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Freier Journalismus unter Extrembedingungen

Einer der Gründe, warum ich freie Journalistin werden wollte, war die Freiheit: selbst bestimmen zu können, woran man arbeitet, wie man arbeitet und vor allem auch, wo man arbeitet. Das Homeoffice war nach Jahren im Großraumbüro ein Sehnsuchtsort für mich – stiller, bequemer und mit deutlich besser schmeckendem Kaffee.

Die meiste Zeit von zu Hause aus arbeiten zu können, ist für mich nach wie vor ein absoluter Segen. Zumindest so lange, bis Extrememperaturen herrschen. Denn was mir die vergangene Hitzewelle einmal mehr gezeigt hat: Konzentriertes Arbeiten und mehr als 25 Grad Raumtemperatur vertragen sich nur bedingt. Wenn sich die Wohnung aufheizt, wird jeder Gedanke zäh und jede Aufgabe anstrengender. Und das Homeoffice zum Sinnbild vom Dasein als freie:r Journalist:in: viel Freiheit, wenig Infrastruktur. 

Alternativen? Klimatisierte Räume gibt es – aber sie kommen selten ohne Bedingungen. Im Café etwa kauft man sich mit jeder Bestellung auch Zeit. Auf Dauer ist das weder die günstigste noch die nachhaltigste Lösung. Eine Alternative, die im Kollektiv kurzfristig angedacht wurde: Hitzefrei. 

Aber ja, auch das muss man sich leisten können - wie eben so vieles im freien Journalismus.

Und so viel hiermit zu meinem Versuch, hier in diesem Newsletter vor der Sommerpause auch mal etwas Positives zu sagen. Vielleicht schaffe ich es im nächsten.

Bis dahin wünsche ich einen schönen restlichen Sommer (ohne weitere Hitzerekorde). Der nächste Newsletter erscheint im September.

Liebe Grüße,

Naz

3 Fragen an Dennis Miskić

In unserer Serie “3 Fragen an…” befragen wir freie Journalist:innen zu ihrem Alltag in der Branche. Dieses Mal mit Dennis Miskić.

Auf dem Foto ist Dennis Miskić (Freier Journalist) zu sehen. Er trägt ein schwarzes, bedrucktes T-Shirt.

Credit: Zoe Opratko

Wie ist dir der Einstieg in den freien Journalismus gelungen?

Diese Frage stelle ich mir jede Woche aufs Neue. Es dauert lange, bis man sich in den Themen wiederfindet, ein stabiles Netzwerk aufbaut und den eigenen Rhythmus findet. Für mich war es immer der Austausch mit Kolleg*innen, von denen ich viel mitnehmen konnte. Und ich habe einfach immer viele Dinge ausprobiert. Nicht alles hat geklappt, aber dadurch konnte ich auch etwas lernen. Ich war schon auch mal zu schnell, habe Geschichten recherchiert und geschrieben, aus denen nichts geworden ist. Vor allem im Ausland bin ich oft drauflosgerannt, und am Schluss kam dann aus der Redaktion hin und wieder die Frage: „Okay, aber wieso sollte das jetzt für Leser in Österreich relevant sein?“

Mir hat es super geholfen, mit Kolleg zusammenzuarbeiten, die ich noch vom BIBER Magazin kannte und jetzt entweder selbst als freie Journalist arbeiten oder in Redaktionen – zum Beispiel der WZ – sitzen. Die Workshops im Forum für Journalismus und Medien (fjum) sind auch super Möglichkeiten, um viel zu lernen.

Welche Tipps und Tricks haben sich bei dir am besten bewährt?

