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Die Jagd (2012)

Lucas arbeitet als Erzieher in einem Kindergarten in einer kleinen Gemeinde, in der sich alle kennen. Er hat ein sehr gutes Verhältnis zu den Kindern, dessen Eltern er teils als Freunde bezeichnet. Besonders die kleine Klara, Tochter seines besten Freundes, sucht seine Nähe. Doch als sich Klara von ihm abgewiesen fühlt, setzt sie die Lüge in die Welt, Lucas habe ihr seinen erigierten Penis gezeigt. Die Suggestivfragen der Kindergartenleitung und der Eltern an Klara zeichnen ein vollkommen falsches Bild. In Windeseile eskaliert die Situation und die Jagd auf Lucas ist eröffnet. Wie in einer Massenpsychose fallen die Dorfbewohner über den Erzieher her: Lucas verliert seinen Job sowie seine Freundin, ein Familienmitglied wird in einem Akt der Sippenhaft ermordet und er selbst wird zusammengeschlagen.

Die Jagd ist ein dänisch-schwedisches Drama von Thomas Vinterberg aus dem Jahr 2012. Mads Mikkelsen spielt die Hauptrolle. Thomas Vinterberg, neben Lars von Trier Gründer der Gruppe "Dogma 95", hat mit Das Fest (1998) und Der Rausch (2020) thematisch ähnliche Filme abgeliefert. Es geht auch hier um die dünne Firnis der Zivilisation. Unsere Zeit ist geprägt von Alarmismus und Empörung. Da kann eine Falschaussage oder ein Gerücht ausreichen, um aus aufgeklärten Sozialdemokraten einen xenophoben Fakelmob zu machen. Im Namen der moralischen Überlegenheit und des allgegenwärtigen Feindbilds der Pädophilie schrecken selbst die ach so toleranten Gutmenschen-Eltern vor Mord nicht zurück. Das Paradoxe daran ist aber, dass der statistisch gefährlichste Ort für Kinder nicht der Kindergarten, die Schule oder das Internet ist, sondern die Familie selbst.

Auch wenn ich das Ende nicht wirklich nachvollziehen kann - immerhin wurde ein Hund ermordet, und dennoch sitzen sie später wieder alle feinbürgerlich zusammen beim Essen - ist Die Jagd fantastisch gespielt und solide inszeniert. Ich kann allen, die realistische und gesellschaftskritische Filme mögen, dieses Werk nur wärmstens empfehlen.

https://www.imdb.com/de/title/tt2106476/ (Si apre in una nuova finestra)
Argomento Film