischer] Vorgänge die Funktion erfüllen
Beispieleder Apparat funktioniert nicht
wie funktioniert das?
〈in übertragener Bedeutung:〉 die Organisation funktionierte (klappte) reibungslos
Übertragen auf Kommunikation würde man sagen »Die Kommunikation funktionierte.«
2.
https://www.duden.de/rechtschreibung/funktionieren (Si apre in una nuova finestra)sich bestimmten Normen entsprechend, angepasst verhalten
Eine gänzlich andere Bedeutung wird dem Verb funktionieren außerdem zuteil. Wir funktionieren also auch, wenn wir Normen entsprechen. Auch in irgendeiner Weise angepasstes Verhalten wird mit funktionieren in Verbindung gebracht.
Sender funktionieren abhängig vom Empfänger
Sender funktionieren also nicht nur dahingehend, dass sie Nachrichten senden. Wenn sie nicht aufpassen, passen sie sich auch an das Verhalten des Empfängers an. Doch was ist damit gemeint?
Als Sender sollten wir ein Interesse daran haben, dass unser Empfänger uns versteht. Doch oft geht es gar nicht um ein wirkliches Verstehen, sondern darum, dass der Empfänger in unserem Sinne handelt.
Ein Beispiel zum Verhalten als Sender
Der Sender liegt auf dem Sofa und ihn fröstelt. Er entschließt sich zu einer Selbstoffenbarung und sagt:
„Mir ist kalt“
Der Empfänger hört neben der Botschaft auf der Selbstoffenbarungsebene gleichfalls eine Botschaft auf der Appellebene. Zum Beispiel:
„Kümmere Dich um mich!“
Also sagt er
„Ich hole Dir eine Decke“
,geht los, holt eine Decke und legt sie dem Empfänger über, der sich dann bedankt.
Diese Erfahrung mit dem Empfänger zeigt dem Sender, dass er eine Botschaft auf der Appellebene oder Beziehungsebene nicht braucht, wenn er vom Empfänger etwas möchte.
Eventuell wird er in Zukunft Appelle und Beziehungsaussagen (noch) weniger benutzen als vorher. Der Sender wird dann im Kontakt mit dem Empfänger anders funktionieren als es wünschenswert ist.
Empfänger funktionieren abhängig vom Sender
Heute sind Empfänger durch viele Faktoren dazu aufgefordert, Nachrichten zu entschlüsseln oder zu interpretieren. Auch das 4 Ohren Modell trägt einen nicht unerheblichen Teil dazu bei.
Ein Beispiel zum Verhalten als Empfänger
Der Sender erhält eine Mail vom Installateur. Darin kündigt dieser an, nächste Woche vorbeikommen zu wollen. Der Sender sagt zum Empfänger
„Nächste Woche will der Installateur kommen“
Der Empfänger denkt kurz nach und antwortet dann mit
„Gut. Dann rufe ich den an und mache einen Termin aus“
Der Sender hat eine Nachricht mit einer Botschaft auf der Sachebene gesendet. Da der Empfänger bereits darin geschult ist, Nachrichten zu interpretieren, ergänzt er die fehlenden Ebenen.
Da sein Sender sich selten klar äußert, ist der Empfänger umso mehr bereit, die Arbeit für eine funktionierende Kommunikation zu übernehmen.
Auf der Sachebene
»Der Installateur will nächste Woche kommen«
Auf der Selbstoffenbarungsebene
keine Ergänzung
Auf der Appellebene
»Bitte übernimm das!«
Auf der Beziehungsebene
»Ich möchte, dass Du das regelst.«
Der Empfänger kann interpretieren und somit, sich an den Sender anpassend, funktionieren. Je weniger der Sender sich der Selbstoffenbarungsebene, der Appellebene und der Beziehungsebene bedient, desto mehr neigt der Empfänger dazu, Nachrichten zu interpretieren.
In diesem Beispiel mag das funktionieren. Im Sinne einer funktionierenden Kommunikation überlassen sich beide allerdings sehr dem Zufall.
Wie funktionieren Sender und Empfänger? Oft ohne bewusste Wahrnehmung!
Sender und Empfänger funktionieren oft nicht im Sinne einer erfolgreichen Kommunikation. Sie funktionieren ausgerichtet auf das Verhalten des anderen. Ihre Kommunikation gestalten sie mehr auf dem Hintergrund ihrer Erfahrungen miteinander. Sie passen sich daraufhin an.
Beide Beispiele sind sehr kontextbezogen. Entsprechend ist die Chance groß, dass der Empfänger ‘richtig’ interpretiert. Richtig funktioniert im Sinne des Senders.
Doch in Eurer Partnerschaft oder Ehe spielen Gefühle eine Rolle. Es ist wichtig, über Bedürfnisse und Wünsche zu sprechen. Eure Grenzen sollten ebenfalls zur Sprache kommen. Fehldeutungen und Missverständnisse erzeugen zusätzliche Gefühle. Sie sind meistens unangenehm. Diese entfalten bei mangelnder Klärung ihre Wirkung.
Mit ihrer gegenseitigen Einflussnahme auf ihr Verhalten als Sender und Empfänger erzeugen sie eine gravierende Kommunikationsstörung.
Bis zum nächsten Mal
Freundliche Grüße
Michael