Uli wächst zusammen mit ihrer Schwester Cordula, ihrer Mutter Monika und dem distanzierten Vater Helmut in einer bürgerlichen Vorzeigefamilie in Bayern auf. Bereits als Kind träumt sie von einem Leben jenseits von Geschlechternormen. Als ihr Vater Helmut bei einem Unfall ums Leben kommt, lüftet Mutter Monika das Familiengeheimnis und schwört die Töchter zunächst darauf ein, mit keinem Menschen darüber zu sprechen. Helmut war seit seiner Jugend ein Transvestit, der aber im nahen Umfeld den bürgerlichen Schein als Lehrer, Vater und Kirchgänger bewahrte und seine Neigungen nur in der Großstadt München auslebte. Uli erhält als Erbe die private Kiste des Vaters, in der sie neben Frauenkleidern auch seine Tagebücher findet. Die Auseinandersetzung mit dem Inhalt dieser Bücher verändert Ulis Blick auf den Vater, sich selbst, die Familie und die repressive Gesellschaft zwischen katholischer Kirche und bürgerlichen Normen, in der sie aufwuchs.
Anima - Die Kleider meines Vaters aus dem Jahr 2022 ist ein mehrfach ausgezeichneter deutscher Dokumentarfilm von Uli Decker, in dem die Filmregisseurin die Geschichte ihrer Familie erzählt und das Geheimnis des Vaters sowie ihr eigenes Aufwachsen als nicht genderkonformer Mensch aufarbeitet. Die Dokumentation verwendet historische Aufnahmen, Interviews und kunstvolle Animationen, die mit einer Collagetechnik aus Familienfotos erstellt wurden und das Innenleben der Erzählerin Uli illustrieren.
Die feinfühlige Dokumentation ist ein eindringlicher und sehr intimer Film, der aufzeigt, wie bürgerlich-christliche Werte und Geschlechternormen Menschen ins Unglück stürzen können. "Ich frage mich, warum die Grenze zwischen Männlich und Weiblich so streng bewacht wird.", fragt Uli Decker in dem Film und spricht damit ein wichtiges Thema unserer Zeit an, ohne dabei dogmatisch oder belehrend zu sein.
https://www.imdb.com/de/title/tt20221818/ (Si apre in una nuova finestra)