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Wie 1E9 mit einem Festival seinen Journalismus anders denkt

Hallo,

das ist der Media-Rewilding-Newsletter mit meinen Learnings dazu, wie Journalismus durch Live-Events und Dritte Orte zukunftsfähig wird.

Heute wieder ein Ortswechsel. Nachdem wir uns letzte Woche gemeinsam mit RUMS in Münster beschäftigt haben, geht es heute wieder nach München. Es geht um das Anfang Juli wieder stattfindende Festival der Zukunft des Online-Community-Mediums 1E9, zu dem ich hier bereits vergangenes Jahr ein paar Eindrücke geteilt habe. Jetzt habe ich die Festival-Gründer Wolfgang Kerler und Krischan Lehmann dazu interviewt.

KI-erzeugtes Foto zeigt einen Media-Rewilding-Sticker im Stil eines Gamey-Boy-Games an einem Laternpfahl
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Case

Das Festival der Zukunft ist das zentrale Veranstaltungsformat des Münchner Community-Mediums 1E9, das 2019 von ehemaligen Wired-Macher:innen gegründet wurde. Das mehrtägige Festival im Deutschen Museum will Technologie, Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft zusammenbringen. Es kombiniert eine internationale Konferenz für Fachpublikum mit offenen Publikumstagen für eine breitere Zielgruppe. Am 2. bis 5. Juli ist es wieder soweit.

Zur Erinnerung zunächst zwei wichtige Learnings meines Besuches vom letzten Jahr (Si apre in una nuova finestra):

  • Das Festival verdeutlicht, dass Veranstaltungen weit mehr sein können als ein Marketinginstrument für journalistische Produkte. 1E9 verbindet Journalismus, Community und Events zu einem gemeinsamen Angebot für Menschen, die sich für Zukunftsthemen interessieren. Die Veranstaltung ist damit kein Nebenprojekt der Redaktion, sondern Teil des Markenkerns. Das legt einen Perspektivwechsel nahe: Nicht der Journalismus steht im Zentrum und Veranstaltungen ergänzen ihn, sondern beide können gleichberechtigte Bestandteile desselben Produkts sein.

  • Der Erfolg des Festivals hängt eng mit dem Ort zusammen. Im Fall des Festival der Zukunft bietet das Deutsche Museum die notwendige Infrastruktur für ein Festival, sondern verleiht dem Format durch seine gesellschaftliche Verankerung und thematische Nähe zu Wissenschaft und Technologie zusätzliche Glaubwürdigkeit. Das Beispiel zeigt, wie wertvoll Partnerschaften mit etablierten Institutionen sein können.

Festival-Session im ehemaligen Planetarium des Deutschen Museums
Viel Tech und Gesellschaft, aber auch vereinzelt Journalismus-Perspektiven: Festival-der-Zukunft-Session 2025 im ehemaligen Planetarium des Deutschen Museums. Foto: 1E9/Sebastian Huber.
Festival-Besucher im Hof.
Win-Win-Situation: Das Festival belebt Bereiche des Deutschen Museums, die sonst eher versteckt liegen. Im Gebäude haben auch die 1E9-Macher:innen ihr Büro. Foto: 1E9/Hans Martin Kudlinski.
Menschen mit VR-Brillen sitzen im Kreis
Technologien direkt erleben: Ein ganzer Festivalbereich ist nur dafür reserviert. Foto: 1E9/Hans Martin Kudlinski.

Wie blicken nun aber die Macher auf dieses Festival und seine Rolle für ihr Community-Medium? Im Gespräch haben mir die 1E9-Gründer Wolfgang Kerler und Krischan Lehmann zum Beispiel interessante Einblicke dazu gegeben, wie sich die Bedeutung des Festivals in Bezug auf ihr Online-Community-Medium verändert hat:

„Wir haben das Festival lange als Leuchtturmevent betrachtet, in dem all das kulminiert, was wir über das Jahr hinweg machen. Inzwischen leiten wir viele unserer Aktivitäten vom Festival ab. […] Grundsätzlich haben wir uns vorgenommen, dass die digitale Plattform die 361 Tage Festival der Zukunft ist – und das Festival selbst dann an vier Tagen als Höhepunkt stattfindet. Das gilt für die Themen, die Personen und insgesamt für die Mischung dessen, was wir machen.“

Oder dazu, was eine erfolgreiche journalistische Veranstaltung eigentlich ausmacht:

„Im Kern geht es darum, den eigenen Markenwert gemeinsam mit anderen zu feiern. Wenn man einen klaren Kern hat, kann man daraus ein Erlebnis machen und überlegen, welche Themen oder Aktivitäten daran anschließen.“

Und ja, Location-Kooperationen (wie hier mit dem Deutschen Museum) sind sehr hilfreich – das konnten wir ja auch schon im RUMS-Interview (Si apre in una nuova finestra) lesen). Aber man muss dann auch auf die eigene Sichtbarkeit achten:

„Die Herausforderung besteht darin, dass die Leistung eines kleinen Start-ups sichtbar bleibt, wenn dahinter eine so große Institution steht. Gerade am Anfang hatten wir das Problem, dass wir oft nicht als eigenständiger Akteur wahrgenommen wurden.“

Das ganz ausführliche Interview mit vielen weiteren Aspekten und Perspektiven habe ich für dich und die Media-Rewilding-Community veröffentlicht.

