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#7. Ein Interview mit der Bildungssenatorin, Gewalt an Schulen und der Beutelsbacher Konsens

04. Juli 2026

Herzlich willkommen! 

Was treibt Eltern von Schulkindern derzeit um, was wird bildungspolitisch in dieser Woche diskutiert und wo findet man als Elternteil Rat und Unterstützung, wenn man selbst nicht weiterkommt? Darum geht es wöchentlich in diesem kleinen Mittwochsbriefing.

Und da dieser Newsletter nicht als Einbahnstraße gedacht ist, können Sie mir Ihre Frage(n) gern an Schulkonferenz@MarcoFechner.de (Si apre in una nuova finestra)schicken.

Jede Woche beantworte ich anonymisiert Fragen aus meiner Community in diesem Newsletter.

Ich weiß zwar auch nicht alles, aber mir fällt im Zweifel immer jemand ein, den ich fragen könnte. Also schreiben Sie mir.

Los geht’s.

Diesmal

  1. Die Elternfrage.

    “Was ist der Beutelsbacher Konsens?”

  2. Was jetzt ansteht:

    • Zeugnisse

  3. Veranstaltungshinweise

    • Webinar zur gewaltfreien Kommunikation

    • Medienbildungsangebote für Eltern und Familien.

  1. Aktuelles:

    • Aktuelles Interview mit Bildungssenatorin Günther-Wünsch (CDU) u.A. zu Gewalt in Schulen.

    • Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie stellte das “Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer” vor.

1. Die Elternfrage

“Was ist der Beutelsbacher Konsens?”

Der “Beutelsbacher Konsens” ist eine Handlungsmaxime, die als Grundlage für die politische Bildung entwickelt wurde und die auch selbst immer wieder Gegenstand von Debatten um ihre Auslegung ist. Die drei Grundprinzipien 1. Überwältigungsverbot, 2. Kontroversitätsgebot und 3. Schülerorientierung bilden seit den 1970er-Jahren das Fundament politischer Bildung in Deutschland.

Der Beutelsbacher Konsens im Wortlaut

I. Überwältigungsverbot.

Es ist nicht erlaubt, den Schüler - mit welchen Mitteln auch immer - im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der "Gewinnung eines selbständigen Urteils" zu hindern . Hier genau verläuft nämlich die Grenze zwischen Politischer Bildung und Indoktrination. Indoktrination aber ist unvereinbar mit der Rolle des Lehrers in einer demokratischen Gesellschaft und der - rundum akzeptierten - Zielvorstellung von der Mündigkeit des Schülers.

II. Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen.

Diese Forderung ist mit der vorgenannten aufs engste verknüpft, denn wenn unterschiedliche Standpunkte unter den Tisch fallen, Optionen unterschlagen werden, Alternativen unerörtert bleiben, ist der Weg zur Indoktrination beschritten. Zu fragen ist, ob der Lehrer nicht sogar eine Korrekturfunktion haben sollte, d.h. ob er nicht solche Standpunkte und Alternativen besonders herausarbeiten muss, die den Schülern (und anderen Teilnehmern politischer Bildungsveranstaltungen) von ihrer jeweiligen politischen und sozialen Herkunft her fremd sind.

Bei der Konstatierung dieses zweiten Grundprinzips wird deutlich, warum der persönliche Standpunkt des Lehrers, seine wissenschaftstheoretische Herkunft und seine politische Meinung verhältnismäßig uninteressant werden. Um ein bereits genanntes Beispiel erneut aufzugreifen: Sein Demokratieverständnis stellt kein Problem dar, denn auch dem entgegenstehende andere Ansichten kommen ja zum Zuge.

III. Der Schüler muss in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und seine eigene Interessenlage zu analysieren,

sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene politische Lage im Sinne seiner Interessen zu beeinflussen. Eine solche Zielsetzung schließt in sehr starkem Maße die Betonung operationaler Fähigkeiten ein, was eine logische Konsequenz aus den beiden vorgenannten Prinzipien ist. Der in diesem Zusammenhang gelegentlich - etwa gegen Herman Giesecke und Rolf Schmiederer - erhobene Vorwurf einer "Rückkehr zur Formalität", um die eigenen Inhalte nicht korrigieren zu müssen, trifft insofern nicht, als es hier nicht um die Suche nach einem Maximal-, sondern nach einem Minimalkonsens geht.”

Quelle: Hans-Georg Wehling (1977): Konsens à la Beutelsbach? Nachlese zu einem Expertengespräch. In: Siegfried Schiele / Herbert Schneider (Hrsg.): Das Konsensproblem in der politischen Bildung. Stuttgart, S. 173 - 184, hier S. 179f.

