Herzlich willkommen bei Parabel Post! - Ausgabe 7
Wie wütend warst du diese Woche? Denk’ wirklich mal kurz über diese Frage nach.
Und dann versuch’ dich zu erinnern, welches Thema dich besonders wütend gemacht hat. War es ein Video, auf das du geklickt hast? War es eine Überschrift eines Artikels?
Überschriften, die uns emotionalisieren, Beiträge, die uns mitfiebern und eintauchen lassen - geleitet und auf eine Weise, dass man sich eigentlich fragen muss, ob man sich gerade nicht doch eher in Prosa verliert - das ist die Fähigkeit des Boulevard. Und ich lehne mich aus dem Fenster und behaupte: Wenn wir an solche Überschriften denken - dann fällt uns als erstes die Bild ein. Ein Medium, dem die meisten hier wohl viel Antipathie entgegenbringen.
Nun bin ich heute über die Lebensgeschichte von Joseph Pulitzer gestolpert. Den Pulitzerpreis kennt man natürlich, zumindest in journalistischen Kreisen, als den wohl renommiertesten Preis für Journalismus. Das stimmt übrigens gar nicht - tatsächlich werden da auch Romane und Musik und Theaterstücke ausgezeichnet, also geht es eher um Publizistik - aber das nur am Rande.
Ein Journalist wird mit dem Pulitzer Preis ausgestattet, wenn er überragende investigative Qualität mit entsprechendem Impact beweisen kann. So gab es etwa einen Pulitzer Preis für die Recherche zu den Panama Papers - unter anderem für die SZ.
Pulitzer vermachte in seinem Testament 2 Millionen Dollar der Columbia University, damit die damit eine Journalistenschule und einen Preis ins Leben rufen konnte.
Denn der Mann, dessen Name heute mit größter publizistischer Exzellenz verbunden ist, sorgte sich um sein Vermächtnis.
Sein umfassendes Vermögen erwarb er sich nämlich - und das finde ich nur fair gegenüber journalistischen Aspiranten, die zu ihm noch nicht recherchiert haben (lol) - NICHT mit dieser Art von Journalismus. Er kaufte marode Zeitungen auf und “erfand” den Clickbait. Große, knallige Überschriften, die vor Sensationslust triften. Geschichten, die den analytisch, snobistischen Habitus der Zeitungen der Zeit ablegten und das Zeitunglesen zum Erlebnis machten. Das erschloss den Zeitungsmarkt für Jedermann, aber setzte auch eine Spirale in Gang, die erschreckenderweise in einem Krieg gipfelte, weil sie sich den Fakenews angeschlossen hatten, die die USA zu einem Kriegseintritt gegen Spanien 1895 zwangen und damit nicht nur den Beginn des Kolonialismus der USA begründete - sondern auch die Abhängigkeit Kubas von den USA. Erst danach fand er zur journalistischen Ehre zurück. Und das zeigt für mich, dass es die Herausforderung für Publikationen nicht erst seit Clickbait auf Youtube gibt - sondern schon seit dem 19. Jahrhundert. Die Aufmachung muss die Menschen mitreißen und sie bewegen, sonst werden Beiträge kein Erfolg. Aber der Inhalt, der muss trotz allem korrekt und faktual sein.
Und für alle, die darüber die Nase rümpfen, haben wir ja hier die Parabelpost! In diesem Sinne: Viel Spaß!
Achso eins noch! Ich habe eine Frage an dich: Da wir kurz davor sind, unser nächstes Abonnenten Ziel zu erreichen (Yay!) - was könnten wir der Parabelpost als nächstes hinzufügen? Keine Sorge, wenn dir nichts einfällt, ich hab’ da noch ne Menge Ideen. Aber es geht ja nicht um mich - sondern um dich. Also schreib mir doch hier gerne dazu!
So. Jetzt gehts aber los!
Alex