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SlowGrowGlow

Die Wieder-Entdeckung der Langsamkeit?!

In jedem Jahr mache ich mir Gedanken darüber, wie die nächsten 365 Tage aussehen sollen. Natürlich weiß ich, dass ich darauf weniger Einfluss habe, als mir lieb wäre, aber gerade in der Selbstständigkeit fühlt man oft den Wunsch, möglichst viel Kontrolle zu haben, wohin die Reise geht.

“Life is what happens while you´re busy making other plans”

So hat es John Lennon einmal sehr treffend gesagt und in diesen mittlerweile etwas zum Kalenderspruch verkommenen, aber dennoch weisen Worten, steckt eine Menge Wahrheit. Ich habe nichts gegen Ziele und schon gar nicht gegen Visionen, ohne die größten Errungenschaften der Menschheit niemals hätten entstehen können, doch oft kommt´s dann ganz anders. Aber nicht selten wird es sogar viel besser als man dachte, denn rückblickend entdeckt man oft, dass das, was dann “außerplanmäßig” passiert ist, uns viel weiter gebracht hat, als wir es uns hätten vorstellen können.

In den letzten Jahren bin ich immer mit ordentlich hochgesteckten Zielen losgestiefelt und war hochmotiviert, sie auch zu erreichen. Und dann kam es anders. Pandemie, Ukrainekrieg und die damit verbundenen Inflationsdynamiken, Änderungen in Gesetzen, neue, bürokratische Hürden, die Liste der Umstände, die sich ändern können ist lang und bringt immer wieder neue Überraschungen.

Von der Ziel-Enttäuschung zur Überraschungs-Vorfreude

Was oft bei mir blieb ist, eine gewisse Enttäuschung darüber, dass dann das, was ich mir vorgenommen hatte, nicht geklappt hat. Dabei habe ich meinen eigenen Einfluss kolossal überschätzt. Klar, man muss schon dran bleiben, wenn man sich was vornimmt, aber auf Biegen und Brechen etwas durchzusetzen, während die Welt sich um einen herum gerade umbaut, ist nicht nur schwierig, sondern auch unter Umständen ziemlich dumm. Zumindest, wenn es an die eigene Substanz geht. Ich glaube, dass dies auch ein Punkt ist, der vielen Menschen gerade mental und seelisch zu schaffen macht, denn sie versuchen zu kontrollieren, was nicht zu kontrollieren ist. Dagegen steht ein einerseits recht unflexibles, aber gleichzeitig auch schwankendes, wirtschaftliches System, in dem wir uns alle bewegen und das uns (sowohl Selbstständigen, als auch Menschen in angestellten Berufen) im Nacken sitzt. Wer nicht leistet, fällt zurück. Und wer will das schon?!

Es fühlt sich an wie ein Hamsterrad, das ursprünglich mal dafür gedacht war, Strom zu erzeugen und damit Licht zu geben, aber wir müssen immer schneller rennen, damit noch lediglich ein müdes Glimmen entsteht. Soweit die gefühlte Wahrheit. Ganz so einfach ist es dann doch nicht, aber das würde jetzt hier zu weit führen.

Aber die Geschichte von “Du musst Dich nur kräftig anstrengen, dann kannst Du alles schaffen” ist auserzählt und die meisten von uns muckern längst, dass das nicht so ganz in letzter Konsequenz stimmt.

Und da kommen wir zum Perspektivwechsel: Wenn mich ein nicht erreichtes Ziel enttäuscht, könnte es sein, dass es mich aber motiviert, einfach mal zu gucken, was sich so zeigt? Und wenn ich mir überlege, was so ein Jahr alles für mich bereithält, könnte es nicht sogar sein, dass sich Vorfreude einstellt?

Was ist nun der SlowGrowGlow?

Die Definition lautet: “Kreatives Strahlen durch Wachstum im eigenen Tempo (zurückzugewinnen)”.

Die berühmten Neujahrsvorsätze ebben in der Regel spätestens Anfang Februar ab und müssen dem Alltagstrott weichen. Und wieder steht die Enttäuschung im Raum, “es mal wieder nicht geschafft” zu haben. Und jede dieser Enttäuschungen nagt nach und nach an unserem Selbstbewusstsein und zermürben es, bis wir irgendwann gar nicht mehr anfangen. Ein bisschen ist das zu vergleichen mit dem ewigen Scheitern von Diäten, die man immer ganz motiviert angeht, um dann festzustellen, dass sie gar nicht nachhaltig sind.

Und deshalb ist jetzt mal was anderes angesagt als Vollgas: Die Wiederentdeckung der Langsamkeit. Vertrauen zu üben, kein oder zumindest deutlich weniger Multitasking, Aktivitäten, die das Gehirn beruhigen, statt nervös zu machen und unter Druck zu setzen, zu hoch gesteckte Ziele erreichen zu müssen.

