Hallo,
erst mal: Wie schön, dass du da bist! Wie schön, dass du meinen Newsletter abonniert hast, wie schön, dass du diese Mail geöffnet hast.
In Zeiten, in denen Aufmerksamkeit eine der umkämpftesten Ressorcen ist (in der Süddeutschen Zeitung schrieb ich vor kurzem einen Essay darüber (Si apre in una nuova finestra)), weiß ich das sehr zu schätzen und verspreche ich dir direkt etwas: Dieser Newsletter wird nie mehr als 3000 Zeichen haben, dich also nie mehr als ein paar Minuten deiner Zeit kosten. “Barbara neigt nicht zu rhetorischen Girlanden oder Schwurbel-Einstiegen”, schrieb mein ehemaliger Chef Christian Mayer über mich auf meiner Abschiedsseite. Schaut mal, wie schön die ist (allein, um sowas zu bekommen, lohnt es sich, zu kündigen):
Nach mehr als 18 Jahren als SZ-Redakteurin beginnt für mich nun etwas Neues, und dieser Newsletter soll ein Teil davon werden. Ein anderes großes Puzzlestück liegt auch schon auf dem Tisch, ich werde als Autorin für das Leben-Ressort des Spiegel (Si apre in una nuova finestra) arbeiten.
Der Rest des Bildes ist noch frei, ich habe viele Ideen und keinen Plan. Soll ich ein erzählerisches Sachbuch über Migräne schreiben oder einen Fantasy-Roman? Eine Weiterbildung zur Traumatherapeutin machen oder Digitalberatung anbieten? Soll ich meiner mentalen Gesundheit zuliebe alle Social-Media-Apps vom Handy schmeißen oder endlich ernsthaft und regelmäßig Content posten und als Creatorin durchstarten? Ja, das sind alles halbernst gemeinte Vorschläge, ich nehme auch weitere Anregungen und (bezahlte) Aufträge entgegen.
Meine 14-jährige Tochter findet letzteren Vorschlag am attraktivsten. Als sie sah, dass meine Followerzahlen auf Insta vierstellig sind, war sie beeindruckt und meinte: Werd’ doch Influencerin, Mama! Wie viele Jugendliche träumt auch sie von einer Karriere im Netz. In einer meiner letzten Recherchen für die SZ versuchte ich daher, diese Fragen zu beantworten: Wie realistisch sind diese Wunschvorstellungen? Was muss man können, um ein Star im Netz zu werden? Und wie verdient man dort überhaupt Geld?
Dafür habe ich ein Interview mit dem CEO der Agentur WeCreate Adil Sbai (Si apre in una nuova finestra)geführt und die 14-jährige Creatorin Isi porträtiert (Si apre in una nuova finestra). Aus der Recherche ist mir vor allem dieser Satz von Sbai in Erinnerung geblieben: “Um ein Star zu werden, braucht man gute Ideen, Durchhaltevermögen - und ein richtig dickes Fell.”
Ein dickes Fell hat meine Tochter überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Sie kommt mir eher vor wie eine Seifenblase, die von der Pubertät herumgepustet wird und ständig zu zerplatzen droht. Der Windstärke auf Social Media würde sie nicht standhalten und deswegen darf sie bisher nur zuschauen. Auch ich selbst halte es im Internet manchmal kaum aus. Influencerin werde ich daher nicht - sondern starte mit euch zusammen diesen Newsletter, in dem es ums Innen und ums Außen gehen soll.
Ich hoffe, ihr lest nächstes Mal wieder rein - worum soll es gehen?
A) Um Migräne und Arbeit
B) Um ADHS und Erziehung
C) Um Nageldesign und Feminismus
Alles Liebe wünscht
Barbara
Alena Schröder: Bei euch ist es immer so unheimlich still
Ich bin immer auf der Suche nach Büchern, die Spaß machen. Die weder so schlicht sind, dass einem bei der Lektüre die Synapsen einschlafen, noch so kompliziert, dass man ohne Komparatistikstudium nichts versteht. Ich lese schließlich in meiner Freizeit (dummerweise - irgendjemand Budget, um mich fürs Krimilesen in der Hängematte zu bezahlen?). Bücher von Alena Schröder erfüllen meine Anforderungen zuverlässig, ihr Debüt “Junge Frau, blaues Kleid …” kennt ihr sicher schon, dieses hier ist ebenso toll und nächstes Jahr kommt ein drittes Buch von ihr, juhu!
Rebecca Yarros: Fourth Wing, Iron Flame und Onyx Storm
Spätestens, nachdem Celsy Dehnert und Anne Dittmann die Bücher empfahlen und Dennis Scheck seine misogyne Rede über “Drachenscheiße” hielt, musste ich hier reinlesen. Das erste Buch ist ein absoluter Pageturner, ich war im Pfingsturlaub kaum ansprechbar. Danach baut die Handlung ein bisschen ab bzw. wird immer verwirrender, macht aber nix, weil ich da schon so hooked von der ganzen Welt war, dass ich Teil 4 und 5 kaum erwarten kann.
Rebecca Jennings: How I am fixing my broken attention span
Ein Essay bei Vulture über Aufmerksamkeit (Si apre in una nuova finestra), eines meiner derzeitigen Lieblingsthemen. Die Autorin stellt sich darin unter anderem die Frage, ob dieses ständige Herumdenken auf dem eigenen angeblich kaputten Fokus nicht vielleicht auch nur ein Problem von Menschen ist, die in Jobs mit viel unstrukturierter Denkzeit arbeiten. Dann fängt sie an, mit ihrem Buchclub superlangweilige Bücher zu lesen.
Simone Buchholz: Wie Kampfsport meinen Sohn zum Mann formt
Haut in den Magen, bitzelt im Kopf, macht so viele Gefühle. Wunderbarer Text (Si apre in una nuova finestra) im SZ-Magazin.
Melanie Müller - Hitlergruß als Partyspaß?
Ein sehr toller Podcast (Si apre in una nuova finestra)meiner ehemaligen Kollegin Antonie Rietzschel, zusammen mit Denise Peikert und anderen. Dafür hab ich extra ein RND-Abo abgeschlossen.
Have we been thinking about ADHS all wrong?
Mit ADHS beschäftige ich mich mittlerweile seit mehr als zehn Jahren, erst als Journalistin, dann irgendwann als Mutter zweier betroffener Kinder. Deswegen hab ich diesen Podcast der New York Times (Si apre in una nuova finestra) sofort gehört und war dann bisschen enttäuscht. Die angeblich neuen Thesen: ADHS ist ein Spektrum. Und: Manchmal ist die Umgebung das Problem, nicht das Gehirn. Wussre ich beides schon. Und habe es zum Beispiel hier für Übermedien (Si apre in una nuova finestra) aufgeschrieben.
Aktuelle Migränebilanz. Nicht geil, aber war schon schlimmer.
Quelle hab ich leider keine, weiß nicht mehr, wo ich das her hab.