I dream away December
Cause it gets dark around five
And the streets, they never stop talking
Have you heard, supposed to snow tonight
(Japandroids)
173/∞
Good evening, Europe!
Das Buch (Si apre in una nuova finestra) ist soweit fertig geschrieben und lektoriert. Es waren mitunter etwas anstrengende zehn Wochen, aber niemand will einen Autor jammern hören und für die meisten Menschen (meist vor allem: Mütter) sind solche stressigen Phasen die Regel und nicht die Ausnahme. Lasst mich nur so viel sagen: Ich sehe mich in meiner Einschätzung bestätigt, dass Lohnerwerbstätigkeit, Privatleben und Freizeit grundsätzlich nicht vereinbar sind (und Carsten Linnemann (Si apre in una nuova finestra) eine dampfplaudernde Flachpfeife ist).
Ein derart monolithisches Projekt so spät im Jahr hat natürlich Auswirkungen auf alles, was sonst in diesem Zeitraum stattfinden würde: Wir haben erst diese Woche angefangen, Weihnachtsdekoration aufzuhängen, Plätzchen zu backen und Weihnachtslieder zu hören. Statt Ende November haben wir den Tannenbaum erst am 8. Dezember geholt und aufgestellt — und geschmückt ist er auch noch nicht, weil zwischendurch so viele andere Dezember-Termine stattfinden, dass wir kaum zuhause sind.

Ich liebe Weihnachten, aber ich stelle jedes Jahr aufs Neue fest, dass „Weihnachten“ für mich eine etwas andere Bedeutung hat als für die meisten anderen Menschen: Für mich heißt es, auf der Couch zu liegen, meine Weihnachtsplaylist (Apple Music (Si apre in una nuova finestra), Spotify (Si apre in una nuova finestra)) zu hören, Tiramisu direkt aus der 500-Gramm-Packung zu löffeln, und mein traditionelles Weihnachtsprogramm zu schauen: „Stirb langsam“, „Schöne Bescherung“, „ Fröhliche Weihnachten, Charlie Brown“ und „Die Muppets-Weihnachtsgeschichte“, Darts-WM und - zwischen Weihnachten und Neujahr - Geschichts- und Reisedokus (Si apre in una nuova finestra).
Solange das Kind will, gehören natürlich Geschenke und Familienbesuche dazu, aber das ist sein Weihnachten, das ich mit aller elterlichen Hingabe so schön wie möglich gestalten möchte, nicht meins. Ich hatte dieses andere Weihnachten, solange meine Großeltern noch lebten (wobei ich auch damals schon Muppets und Dokus geguckt habe — das wenigste im Leben ist ja entweder/oder) und wir Geschwister über die Feiertage noch zu unseren Eltern gefahren sind. Ich habe viele schöne Erinnerungen an diese Zeit (und die unschönen, die mit solch erwartungsvollen Großereignissen ja fast zwangsläufig einhergehen, erfolgreich verdrängt), jetzt ist eine andere Zeit — so ist das Leben.
So bin ich auch noch nicht dazu gekommen, mich für die vielen netten Rückmeldungen zur letzten Ausgabe (Si apre in una nuova finestra) zu bedanken!
Manche haben mir ähnliche Timeline-Probleme geschildert wie ich sie mit Maria Riva und Marlene Dietrich hatte. Und dann kamen der 100. Geburtstag von Rock Hudson und bald würden Tana Schanzara und Hildegard Knef 100 (die auch schon 2008 bzw. 2002 gestorben sind). Brigitte Mira wurde 1910 geboren und ist schon über 20 Jahre tot?! Und: Bin ich eigentlich das einzige Millennial, dem diese Namen noch vertraut sind?
Der Fernsehabschied von Thomas Gottschalk am vergangenen Samstag hat mich an Paola und Kurt Felix erinnert, die „Verstehen Sie Spaß?“ moderiert haben, bevor Harald Schmidt die Sendung übernahm; an Rudi Carrell, Dieter Thomas Heck und Hans-Joachim Kulenkampff. Peter Frankenfeld war schon tot, als ich auf die Welt kam, aber weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk schon in meiner Kindheit eine gewisse Nostalgiebesoffenheit an den Tag legte,1 bin auch ich mit der Bowle (Si apre in una nuova finestra) und der Wetterkarte (Si apre in una nuova finestra) aufgewachsen. Und, seien wir ehrlich: Beides ist handwerklich sehr viel besser als Vieles, was danach kam.
Mein Newsletter-Dienstleister Steady schreibt mir, ich solle doch die Preise für meine Bezahl-Abos erhöhen, am Besten noch für Bestandskund*innen.
Ich möchte niemanden kritisieren, der sowas macht, aber: Ihr seid Menschen, die für etwas Geld ausgeben, was Ihr auch kostenlos haben könntet — ich bin Euch jeden Tag dankbar und freue mich, dass Ihr mich unterstützt. Da fordere ich doch nicht plötzlich mehr Geld!
