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Nur gut, nicht sehr gut

Meine größte Enttäuschung des Jahres // Die Hessentour startet

Das Titelblatt meiner Abiturprüfung

Hallo ihr Lieben,

Enttäuschung. Es ist ein großes Wort, das mich in dieser Ausgabe der “kleinen Hoffnungsmail” leitet. Die größte Enttäuschung für mich war in diesem Jahr eine Abiturprüfung. Genauer: meine fünfte Abiturprüfung. Ich hätte wie der Rest meines Jahrgangs einfach eine Präsentation halten können. Aber nein, ich wollte etwas Besonderes machen. Eine interaktive Stadtführung sollte es werden. Ich wollte Podcastfolgen dazu aufnehmen. Ich wollte mich durch das halbe Stadtarchiv wühlen. Ich wollte mein Herzensthema voll auskosten, mich voll herausfordern. Und so stürzte ich mich mit Dutzenden Arbeitsstunden in das Projekt, in der ich die Presselandschaft Wiesbadens untersuchte - von der Nassauischen Revolution bis zum Lokalradio.

Das Ergebnis: 11 Punkte. Eine glatte Zwei. Meine Methoden: gut. Formale Fehler: vorhanden. Der Inhalt: zwar gut recherchiert, nur leider hatte ich in meiner Reise durch die Geschichte die Weimarer Republik vergessen. Ich war geplättet. Und maßlos enttäuscht. Wie konnte ein Projekt, in das ich so viel Zeit und Mühe investiert hatte, derart schief gehen? Was hatte ich falsch gemacht? Und warum? Für ein paar Tage riss mir dieses Ergebnis wirklich den Boden unter den Füßen weg.

Hoffnung kann eine leere Floskel sein. Gerade dann, wenn es um uns selbst geht, entscheidet sich, ob wir dieses Wort mit Leben füllen. Da hatte ich die kleine Hoffnungsmail initiiert, mehrere Profipolitiker und Schauspielerinnen nach ihrer Hoffnung befragt, und drohte nun selbst in die Hoffnungslosigkeit zu rutschen. Weil es plötzlich eben nicht mehr um die Gesellschaft ging, sondern um mich persönlich.

Gleichzeitig fängt Hoffnung immer bei uns selbst an. Und wenn wir uns eine Gesellschaft wünschen, die positiver auf die Zukunft blickt, wenn wir uns gute Laune auf den Straßen, wenn wir uns Zuversicht wünschen: dann müssen wir eben selbst damit anfangen. Nicht immer klappt das. Nach meiner Abiturprüfung habe ich direkt gespürt, was mein Verhalten für einen Unterschied macht. Missmutig ging ich durch den weiteren Tag, irritierte Nachbarn, verärgerte meine Familie. Aber die war es dann auch, die mich wieder auffing, mir Mut machte, mir zeigte, was ich sonst so alles schaffen kann. Ja, Hoffnung fängt bei uns selbst an. Ja, das wichtigste ist, nie die Hoffnung darin zu verlieren, dass man selbst etwas schaffen kann. Aber wir brauchen auch andere, um unsere Hoffnung erhalten zu können. Andere, die uns manchmal auch zeigen: Gut zu sein, ist gut. Sehr gut zu sein, nicht immer möglich. Und vielleicht auch gar nicht immer gesund.

Diese Ausgabe der “kleinen Hoffnungsmail” war die letzte in der bisher gekannten Form. Denn ab jetzt bin ich kein Schüler, kein Abiturient mehr, sondern ein Reisender. Und gewissermaßen vergrößert sich das Projekt, das ich mit diesem Newsletter angestoßen habe:

Ab dem 1. Juli mache ich mich auf, um ein Jahr lang als freier Journalist alle 421 Städte und Gemeinden in Hessen zu besuchen. In jeder Kommune will ich Menschen und Projekte treffen, die in diesen hitzigen Zeiten nicht bei den Problemen verharren, sondern Lösungen anbieten. Der KI-Roboter im Pflegeheim. Die Dorfkneipe in Genossenschaft. Oder der Jugendliche, der sich mit 20 für den Beruf des Bestatters entscheidet. Von meinen Erlebnissen werde ich alle zwei Wochen in der Frankfurter Rundschau in einer Kolumne berichten, drei Mal in der Woche in Beiträgen für Radio Frankfurt, und jeden Monat in einem Podcast mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung.

Diesem Newsletter sollen die schönsten Geschichten vorbehalten sein. Wie gewohnt sonntags um 8 Uhr wird er erscheinen, und das auch unter dem alten Namen: “die kleine Hoffnungsmail”. Es wird hier aber noch mehr um einzelne Personen und ihre Lebensgeschichten gehen. Und ihr werdet die Möglichkeit bekommen, mich und meine Reise mit einer freiwilligen Spende zu unterstützen. Mehr dazu verrate ich in der nächsten Woche. Seid gespannt!

Good News der Woche #12 - Eine Woche gratis mit dem Zug durch Polen

Wer nicht wie ich in Hessen bleiben will: Mit dem „Deutsch-Polnischen-Freundschaftspass“ können 30.000 junge Menschen aus Deutschland sieben Tage kostenlos mit der Bahn durch Polen reisen. 18- bis 27-Jährige können sich ab September bewerben. Das Angebot soll jungen Menschen die Chance geben, das Nachbarland zu erkunden und neue Kontakte zu knüpfen.

https://www.watson.de/nachhaltigkeit/good-news/321668525-urlaub-in-polen-30-000-deutsche-erhalten-kostenlose-zugtickets (Si apre in una nuova finestra)

Immer weiter gehen

Euer Hendrik