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Vom Privileg ein kreatives Leben zu führen

Was ein analoges Leben mit Selbstachtung zutun hat

“Aber wie soll ich DAS denn noch alles in meinen Alltag einbauen?!”, fragte mich vor ein paar Wochen eine Teilnehmerin in einem meiner Workshops zu digitaler Balance; nachdem ich gerade bei “Etabliere eine stille Stunde” angekommen war. “Es kommt mir vor, als könnte ich vor lauter Selbstoptimierung keinen klaren Gedanken mehr fassen!”, rief sie ebenso empört wie frustriert. Und was soll ich sagen, ich konnte ihr kaum widersprechen. Denn wenn wir ein kreatives Leben als eine zusätzliche Aufgabe und nicht als Basis betrachten, dann kann das eine echte Herausforderung sein. Insbesondere für Frauen, denn hier greift das Märchen vom ewigen “Du kannst alles sein”.

Die stille Stunde ist für mich ein geplanter, bildschirmfreier Zeitraum, in dem etwas Platz findet, das gut tut.

Mental Load im Luftschloss und die Sache mit den Prioritäten

Die Sehnsucht nach der Antwort auf diese Frage (wer wir wären, wenn wir all das würden, was wir sein wollen) ist es, die uns abends erschöpft im Bett durch die Feeds von super kreativen, erfolgreichen Frauen mit den perfekten Kindern, aufgeräumten Häusern, tollen Vorgärten, der hypererfolgreichen Unternehmen oder hochbezahlten Jobs scrollen lässt. Diese Frauen scheinen einfach alles mühelos zu jonglieren, sie haben eigene Ateliers, kochen wie Sterneköchinnen, sind immer perfekt gestylt und haben auch noch Zeit für 8-12 Hobbies. Wow.

Die Frage, “wie soll ich das denn eigentlich alles noch schaffen?” ist auf der einen Seite berechtigt, führt aber auch in die Irre. Und man kann zwei Antworten darauf finden. Achtung, das wird jetzt etwas deutlicher.

Die erste Antwort lautet nämlich: “Gar nicht.” Die zweite: “Indem Du aufhörst, ständig jede Lücke mit digitalem Müll zu füllen und Dir mit mehr Selbstrespekt begegnest.” (Ich kann fühlen, dass Du vermutlich grad etwas empört die Augenbrauen hochziehst).

Wir werden vermutlich nie alles schaffen, was wir gerne tun würden, einfach weil wir nur eine gewisse Lebenserwartung haben. Aber wir können etwas anderes tun - was gleichzeitig auf die zweite Antwort einzahlt: Wir können entscheiden, was nicht verhandelbare Prioritäten sind.

Was willst Du unbedingt erlebt haben. Was willst Du unbedingt regelmäßig in Deinem Alltag tun. Wie möchtest Du Dich fühlen, was möchtest Du lernen?

Die durchschnittliche Bildschirmzeit liegt bei etwa vier Stunden. Tendenz durch immer mehr digitaleres Leben steigend. In der Zeit, in wir dabei zum Einen zwar auch einen Teil unseres Lebens managen, schauen wir zu einem großen, sehr unbewussten und passiven Teil ANDEREN dabei zu, wie sie ihr Leben managen, während wir immer unzufriedener, gestresster und depressiver werden. Das ist nicht nur paradox, es ist fragwürdig.

Lass´ mal kurz über Privilegien reden

Der spannende Punkt bei all dem ist, dass das alles auf eine Art Luxusprobleme sind. Diese Dinge entstehen aus einer sehr priviligierten Lebensweise heraus. Auch das darf man sich einmal klar machen, aber es geht noch einen Schritt weiter. Indem wir erkennen, dass uns diese vermeintlichen Privilegien immer weiter von uns selbst entfernen, verschieben sie sich und ganz andere Dinge werden plötzlich zu einer Möglichkeit, sein Leben ganz ohne aufgedrückte Selbstoptimierungstrends in eine positive Richtung zu lenken.

Digitales Junk-Food ermüdet Deine Seele

Ja, Pommes sind super. Den ganzen Tag Pommes nicht. Jeden Tag Pommes auch nicht. Was wäre, wenn wir das, was wir den ganzen Tag konsumieren als Futter fürs Gehirn betrachten würden? Was gönnst Du Deinem Nervensystem? Mäckes oder FineDining? Was lässt Dich all das denken, was Du siehst, welche Gefühle entstehen durch diese Gedanken. Und anders herum gefragt: Welche Gedanken und Gefühle entstehen, wenn Du etwas Analoges tust? Wenn Du liest, wenn Du spazieren gehst, wenn Du etwas zeichnest, wenn Du schreibst?

Bist Du Dir High Quality Time oder auch High Quality Gedanken wert oder jagst Du lieber den schnellen Kicks hinterher? Gönnst Du Dir wertvolle Impulse oder behandelst Du das Wunderwerk in Deinem Kopf wie etwas, das man nicht pflegen müsste?

Was bist DU Dir wert?

Fokus bedeutet Reichtum

Argomento Persönliche Einblicke

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