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Die Geschichte der O (1975)

Die erfolgreiche Modefotografin O willigt aus bedingungsloser Liebe zu ihrem Geliebten René ein, sich in dem abgelegenen Schloss Roissy einer intensiven Ausbildung in totaler Unterwerfung zu unterziehen. Nachdem sie in sadomasochistischen Ritualen gelernt hat, ihren Willen gänzlich abzulegen, wird O von René an seinen dominanten Freund Sir Stephen weitergegeben, dem O ebenfalls gehorcht und zu Diensten ist.

Die Geschichte der O ist ein Erotikfilm des französischen Regisseurs und Modefotografen Just Jaeckin aus dem Jahr 1975. Jaeckin, bekannt für Emmanuelle (1974), ließ das Thema Sadomasochismus filmisch nicht mehr los. Er drehte nach Die Geschichte der O noch Lady Chatterleys Liebhaber (1981) und Gwendoline (1984), beides ebenfalls Werke, die auf Klassikern der BDSM-Literatur fußen. Die Geschichte der O thematisiert die freiwillige Entscheidung für eine extreme Unterwerfung und die Erotik der totalen Hingabe. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Dominique Aury, einer französischen Schriftstellerin, die den erotischen Skandalroman 1954 unter dem Pseudonym Pauline Réage veröffentlichte und erst 1994 öffentlich in einem Interview ihre Autorenschaft aufdeckte. Wie schon die Vorlage von 1954, löste auch der Film bei seinem Erscheinen in einigen Ländern heftige Kontroversen aus. Im Zensurland Deutschland wurde der Film 1982 durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert und erst im Jahr 2008 von der schwarzen Liste gestrichen. In den Hauptrollen sehen wir Corinne Cléry als O, Anthony Steel als Sir Stephen und den großen Udo Kier in der Rolle des Renés. Am 23. November 2025 verstarb Udo Kier. Seinen Tod machte ich mir zum Anlass, einige seiner Filme erneut zu sichten und ihn damit zu ehren.

Obwohl Die Geschichte der O Sexszenen nur andeutet, erinnert das Werk mit seiner Ästhetik, der sphärischen Musik und der aufwendigen Ausstattung an 70er-Jahre-Pornofilme. Der Weichzeichner-Kameraeffekt ist hier das maßgebliche Element der Ästhetik. Nach heutigen Sehgewohnheiten bemessen ist das ganze eher bieder anmutend und die schamhaften Abblenden, wenn die SM-Szenen etwas härter werden, enttäuschen ein bisschen. Für die damalige Zeit war Die Geschichte der O jedoch ein durchaus transgressives Werk, das nicht umsonst zum Skandalfilm wurde. Wir sehen hier nicht nur SM-Szenen, sondern auch homosexuelle Spiele und nicht monogame Partnerschaftskonstellationen. Wenn man also den zeitlichen Kontext im Hinterkopf behält, lässt sich Die Geschichte der O vor allem auch durch die attraktiven Hautdarsteller und ihr überzeugendes Schauspiel zweifellos genießen. Man braucht zwar etwas Geduld, erlebt dann aber einen sehr poetischen Softsexfilmklassiker, der für die Sexuelle Revolution der 70er-Jahre steht.

https://www.imdb.com/de/title/tt0073115/ (Si apre in una nuova finestra)
Argomento Film