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Kuba: Wie Trump unfreiwillig zum Solarteur des Jahres wurde

Trumps Öl-Embargo gegen Kuba treibt die schnellste Solar-Revolution der Welt voran. Die Gewinner: China und die Erneuerbaren.

Mann schiebt braunes Fahrrad
Foto von MJ Haru auf Unsplash

Es gehört zur bitteren Ironie der Geopolitik, dass ausgerechnet Donald Trump zum wirksamsten Beschleuniger der Energiewende in der Karibik geworden ist. Sein faktisches Öl-Embargo gegen Kuba, kombiniert mit der Drohung, jeden Staat mit Zöllen zu belegen, der die Insel mit Erdöl beliefert, hat die schlimmste Energiekrise seit Jahrzehnten ausgelöst.

Doch statt Kuba in die Knie zu zwingen, treibt der Druck eine beispiellose Solar-Revolution voran.

Die Zahlen sind beeindruckend: Innerhalb eines Jahres ist der Anteil der Solarenergie an Kubas Stromerzeugung von mageren 5,8 Prozent auf rund 20 Prozent gestiegen. Im Februar 2026 meldete das kubanische Energieministerium stolz einen neuen Rekord: Mehr als 900 Megawatt Solarleistung zur Mittagsspitze, genug, um in diesem Moment ein Drittel des Landes mit Strom zu versorgen.

Dave Jones vom britischen Energie-Thinktank Ember nennt es „vielleicht die schnellste Solar-Revolution weltweit". Wobei etwa Pakistan oder Indien ebenfalls längst den Solar-Turbo gezündet haben.

China liefert, was Trump verbietet

Hinter dem Boom steht ein mächtiger Partner: China. Peking hat seine Exporte von Solarausrüstung nach Kuba von etwa 5 Millionen Dollar im Jahr 2023 auf 117 Millionen Dollar im Jahr 2025 gesteigert. Chinesische Unternehmen produzieren und liefern nicht nur die Panels, sondern bauen die Solarparks gleich selbst. Von 92 geplanten Solarparks bis 2028 ist bereits mehr als die Hälfte in Betrieb. Satellitenbilder zeigen, wie innerhalb weniger Wochen ganze Cluster von Solaranlagen aus dem Boden sprießen.

Das unterscheidet Kuba von anderen Ländern, die chinesische Solartechnik nutzen. In Pakistan etwa kaufen Haushalte und Unternehmen einzelne Panels und installieren sie selbst. In Kuba dagegen übernehmen chinesische Firmen den kompletten Aufbau. „China installiert nicht massenhaft kleine Solaranlagen auf der ganzen Welt", sagt Ember-Analyst Jones. „Was wir in Kuba sehen, ist ziemlich einzigartig."

Fossile Abhängigkeit als Waffe

Was in Kuba geschieht, illustriert ein Muster, das weit über die Karibik hinausreicht. Fossile Abhängigkeit wird zur geopolitischen Waffe: Wer vom Öl abhängt, ist erpressbar. Trump nutzt diese Abhängigkeit, um Kubas kommunistische Regierung unter Druck zu setzen. Er hat unverhohlen angekündigt, Kuba „in irgendeiner Form zu übernehmen". Nach der Festnahme von Venezuelas Machthaber Maduro und der Tötung von Irans oberstem Führer Khamenei wirken solche Drohungen keineswegs hohl.

Doch der Druck erzeugt Gegendruck. „Fossile Abhängigkeit reißt nationale Sicherheit und Souveränität weg und ersetzt sie durch Unterwürfigkeit und steigende Kosten", warnte UN-Klimachef Simon Stiell in Brüssel. Sein Satz fasst das Dilemma präzise zusammen: Sonnenlicht ist nicht auf verwundbare Seestraßen angewiesen.