Es wird eh alles immer teurer, da ist es doch schon toll genug, dass Ihr überhaupt für diesen Newsletter bezahlt! Und während ich ja immer dafür bin, dass Gewerkschaften höhere Löhne für die Arbeiter*innen erkämpfen, fühle ich mich in diesem Kontext zunächst einmal als Generaldirektor dieses Newsletters und dann als unorganisierter Leibeigener im Steinbruch der Kreativität. Wenn der Arbeiternehmer-Lukas mehr Geld bekommen soll, muss der Arbeitgeber-Lukas neue Märkte erschließen.
Und da könntet Ihr mich dann tatsächlich unterstützen, auch, wenn Ihr nicht zahlt (was natürlich eh völlig legitim ist): Ich veröffentlich ja, wie gesagt, nächstes Jahr ein Buch und mache auch wieder Musik und würde generell gerne mehr Spaß-Projekte machen und gleichzeitig Geld bekommen — und all das funktioniert umso besser, je größer das Publikum dieses Newsletters ist.
Falls Ihr mir also zu Weihnachten etwas Gutes tun wollt, empfehlt diesen Newsletter gerne ein paar Personen — eine reicht, zwei bis drei wäre mega!
Je mehr Abonnent*innen dieser Newsletter hat, desto mehr werden sich - in absoluten Zahlen - vielleicht dazu entscheiden, dafür zu zahlen. So steigen meine Einnahmen, ohne dass ich die Preise erhöhen muss. Und wenn ich hier mehr Abonnent*innen habe als Follower auf Instagram, kann ich mich dort langsam zur Ruhe setzen.
Extra zum Fest habe ich mir etwas ganz besonderes ausgedacht: das Geschenk-Abo! Für 12 Euro im Monat oder 120 Euro im Jahr bekommt Ihr den ohnehin kostenlosen Newsletter, exklusive Texte, meinen größten ewigen Dank und könnt Euer Abo mit zwei weiteren Personen teilen (d.h. es kostet eigentlich maximal 4 Euro pro Person und Monat).
Wie es sich für Cyber-Friday-Single-Christmas-Deals gehört, ist das das Angebot zeitlich begrenzt: Ihr könnt es nur bis einschließlich 6. Januar buchen!
Die anderen Abonnements gibt es natürlich weiterhin (auch zum alten Preis) und ich freue mich sehr über jede Unterstützung!
Und weil die Frage immer wieder aufkam: Wenn Ihr kein Abo abschließen, aber mir vielleicht zum Jahresende einen Kaffee oder einen Ingwer-Shot ausgeben wollt, könnt Ihr das bei PayPal (Si apre in una nuova finestra) machen. Vielen Dank, ich weiß das sehr zu schätzen!
Was hast Du veröffentlicht?
Irgendwie hab ich es nebenher noch geschafft, ein Mixtape für den November zusammenzustellen. Das gibt es jetzt bei Spotify (Si apre in una nuova finestra) und - weil Spotify bekanntlich böse ist - auch bei Apple Music (Si apre in una nuova finestra) (wo es auch besser klingt).
Was hast Du gehört?
SWR3 hat offenbar ein Podcast-Format namens „1 plus 1 — Freundschaft auf Zeit“, wo jeden Monat zwei berühmte Menschen, die sich vorher idealerweise noch nie über den Weg gelaufen sind, in ein Studio gesperrt werden und vier gemeinsame Folgen aufnehmen. Die Idee ist natürlich erstmal genial;2 ich bin jetzt darüber gestolpert, weil im November (Si apre in una nuova finestra) mit Stefanie Heinzmann und Jasna Fritzi Bauer gleich zwei Frauen zu Gast waren, denen ich auf Instagram folge.
Ich kann also nur über dieses Duo sprechen, aber das funktioniert wirklich gut: Die beiden sind, wie erwartet, toll und harmonieren sehr gut miteinander, sie springen wild durch alle Themenfelder und sind dabei erfrischend bodenständig, differenziert und nerdy. Dadurch, dass die Folgen nicht alle auf einmal, sondern mit zeitlichem Abstand aufgezeichnet werden, kann man die Dynamik zwischen den beiden ganz gut nachvollziehen. Gut: Vier Folgen sind ungefähr eine zu viel (und ich habe den Verdacht, dass bei anderen Kombinationen die Grenze noch niedriger liegen könnte), aber ich war trotzdem traurig, als ich mit allen durch war, denn es fühlte sich für mich an, als dürfte ich auch mit am Tisch sitzen und Teil einer sehr sympathischen Gruppe werden. Die Umsetzung für einen deutschen Podcast erstaunlich gelungen; die Beamten-Rundfunk-Formatierung „Wir haben beide Personen nach dem Gespräch unabhängig voneinander befragt“ ist angenehm nach einem Trailer am Ende jeder Folge platziert, man kann sie also bequem überspringen.
