Na. 💜 Ihr.
Während bei mir gestern der nach-Hitze-wirds-endlich-kühler-und-mein-Gehirn-weiß-nicht-wohin-mit-so-viel-Energie-Zustand gekickt hat, hat Leonie im Atelier eure Juli-Flausenpost losgeschickt. Viele von euch mit Adresse in Deutschland hatten die heute schon im Briefkasten, bei den anderen kommt sie bald!

“Mach bitte was zu Bedürfnissen”: Das habt ihr mehrfach als Kunstverbunden-Wunsch an mich herangetragen und dem bin ich diesen Monat nachgegangen. Und wisst ihr: Ich finde das gar nicht so einfach. Der Bedürfnis-Begriff wabert gesellschaftlich irgendwo zwischen
//“heutzutage ist ja alles ein Bedürfnis, früher hat man sich da nicht so angestellt”, (vielleicht. Und wir wissen vermutlich alle, zu wie viel Überlastung das geführt hat.)
// übergriffigem Verhalten, das mit “ist halt ein in uns Männern angelegtes Bedürfnis” scheinbar legitimiert wird, (ehm. Nein. Übergriffigkeit ist kein Bedürfnis und Verantwortung für dein Handeln trägst du ganz allein.)
// “Bedürfnisorientierung, das sind doch die Eltern, die ihren Kindern keine Grenzen setzen” (so bitter, dass dieses Missverständnis nach wie vor in so vielen Köpfen ist) und
//“super wichtig, dass du auch auf deine eigenen Bedürfnisse achtest”.
Ahaha. Ich lache laut angesichts des letzten Satzes und dem hinter mir liegenden Tag, der um 5:30 Uhr begann und mit vielen Kindern, gefühlten 1000 Brotdosen, einem spontan abgezogenen Sofa, Meltdowns, Elterndienst im Kindergarten, zwei Elterngesprächen und diversen anderen Dingen weiterging. Raum für eigene Bedürfnisse, wenn wir Eltern sind? Raum für eigene Bedürfnisse, wenn wir pflegende Eltern sind? Ahahaha.
(Passend dazu lasse ich euch mal dieses Foto hier, was zur Babyzeit unserer Zwillinge entstand und in das ich aus tiefer Wut über unseren bayerischen Ministerpräsidenten und seine familienfeindliche Politik Markus Söders Gesicht einsetzte. Nach dem Motto: kann er ja mal selbst den Alltag mit all diesen Kindern wuppen für ein paar Wochen und dann sprechen wir weiter…)

Aber um dieses Erleben zu teilen, braucht es nicht unbedingt die Erfahrung von Elternschaft. Auch andere Care-Verantwortung in welcher Form auch immer; Überlastung, chronische Erschöpfung, Ausnahmezustände oder einfach nur die Existenz in einer 40-Grad-Woche reichen aus, um ein Gefühl von “wie soll das denn bitte möglich sein, meine Bedürfnisse ernst zu nehmen????” zu erzeugen. I know. Manchmal ist das next level. Manchmal ist es kaum möglich. Manchmal fühlt sich die Aufforderung nach “jetzt denk aber auch mal an dich” absolut höhnisch an oder zumindest völlig an der Realität vorbei.
Und doch habe ich dieses Thema in den Juni genommen. Und doch habe ich eine Postkarte für euch illustriert, die den Titel “Meine Bedürfnisse sind wichtig” trägt. Ich habs nur getan, weil ich aufrichtig weiß, wovon ich da spreche, wenn ich sage, es sind 6 Herdplatten und alle wirklich ALLE sind 24/7 belegt. Und ich weiß, wovon ich male, wenn ich da ein “5 vor 12” (rw) auf die Ofenuhr male. Und ich weiß, wie es ist, wenn irgendwann der Rauchmelder geht.
Ohne pauschale Lösungen für “wie kann das denn gehen, all diese Herdplatten gleichzeitig zu bedienen?” zu haben, ist mir mit der Flausenpost zunächst erstmal das hier wichtig: Wir brauchen ein Basisbewusstsein darüber,
welche Herdplatten wir da überhaupt gleichzeitig bekochen und was das für eine enorme Leistung ist (!) (!!!)
wo unsere eigene sich befindet
und eine Grundverbundenheit mit dieser Herdplatte; mit unseren eigenen Bedürfnissen. (Deswegen habe ich das als Motiv für eure Zusatz-Karte gewählt - die bekommt ihr ja vier mal jährlich jeweils mit Bezug zum Jahresmotiv “verbunden sein”.)
Das ist essentiell, um überhaupt auch nur ansatzweise Strukturen zu schaffen, die uns berücksichtigen und nicht komplett ausbrennen lassen.

Weiterführende Impulse dazu gibt es dann in 2 Wochen in den Funkelflausen: Die bestehen diesen Monat aus mehreren Arbeitsblättern für euch und wir werden uns gemeinsam anschauen, welche Bedürfnisse es überhaupt gibt, was Bedürfnisse von Wünschen unterscheidet und wie wir für uns sorgen können, was wir ändern können und wo vielleicht auch Grenzen sind.
Ich könnte jetzt hier noch ewig weiterschreiben, aber vernünftigerweise sollte ich schlafen. Bedürfnisse und so.
Und so wünsche ich euch, dass ihr die Flausenpost diesen Monat in euren Alltag mitnehmen könnt - danke für eure Impulse und Gedanken! - und sage euch gute Nacht.
Alles Liebe zu euch