Wie gewinne ich Klarheit?
Ich miste mal wieder meinen Kleiderschrank aus.
Ich habe eine immer wiederkehrende Fantasie von einer Capsule Wardrobe, einer minimalistischen Garderobe, in der alle Teile miteinander kombinierbar und ausnahmslos von exquisiter Qualität sind. Eine Garderobe, nicht nur schön, sondern auch effizient, eine Garderobe ohne Reibungsverlust, ohne Sollbruchstellen, eine, in der ich einfach blind reingreifen und egal was rausholen kann, und dann passt alles zusammen und ist makellos.Â
Die Phasen, in denen ich von einer Capsule Wardrobe fantasiere, sind die gleichen, in denen ich Listen mache, und Routinen zu etablieren versuche, und keine Carbs esse, und keinen Zucker, und neue, weiße, leere Notizbücher anfange. In die ich nur die fünf wichtigsten oder die drei wichtigsten Dinge rein schreibe, in denen ich—so die Idee—nie was durchstreiche oder neu anfange, nie irgendwas in einer falschen Reihenfolge mache, nie irgendwas an den Rand kritzle. Das sind die Zeiten, in denen ich Zeug wegschmeiße, alle Fotos aus meinem Telefon lösche, meine Haare schneiden lasse, meine Wände streiche. Was unter all dem liegt, ist die Sehnsucht nach Klarheit.Â
Klarheit ist das beste, was es gibt auf der Welt. Klarheit ist immer das Ziel, bei allem.Â
Wissen, wo man hingehört. Wissen, zu wem man gehört. Wissen, was man tun und lassen kann. Was man will und nicht will. Was als nächstes passieren wird. Wissen, was ein eindeutiges Nein, was ein eindeutiges Ja ist. Nicht mehr zehn Ausnahmeregelungen haben, sondern nur eine einzige Regel. Wissen, welchen Farbe einem steht und welche nicht. Den fucking Kontostand kennen. Wissen, was Priorität hat.Â