Ich hab aber auch ein bisschen Musik gehört: Aaron Parks ist ein amerikanischer Jazz-Pianist, der so alt ist wie ich, aber mit 18 schon sein erstes Album veröffentlicht hat. Jetzt ist beim renommierten Label Blue Note sein neues Album „By All Means“ (Blue Note; Apple Music (Si apre in una nuova finestra), Spotify (Si apre in una nuova finestra), Amazon Music (Si apre in una nuova finestra), Tidal (Si apre in una nuova finestra), YouTube Music (Si apre in una nuova finestra)) erschienen, auf dem es sehr guten Cool Jazz zu hören gibt. Es klingt immer so gemein, wenn man sagt, etwas sei „gute Hintergrundmusik“, aber es ist wirklich gute Musik, die man sowohl laut und bewusst, aber auch eher eher im Hintergrund hören kann.
Was hast Du gesehen?
Die aktuelle, zehnte Staffel „Ninja Warrior Germany“ geht gerade zu Ende, die Darts-WM hat gestern begonnen — und irgendwo müssen wir noch die ganzen traditionellen Weihnachtsfilme unterbringen („Stirb langsam“ natürlich ohne Kind). Außerdem hat sich YouTube zu meinem neuen Lieblingsmedium entwickelt, aber darüber muss ich Euch demnächst mal mehr erzählen.
Was hast Du gelesen?
Mein Freund und Kollege Stefan Niggemeier hatte einen tollen, sehr besonderen Hund namens Bambam, der vor etwa zweieinhalb Jahren gestorben ist (s.a. Newsletter #116 (Si apre in una nuova finestra)). Oder, genauer: Stefan hat ihn einschläfern lassen. Und über diese Entscheidung, aber auch über Bambams letzte Tage, die Erinnerungen und die Sinnlosigkeit von Spaziergängen ohne Hund, hat Stefan jetzt einen wunderschönen Text für die „Zeit“ (Si apre in una nuova finestra) (hinter der Bezahlschranke) geschrieben.
Psycholog*innen der Università Cattolica del Sacro Cuore in Mailand, haben herausgefunden, dass eine Person im Batman-Kostüm in der U-Bahn dafür sorgt, dass andere Menschen eher ihren Sitzplatz einer schwangeren Frau anbieten. Oder, abstrakter: Das plötzliche Erscheinen von etwas Unerwartetem im Alltag bringt die Menschen dazu, aus ihren Automatismen auszubrechen, ihre Umwelt aufmerksamer wahrzunehmen und am Ende altruistischer zu agieren. Hier (Si apre in una nuova finestra) gibt’s die Zusammenfassung der Studie.
Jürgen Roth hat sich für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Si apre in una nuova finestra) mit der Rhetorik des Friedrich Merz auseinandergesetzt: mit dessen zwanghafter Überakzentuierung, den ganzen ausgelutschten Hendiadyoin („mit Fug und Recht“, „recht und billig“, „kreuz und quer“) und den performativen Sprechakten, bei denen Merz erklärt, dass er das, was er gerade sagt, „deutlich“ sagen „will“ (meist, natürlich: „klar und deutlich“). Es ist ein sehr unterhaltsamer Text (zumindest, wenn man, wie ich, Linguistik-Ultra ist), nach dessen Lektüre man dem Bundeskanzler noch viel weniger zuhören will als eh schon.
Was hast Du zum ersten Mal gemacht?
Vanillekipferl gebacken.
Was hast Du gelernt?
Das österreichische „Kipferl“ stammt vom Althochdeutschen „kipfa“ ab. Dieses Wort (lat. Cippus = Pfahl; mittelhochdeutsch „kipfe“) bezeichnet die vier Stangen (auch: „Hörner“ oder „Rungen“) des Leiterwagens, an denen die Seitenwände befestigt wurden.
Was hat Dir Freude bereitet?
Die Etymologie des Begriffs „Kipferl“ nachzuverfolgen.
Und jetzt: Musik!
https://www.youtube.com/watch?v=EBc8wpT6rRA (Si apre in una nuova finestra)Habt ein schönes Adventswochenende!
Always love, Luki
Als TV-Schaffender weiß ich heute natürlich: Solche Sendungen mit viel Material aus dem hauseigenen Archiv sind vergleichsweise günstig zu produzieren und verlässliche Quotenbringer. ↩
Mich erinnert sie - wie gesagt: Ich bin medial ca. 57 Jahre alt - ein bisschen an die alte Bettina-Böttinger-Talkshow „B. trifft …“ (Si apre in una nuova finestra), wo ebenfalls zwei Gäst*innen überraschend aufeinander trafen, allerdings mit Böttinger als zusätzliche Moderatorin, die die beiden zuvor noch einzeln interviewt hatte. ↩