Die Frankfurter Erklärung

Neben dem Beutelsbacher Konsens ist die so genannte “Frankfurter Erklärung” wichtig, die als Konkretisierung des Beutelsbacher Konsens diskutiert wird. Fordert der Beutelsbacher Konsens etwa, dass Lehrkräfte Schüler mit keinerlei politischen Positionen indoktrinieren dürfen, fordert die Frankfurter Erklärung durchaus eine Positionierung politischer Bildung im Sinne einer Demokratisierung aller gesellschaftlichen Bereiche mit dem Ziel gleicher Teilhabe- und Beteiligungschancen.

Sie widerspricht damit implizit auch der immer wieder erhobenen Forderung, politische Bildung müsse politische Akteure selbst dann “neutral” behandeln, wenn diese Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte abschaffen wollen.

Zur Frankfurter Erklärung. (Si apre in una nuova finestra)

2. Was jetzt ansteht:

In der nächsten Woche gibt’s Zeugnisse.

Hierzu werde ich in den kommenden Tagen noch einen Artikel veröffentlichen und auf diesen im Newsletter am nächsten Mittwoch Bezug nehmen.

Ansonsten sind endlich bald Ferien.

Ein Paar auf einem Tandem zieht mit dem Tandem einen kleinen Wohnwagen über eine Landstraße.

3. Veranstaltungshinweis

“Gemeinsam wachsen - Gewaltfreie Kommunikation in der Partnerschaft”.

25. August 2026, 19:30 - 21:30 Uhr

Kostenfreies Online-Webinar für Eltern

Veranstalter: FRÖBEL

Infos und Anmeldung (Si apre in una nuova finestra)

Medienbildungsangebote für Eltern und Familien

Flexibler Zeitpunkt

BITS21 bietet im Auftrag der Medienanstalt Berlin-Brandenburg verschiedene Schulungsformate für Eltern an. Diese sind flexibel terminierbar und liegen preislich zwischen kostenlos und 250 Euro. Infos:

https://www.bits21.de/Medienkompetenzzentrum/194_Angebote_fuer_Eltern_und_Familien.htm (Si apre in una nuova finestra)

Hörtipp: Mit der Direktorin der MABB, Dr. Eva Flecken, sprach ich im Podcast über die Angebote und den Auftrag der MABB und über den Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt.

https://marcofechner.de/60-dr-eva-flecken-direktorin-der-medienanstalt-berlin-brandenburg/ (Si apre in una nuova finestra)

4. Aktuelles:

Das “Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer”

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie hat eine Studie in Auftrag gegeben, um die Gewaltvorfälle und das Gewaltpotential in Berliner Schulen wissenschaftlich erheben zu lassen. Das Ergebnis ist das “Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer”.

Die Ergebnisse sind bedrückend: Gewalt findet sich an allen Berliner Schulformen und in allen Bezirken und dies häufig in einem Umfang, der neben Kindern, Jugendlichen und schulischem Personal auch einem geregelten Schulbetrieb schadet.

Die ausführlichen Ergebnisse finden sich hier. (Si apre in una nuova finestra)

Interview mit der Bildungssenatorin

Mit Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) kam ich jüngst unter Anderem in den Austausch darüber, wie sie verschiedenen Formen von Gewalt an Schulen begegnen möchte, wir sprachen über die Sprachkompetenzen der Jüngsten und Jugendbeteiligung. Nachhören:

https://marcofechner.de/116-wie-wollen-sie-die-schulen-vor-gewalt-schuetzen-frau-senatorin/ (Si apre in una nuova finestra)

Hörtipp:

Die Schule ist ein Zankapfel: Was sollen Kinder lernen, wie sinnvoll sind Noten, welche Chancen haben Schüler aus armen Familien? Darüber streiten Politiker, Eltern, Experten. Neu ist das nicht. Manche Debatte wurde schon im 19. Jahrhundert geführt. Im “Der Rest ist Geschichte”-Podcast wurde das Thema aufgegriffen.

https://open.spotify.com/episode/01PonDpGQBWt4QlHnn2GfJ?si=b6280954d76249d5 (Si apre in una nuova finestra)

Bis nächste Woche. Wenn Ihnen der Newsletter gefällt, empfehlen Sie ihn gern weiter.

Marco Fechner

In eigener Sache

Ein so anspruchsvolles Produkt wie die „Berliner Mischung“ mitsamt Podcasts, Newsletter, Beiträgen und Recherchen benötigt viel Zeit und Leidenschaft. Leidenschaft fürs Thema habe ich und die Zeit nehme ich mir. Da ich der Meinung bin, dass Bildung auch finanziell barrierefrei sein sollte und deshalb auch die Debatten hierum, möchte ich meine Angebote nicht hinter einer Paywall unterbringen.

Wenn Sie die Aufrechterhaltung dieses Angebots (Kosten fürs Hosting, Technik für den Podcast etc.) jedoch mit einem kleinen freiwilligen Beitrag von 4€ oder 7€ pro Monat supporten möchten, würde ich mich freuen und kann die „Berliner Mischung“ dann auch mittel- und langfristig aufrecht erhalten.

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