Kachel zeigt Krischan Lehmann und Wolfgang Kerler
Fotos: 1E9 Denkfabrik GmbH
Lesetipp

Wer sich mit der Zukunft der Arbeit und Stadtentwicklung beschäftigt, sollte meiner Meinung nach unbedingt der Journalistin Simone Fasse folgen (hier Linkedin (Si apre in una nuova finestra)). Oder einfach ihre Texte lesen. So wie diesen im Magazin Colab Quartely, der wichtige Aspekte für Media Rewilding enthält. Mit München-Fokus, aber vielen allgemein gültigen Erkenntnissen blickt sie auf die Problematik, dass fehlende Treffpunkte, Einsamkeit und bröckelnde Infrastruktur das Vertrauen in demokratische Institutionen schwächen. Und warum Bibliotheken als offene, niedrigschwellige Orte eine immer wichtigere Rolle spielen.

https://app.smarticle.com/html5/HrUSS8xyl5/RP84NXoRdANiB/article/859286945a204a79bedfa8bf672ca433 (Si apre in una nuova finestra)
Hörtipp

Im Podcast „LÄUFT“ von epd medien und Grimme Institut spricht Alexander Matzkeit monatlich mit Expert:innen über Medien. Da hat es mich natürlich sehr gefreut, dass er mich für die aktuelle Folge dazu eingeladen hat. Wir haben über Media Rewilding gesprochen.

https://laeuft-programmschau.podigee.io/84-84-resonanz-statt-reichweite-journalismus-in-freier-wildbahn (Si apre in una nuova finestra)
Ausblick

Die Media-Rewilding-Tour geht weiter. Nachdem ich heute auf den Lokalmedientagen in Nürnberg über Journalismus und physische Begegnung sprechen durfte, geht es am Donnerstag weiter nach Frankfurt. Dort trifft sich bei der wtf26 we transform future die Event-Branche beziehungsweise die Menschen daraus, die das alles weiterdenken wollen. Ein Mega Match für mich, weil wir Journalist:innen uns unbedingt in diese Richtung vernetzen sollten. Zumindest darf ich in der Session Live-Formate formen Gesellschaft (Si apre in una nuova finestra) gemeinsam mit drei sehr innovativen Menschen und den wtf26-Besucher:innen ein paar Gedanken dazu in den Raum wachsen lassen. Ich bin sehr gespannt und werde berichten.

Kachel zur Session „Live-Formate formen Gesellschaft“

Ich wünsche dir eine gute Zeit bis nächsten Mittwoch. Dann sehen wir uns hoffentlich wieder hier, im Media-Rewilding-Newsletter. Spoiler: Es wird um interessante Orte für Journalismus gehen.

Bis dann,

💚 Alexander

Report 2025

Im Media-Rewilding-Report findest du ein paar Einblicke und Gedanken zu meiner bisherigen Spurensuche. Er umfasst nicht alle Punkte, die ich gesehen und gelernt habe, aber er zeichnet eine erste Landkarte einer Welt, in der bereits einige Projekte daran arbeiten, den Journalismus in der Gesellschaft zu renaturieren. Lade dir das PDF als Mitglied der Media-Rewilding-Community gerne herunter. Und gib es bei Bedarf auch an andere Menschen weiter, die sich dafür interessieren könnten.

Cover des Media Rewilding Report 2025 (Si apre in una nuova finestra)
Media Rewilding

Mein Name ist Alexander von Streit. Ich bin Journalist und beschäftige mich seit über 20 Jahren mit dem Spannungsfeld, das die Digitalisierung in der Gesellschaft erzeugt. Mein 2025 gestartetes Projekt MEDIA REWILDING dreht sich um die Frage, wie Journalismus durch Live-Events und Dritte Orte zukunftsfähig wird. Konkret versuche ich herauszufinden, wie wir journalistische Recherche aus dem überfüllten digitalen Raum in analoge oder hybride Formate überführen können. Also wie wir systematisch Orte oder Veranstaltungen schaffen oder nutzen, an denen Menschen Recherchen erleben, mitgestalten, diskutieren und dadurch direkten Zugang zu hochwertigem Journalismus erhalten können. Und was das mit Vertrauen und Markenbeziehung zu tun hat. Und natürlich wie sich das alles finanzieren lässt.

Hier ist die Website von Media Rewilding: media-rewilding.de (Si apre in una nuova finestra)
Hier ist meine Website: von-streit.de (Si apre in una nuova finestra)
Hier ist mein LinkedIn-Profil: linkedin.com/in/vonstreit (Si apre in una nuova finestra)