Vieles war trial and error. Pitches, die nie beantwortet wurden und Recherchen, aus denen dann doch nichts wurde. Mir hat es geholfen, einen Überblick über die Medien zu haben, für die ich schreibe und sich auch mit ihnen auseinanderzusetzen. Dem Redaktionsstress zu entkommen, heißt für mich auch, einen freien Kopf für kreative Dinge zu haben und so ab und zu mal abwegige, neue Formate oder Zugänge vorzuschlagen. Sonst: Arbeitsproben mitschicken. Die Ressortleiter*innen kennenlernen. Und der Klassiker: Kontakte knüpfen und das Netzwerk pflegen.

Wie verkauft man Auslandsgeschichten am besten?

Verschiedene Medien wollen oft andere Zugänge zu Auslandsthemen haben. Da ist es wichtig, zu wissen, was diese Zugänge sind und wie sie bedient werden können. Mehrfachverwertungen können ein super Weg sein, die Recherche zu finanzieren. Leider ist es noch immer so, dass uns vor allem in Österreich nicht alles, was im Ausland passiert, auch wirklich interessiert. Hier kann es auch manchmal helfen, den Bezug herzustellen. Gewisse Auslandsthemen werden aber oft noch „weit weg“ erscheinen.

🍞 Unser täglich Brot 

Ich habe für Moment.at (Si apre in una nuova finestra) darüber sinniert, warum ich wahrscheinlich nie einen Führerschein machen (Si apre in una nuova finestra) werde. Für das MO-Magazin habe ich junge Männer im Fitnessstudio getroffen, um über die “Generation Gym (Si apre in una nuova finestra)” zu sprechen und außerdem Politikwissenschaftlerin Sieglinde Rosenberger zu 80 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention interviewt (Si apre in una nuova finestra). Für das Südwind Magazin durfte ich außerdem die afghanische Filmemacherin Zainab Entezar porträtieren. (Si apre in una nuova finestra)

Johannes hat sich unlängst zwei seiner ganz besonderen Leidenschaften gewidmet: Im Standard hat er erklärt (Si apre in una nuova finestra), wieso die SPÖ so verkrampft an ihrem Prestigeprojekt, der Lobauautobahn, festhält und im Südwind Magazin (Si apre in una nuova finestra), wieso es sich trotzdem lohnt, dagegen zu protestieren; im MO Magazin (Si apre in una nuova finestra) ist Johannes der Frage nachgegangen, wieso sich Männer am sonst so “männlichen” Fußballplatz so nahe kommen (dürfen). Außerdem hat er für jetzt.at (Si apre in una nuova finestra) über einen extrem erfolgreichen Weg berichtet (Si apre in una nuova finestra), um die Kriminalität von jugendlichen Migrant:innen zu senken - den Österreich verweigert. Für die Wiener Zeitung hat er sich angesehen, wie österreichische Forscher:innen die Aufrüstung der europäischen Grenzen unterstützen (Si apre in una nuova finestra)

Humanitäre Hilfe ist in den vergangenen Jahren zunehmend ins politische Kreuzfeuer geraten. Milena hat für das Südwind-Magazin (Si apre in una nuova finestra) mit humanitären Helfer:innen über die Lage in Gaza, Libanon, Malawi und Sudan gesprochen. Und sie hat Marianne Wamuyu und Wanjiru Koinange in Wien getroffen, um zu erfahren, wie die beiden mit dem Projekt “Book Bunk” historische Bibliotheken in Nairobi dekolonialisieren (Si apre in una nuova finestra)

💡Tipps des Monats

Wenn du Hinweise auf interessante Stipendien oder Termine hast, melde dich gerne bei uns: kontakt@fyi-kollektiv.at (Si apre in una nuova finestra)


Über uns: Wir sind das FYI-Kollektiv, ein Zusammenschluss aus sechs freien Journalist:innen. Wir machen Journalismus, gemeinsam und solidarisch. Wir, das sind: Christian Bunke, Johannes Greß, Naz Küçüktekin, Christof Mackinger, Milena Österreicher und Nadja Riahi. Einen Überblick über unsere Arbeit findet ihr hier (Si apre in una nuova finestra).