Chinas Überproduktion findet ihren Markt

Für China ist Kuba mehr als ein humanitäres Projekt. Die Unterstützung dient strategischen Interessen. Peking hat ein Interesse am Überleben eines befreundeten Regimes in unmittelbarer Nähe der USA. Gleichzeitig fliegt die Hilfe „unter dem Radar", wie der Lateinamerika-Experte Evan Ellis vom U.S. Army War College formuliert: Solarpanels zu liefern provoziert weniger Gegenreaktionen als Waffenlieferungen.

Quelle: Ember

Vor allem aber löst Kuba ein wirtschaftliches Problem: Chinas massive Überproduktion an Solarmodulen braucht Abnehmer. Die geopolitische Krise, die Trump mit seiner aggressiven Außenpolitik auslöst, schafft genau diese Nachfrage. Länder, die unter fossiler Erpressung leiden, werden zu dankbaren Kunden für chinesische Solartechnik. Pan Deng, ein prominenter chinesischer Lateinamerika-Forscher, bringt es auf den Punkt: Chinas Stärke bei „neuen Energietechnologien" mache es zum unverzichtbaren Partner der Region.

Die Grenzen der Solar-Revolution

So beeindruckend der Ausbau ist, er reicht noch lange nicht. Noch Anfang 2024 stammten bis zu 95 Prozent von Kubas Energie aus fossilen Quellen. Kubas Präsident Díaz-Canel räumte in einer Rede ein: „Selbst mit allem, was wir zusammenbauen, brauchen wir immer noch Öl." Solarenergie liefert tagsüber, doch der Spitzenbedarf fällt auf die Abendstunden zwischen 19 und 20 Uhr.

Deshalb ist die nächste Herausforderung klar: Batteriespeicher. Große Speichersysteme sind teuer und aufwändig zu installieren. Doch auch hier liefert China: Die Exporte von Batterien nach Kuba steigen rasant. Jones vom Thinktank Ember sieht die Fortschritte bei der Batterietechnologie als „unglaublich" an. Gleichzeitig fehlt vielen Kubanern schlicht das Geld für eigene Solaranlagen. Ein Heim-Solarkit kostet rund 5.000 Dollar, unerreichbar für die meisten Familien.

Was Kuba für die Welt bedeutet

Kubas Solar-Revolution ist ein Lehrstück in mehrfacher Hinsicht. Sie zeigt, wie schnell ein Ausbau erneuerbarer Energien gelingen kann, wenn der politische Wille und die Rahmenbedingungen stimmen. Sie zeigt auch die Verwundbarkeit fossiler Energiesysteme: Wer vom Öl abhängt, ist den Launen geopolitischer Machtkämpfe ausgeliefert. Und sie zeigt, dass Chinas Dominanz bei erneuerbaren Energien längst über den Handel hinausgeht: Peking nutzt Solartechnik als geopolitisches Instrument, um Einfluss zu gewinnen, wo die USA Druck ausüben.

Trump mag davon träumen, Kuba „in irgendeiner Form zu übernehmen". Doch sein Öl-Embargo erreicht das Gegenteil dessen, was er beabsichtigt: Es beschleunigt die Abkehr von fossilen Energien und treibt die Insel in die Arme Chinas. So wird der selbsternannte Fossile-Energien-Präsident zum unfreiwilligen Solarteur des Jahres.

Lesen Sie auch: Von der Leyen fordert Solar-Turbo und rüffelt Katherina Reiche (Si apre in una nuova finestra)

Quellen:

https://www.economist.com/the-americas/2026/02/26/donald-trumps-oil-embargo-reveals-a-solar-boom-in-cuba (Si apre in una nuova finestra)https://www.slashgear.com/2125434/china-cuba-solar-power-record-900-mw/ (Si apre in una nuova finestra)

Artikel auf (Si apre in una nuova finestra)washingtonpost.com (Si apre in una nuova finestra) lesen > (Si apre in una nuova finestra)

https://www.washingtonpost.com/world/2026/02/28/china-cuba-solar-trump-oil-blockade/ (Si apre in una nuova finestra)

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