SlowGrowGlow bedeutet, sukzessive das eigene Selbstbewusstsein wieder zu stärken, in dem man erlebt, dass man viel mehr erreicht, wenn man sich kleinere Ziele steckt und die Freude am Tun neu zu entdecken, während die Weiterentwicklung ein “Nebenprodukt” wird, für die man sich kein Bein ausreißen muss.

Niedrige Messlatten, große Ergebnisse

Eine Sache, die ich jedes Jahr wieder auf meiner Zieleliste hatte und nie so richtig angegangen bin, war, wieder mehr Gitarre zu üben. “Mehr” Gitarre zu spielen ist kein konkretes Ziel und genau so habe ich es auch behandelt - immer war etwas anderes wichtiger.

Laut der SMART-Regel für Ziele (SpezifischMessbarAttraktivRealistischTerminiert) gehört mindestens eine Zeitangabe und ein Enddatum dazu. Bis wann will ich was erreicht haben. Beim Lernen eines Instruments gibt es aber kaum ein richtiges Ende, es geht immer noch weiter. Nun hätte ich mir als Ziel setzen können, jeden Tag 30 Minuten zu üben. Guess what: Nach spätestens 3 Tagen hätte ich das erste Mal meine Übungseinheit geskippt, weil es nicht mit meinem Alltag kompatibel gewesen wäre. Und schon wäre wieder die erste Enttäuschung im Spiel gewesen. Disziplin ist zwar ein Zauberwort und ja, Disziplin ist super, aber nicht um jeden Preis.

Und so habe ich mir dieses Jahr eine andere Methode überlegt. Im Sinne des SlowGrowGlow ist mein einziges Ziel, die Gitarre alle zwei Tage - Achtung, jetzt kommt´s - überhaupt in die HAND zu nehmen. Es reicht, sie anzufassen. Und jetzt ratet mal, was dann passiert. In der Regel fange ich an zu spielen. Und wenn es nur 2 Minuten sind, oft wird es aber länger. Und so spiele ich jetzt schon deutlich mehr als ich es in den letzten Jahren getan habe.

Das Gleiche funktioniert auch in anderen Bereichen. Du willst “mehr” lesen? Dann fang damit an, dass Du Dein Buch morgens bereits auf Dein Kopfkissen legst, sodass Du es abends in die Hand nehmen musst, um Dich schlafen legen zu können. Ich wette mit Dir, dass Du wenigstens einmal ins Buch reinschaust und vielleicht sogar eine Seite liest.

“And this is how I met….”

…mein kreatives Strahlen (again). Wenn Du Dir vornimmst, wieder kreativer sein zu wollen, dann mach es Dir nicht zu schwer. Dann übertreibe es nicht, in dem Du Dir viel zu hohe Ziele setzt, die überhaupt nicht zu Deinem Alltag passen. Je kleiner Dein Ziel, desto wahrscheinlicher, dass Du mehr erreichst. Es kann sein, dass es Dir merkwürdig vorkommt und es kann auch sein, dass Du glaubst, dass es ewig dauern wird, bis Du Fortschritte siehst. Aber ich verspreche Dir, dass Du schneller Fortschritte sehen wirst, wenn Du jeden Tag einen kreativen Mikro-Moment hast, als wenn Du 2 Wochen Vollgas gibst und danach komplett aufhörst.

Wir müssen nicht immer auf dem kürzesten und schnellsten Weg zum Ergebnis kommen. Es wird uns nur ständig suggeriert, dass es nicht gut ist, wenn wir uns Zeit lassen. Zeitlassen ist in unserer westlichen Kultur nicht so recht akzeptiert. Und dann kommen wir auf so krude Ideen, 10 Kilo in einer Woche abnehmen zu wollen, nur um dann zu erkennen, dass das gar nicht möglich ist (aber so recht glauben wollen wir es nicht).

Und genauso ist es mit Deinen kreativen Ergebnissen. Es kommt gar nicht so sehr drauf an, was hinten rauskommt. Es kommt drauf an, ob Du im Prozess Freude hast, denn das steigert die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Ergebnis sich irgendwann sehen lassen kann.

Der erste Schritt

Der erste Schritt führt leicht zum nächsten. Zumindest leichter, als würde ich mir vorher überlegen, dass ich 15000 Schritte machen muss, um anzukommen. Dann zögere ich überhaupt loszugehen. Aber wer losgeht hat die Chance eine Menge schöner Begegnungen zu machen und Erfahrungen zu sammeln. Und damit wächst die Vorfreude auf das, was Dir auf dem Weg noch so alles begegnet. Und was auch wächst: Deine Überzeugung, dass Du Dich entwickelst.

Und? Gehst Du heute Richtung SlowGrowGlow los?

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