von Bernd Schwickerath und Christoph Fetzer
In den „Best-of-seven“ blicken wir auf die Highlights der Eishockey-Woche.
Thema der Woche: Die NHL startet in die Play-offs

Während in Europa bereits seit Wochen Play-offs gespielt werden, geht es in der NHL erst an diesem Samstag los. Wir schauen auf jede einzelne Serie und sagen euch, was für das eine und was für das andere Team spricht. Los geht’s.
Eastern Conference
Carolina Hurricanes (1.) gegen Ottawa Senators (6.)
Was spricht für Carolina?
Zuerst mal, dass es langsam mal an der Zeit ist. Kaum ein anderes Team ist seit Jahren so stark in der Hauptrunde. Nur will es halt in den Play-offs nie für den ganz großen Wurf reichen. Auch dieses Jahr sah es in der Regular Season wieder gut aus. Carolina ist und bleibt eins der besten Teams, was Spielanteile, Expected Goals und echte Tore angeht. Nicht umsonst standen die Hurricanes am Ende ganz oben in der Eastern Conference. Den einen Superstar gibt es zwar nicht, aber Seth Jarvis schoss immerhin zum dritten Mal in Folge 30 Tore, auch Sebastian Aho ist weiter in Form. Ob es dieses Jahr so weit ist? Keine Ahnung, aber kommt Carolina an seine Normalform heran, müsste es für einen Sieg gegen Ottawa allemal reichen.
Was spricht für Ottawa?
Dass das Team nun mehr Erfahrung hat als im Vorjahr. Da ging es für die aktuelle Generation um Tim Stützle, Brady Tkachuk und Jake Sanderson erstmals in die Play-offs, nun kennt sie das bereits. Allerdings stellt sich die Frage, ob Tkachuk fit ist und sein typisches Spiel spielen kann. Linus Ullmark hat das zuletzt endlich mal getan. Seine Gesamtzahlen sehen immer noch nicht gut aus, aber die spiegeln weder seine grundsätzliche Qualität noch seine Form wider. Generell waren die Senators-Torhüter über Monate richtig schwach, hielten unter 90 Prozent. Obwohl es Ottawa gut versteht, seine Gegner außen zu halten. Erst recht seit der Olympiapause, da gehören die Senators in diversen Statistiken zu den besten Teams der Liga. Gerade was xG bei Fünf-gegen-Fünf angeht, gilt das sogar für die komplette Saison, da steht Ottawa auf Rang drei. Das Problem ist nur: Auf Rang zwei steht Carolina. Damit es gegen die Hurricanes reicht, muss schon sehr viel richtig laufen.
Buffalo Sabres (2.) gegen Boston Bruins (5.)
Was spricht für Buffalo?
Die Euphorie. Die Halle in Buffalo wird brodeln. Denn erstmals seit 2011 sind die Sabres wieder in den Play-offs. Und das als Sieger der Atlantic Division. Möglich macht das eine tiefe Offensive um 40-Tore-Mann Tage Thompson und eine Defensive, die es mit so gut wie jedem NHL-Team aufnehmen kann. Rasmus Dahlin hatte zwar privat schwere Zeiten durchzumachen (seine Verlobte Carolina Matovac bekam eine Herztransplantation und verlor das gemeinsame Baby), aber sportlich spielte er eins der besten Jahre seiner Karriere, wird gar als Verteidiger des Jahres gehandelt. Hinzu kommen Mattias Samuelsson, Bowen Byram und Owen Power. Und dann wären da noch die Torhüter Alex Lyon und Ukko-Pekka Luukkonen, von denen nicht viel erwartet worden war, die aber beide unter den Top-20-Goalies der Liga stehen. Nun sehen die echten Tore besser aus als die erwarteten oder die Spielanteile, aber Buffalo kam nicht zufällig oder gar unverdient in die Play-offs. Gegen Boston sind die Sabres sogar der Favorit.
Was spricht für Boston?
Vor allem drei Leute: Jeremy Swayman, Charlie MacAvoy und David Pastrnak. Nach einem schwachen Jahr, das für ihn wegen der langwierigen Vertragsverhandlungen keine Vorbereitung kannte, ist Swayman diese Saison wieder voll da. Mit rund 29 Gegentoren weniger als erwartet (bester Wert aller Play-off-Torhüter) war er der entscheidende Mann, warum es gleich im ersten Jahr von Marco Stum in die Play-offs ging – eigentlich hatte Sturm das ja selbst nicht erwartet. Das lag auch an Pastrnak, der erneut 100 Punkte machte. Allerdings ist die Abhängigkeit vom Tschechen auch ein Problem. Morgan Geekie als zweitbester Scorer kommt gerade mal auf 68 Punkte. Davon waren zwar 39 Tore, aber in Sachen Tiefe können die Bruins nicht mit Buffalo mithalten. Dafür braucht es überragende Einzelleistungen – gut, dass ihr Torwart und ihr bester Stürmer in Topform sind.
Tampa Bay Lightning (3.) gegen Montreal Canadiens (4.)
Was spricht für Tampa Bay?
Die Erfahrung, die Tiefe und vor allem der deutlich bessere Torhüter. Bei Montreal konnte Samuel Montembeault seine starke Vorsaison nicht ansatzweise bestätigen, und auch Jakub Dobes hat trotz seiner starken Form zuletzt nicht die Qualität von Andrei Vasilevskiy. Zwar muss der es auch mal wieder in den Play-offs zeigen, aber auf dem Papier haben die Lightning im Tor einen Riesenvorteil. Und dann gibt es ja noch Leute wie Nikita Kucherov (130 Punkte), Brayden Point oder Brandon Hagel, die zusammen mindestens so stark sind wie Nick Suzuki, Cole Caufield und Juraj Slafkovsky auf der anderen Seite. Zwar schmerzt der Ausfall von Victor Hedman, aber der Rest fing den Verlust im Kollektiv auf. Niemand in der NHL ließ weniger Großchancen zu als Tampa. Hinzu kommt eben die Erfahrung. Zahlreiche Leistungsträger waren schon bei den Cup-Siegen 2020 und 2021 (im Finale gegen Montreal!) dabei. Die Lightning haben durchaus Chancen, dieses Jahr den nächsten zu holen. Auch wenn gleich die erste Runde hart und lang werden dürfte.
Was spricht für Montreal?
Gleich mehrere Spieler hatten historisch gute Saisons. Lane Hutson machte die meisten Verteidiger-Vorlagen der Klubgeschichte, Cole Caufield war der erste seit 36 Jahren, der die 50-Tore-Marke knackte, Nick Suzuki der erste seit 40 Jahren, der 100 Punkte machte. Die beiden und Juraj Slafkovsky bilden eine Reihe, die sich vor keiner in der Liga verstecken muss. Probleme könnte es aber in der Tiefe geben, die zweite Reihe mit Ivan Demidov, Alex Newhook und Alexandre Texier wäre in den meisten Play-offs-Teams wohl eher eine dritte. Zudem sind die Verteidiger Noah Dobson und Alexandre Carrier angeschlagen. Dennoch gehörten die Canadiens seit der Olympiapause zu den heißesten Teams der Liga. Aber über die gesamte Hauptrunde hinweg gab es abgesehen von den Topspielern Luft nach oben, in mehreren Statistiken stehen die Canadiens nicht mal in der oberen Tabellenhälfte. Aber vielleicht muss es ja dieses Jahr noch gar nichts mit einem langen Play-off-Run werden. Montreals Team baut sich gerade erst so richtig auf, selbst wenn es jetzt gegen Tampa scheitern sollte, kann ihm die Erfahrung langfristig helfen.