Wie bereits gesagt (Si apre in una nuova finestra), geht es in meinem ersten Roman um drei Männer.
Die drei Männer haben eine lange, gemeinsame Vorgeschichte. Im Auszug geht es darum, wie der Eine von Ihnen auf eine, schließlich von ihm selbst verursachte, gravierende Veränderung zufährt.

Ein Satzspiegel, wie im Buch, ist hier leider nicht möglich. Sorry!
Das erste Mal
Der starke Mann ist
stärker ohne Gewalt
- Bertolt Brecht -
An einem Donnerstag, Oktober 2013, abends
Lukas fuhr auf dem Osterdeich in stadteinwärtiger Richtung. Endlich hatte die Heizung seines nagelneuen BMWs die Feuchtigkeit aus dem Innenraum befördert, sodass Lukas endlich ein vollumfängliches Blickfeld vor sich hatte.
Er dachte an das Gespräch mit seinem Chef am Mittag. Wieder einmal ging es um Überstunden, die Lukas machen sollte. Lukas konnte kaum noch zählen, wie oft er bereits länger gearbeitet hatte.
Er hatte es eilig, nach Hause zu kommen. Auch deshalb bemerkte er die rote Fußgängerampel wohl eher beiläufig.
»Verdammt nochmal, wer drückt denn bloß um diese Uhrzeit die Ampel?«, fluchte Lukas und trat auf das Bremspedal. Er kam zum Stehen und niemand überquerte die Ampel. Er wendete seinen Kopf nach links. Dann nach rechts. Weit und breit keine Fußgänger oder Fahrradfahrer. Dazu dauerte es typischerweise eine halbe Ewigkeit, bis die Ampel wieder auf Grün umsprang.
Sein Chef war mal wieder extrem unnachgiebig, befand er, während er seinen Wagen beschleunigte. Und er selbst hatte keine Argumente gefunden, musste sich Lukas eingestehen.
Also lagen wieder einmal Überstunden an und es war ihm wieder nicht gelungen, diese abzuwenden.
Es dämmerte bereits. Unversehens sah er sich von einem Autofahrer vor ihm behindert.
»Was machst du denn da?«, rief er und schlug mit seiner rechten Hand auf das Lenkrad. »Mach hinne, Junge!«, schrie er lauthals. »Das gibts doch gar nicht!«
Lukas beschleunigte seinen Wagen und näherte sich der Stoßstange seines Vordermanns. Als er hupte, ließ sich sein Vordermann dadurch anscheinend nicht beeindrucken, denn er fuhr in gewohnter Manier vor ihm her. Lukas ließ sich zurück in den Sitz fallen und atmete tief durch.
Auf der linken Seite wurde es hell.
Lukas fuhr am Weserstadion vorbei, aus dem grelles Licht in den Himmel flutete. »Das ist auch so eine Gurkentruppe«, dachte er, während er einen kurzen Blick riskierte. Wieder nach vorne schauend, verstand er nicht. Die Nervensäge vor ihm war weg. »Wie in Luft aufgelöst«, dachte er, schaltete dann einen Gang tiefer und nahm Tempo auf.
Endlich, gut fünfzehn Minuten später, steuerte er seinen Wagen auf die Einfahrt des Einfamilienhauses in der Nähe des Bürgerparks, welches er mit seiner Ehefrau Petra und seinen beiden Kindern Lydia und Peer seit einigen Jahren bewohnte. Es war inzwischen dunkel. Nachdem er seinen Wagen verlassen und abgeschlossen hatte, ging er über den Rasen zur Eingangstür, die wider Erwarten geöffnet wurde.
Seine Frau erwartete ihn. »Gut, dass du endlich da bist. Peer macht mich noch wahnsinnig«, sagte Petra in der Tür stehend.
Lukas ging an Petra vorbei ins Haus, ohne sie eines Blickes zu würdigen, und weiter direkt die Treppe hinauf in den ersten Stock. Kaum in seinem kleinen Arbeitszimmer angekommen, hörte Lukas, wie Petra ihm nach oben folgte und vom Flur aus laut sagte: »Lukas! Ich spreche mit dir. Und ich möchte, dass du mir zuhörst!«
Lukas legte seinen Aktenkoffer auf seinen Schreibtisch und drehte sich abrupt um. »Und ich möchte jetzt nicht reden, sondern meine Ruhe haben!«
Nachdem Petra auf dem Absatz kehrtgemacht hatte und bereits auf dem Weg nach unten war, rief er: »Was gibt es zu essen?«
Lukas begann, sich auszuziehen, und ging dann ins Bad, um eine Dusche zu nehmen.