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Hör dir selbst zu

Ein Freund meinte kürzlich zu mir: In Zeiten wie diesen wird Idealismus zu Realismus. Oder anders gesagt: Nach den Sternen greifen, ist das einzige was uns bleibt. 

Warum?

Weil alles andere zu wenig ist. Wir leben weiterhin in einem System, das unsere Lebensgrundlagen zerstört. Selbst konservative Schätzungen gehen davon aus, dass die Klimakrise zu einem Multiple Breadbasket-Failure führen könnte. Also massive Ernteausfälle in allen großen Anbaugebieten der Welt. Die Folge: globaler Hunger, denn ohne Weizen und anderes Getreide geht nichts. 

Gleichzeitig eskalieren die globalen Spannungen, Europa denkt über eigene Atomwaffen nach, und dann ist da die Sache mit Künstlicher Intelligenz: Ein Werkzeug, das alle bisherigen in den Schatten stellt. Eine Technologie, die alle bestehenden Krisen verschärft und beschleunigt, denn sie basiert auf den Werten ihrer Erschaffer, also Männern wie Mark Zuckerberg, Elon Musk und Sam Altman, deren Motto ist: Move fast and break things. Profit machen, auch wenn die Welt dabei drauf geht. Oder wie Altman es sagt: „KI wird höchstwahrscheinlich zum Weltuntergang führen, aber bis dahin wird es großartige Unternehmen geben.“ 

In solchen Zeiten reicht es nicht mehr, etwas gegen Mikroplastik zu unternehmen, ein Moor zu schützen, für niedrige Mieten zu kämpfen. Keiner dieser Kämpfe kann gewonnen werden, wenn unsere Lebensgrundlagen kollabieren.

Das heißt nicht, dass wir nicht heute noch einen Apfelbaum pflanzen sollten, auch wenn morgen die Welt untergeht. Aber wir sollten umsichtig dabei sein, das größere Ganze im Blick behalten: Ohne eine Revolution, die dazu führt, dass Macht zu uns Bürger:innen umverteilt wird, und den Kapitalismus durch ein lebensbejahendes System ersetzt, sehen wir einem Kollaps entgegen. 

Die gute Nachricht ist: Wir leben in vorrevolutionären Zeiten, und da ist alles möglich, oder fühlt es sich nicht so an? 

Krisen an allen Ecken und Enden, politische Polarisierung, und eine Weltwirtschaft, die auf ihre nächste große Krise zusteuert. 

Was tun wir, um uns darauf vorzubereiten?

Erstens müssen wir uns ein für alle mal klarmachen, dass das System der Gewalt, in dem wir leben, nicht mehr tragbar ist. Wir müssen für uns selbst entscheiden, dass wir uns daraus befreien wollen. Dass wir nicht mehr in einer Welt der Dominanz und Hierarchie leben wollen, sondern Schönheit priorisieren, also das Leben im Einklang mit den Bedürfnissen der anderen – anderer Menschen, Tiere, Pflanzen, Mikroben. 

Wir müssen uns klarmachen, dass wir dieses System nicht mehr akzeptieren, weil es auch uns, unserer Seele und auch ganz physisch unseren Körpern schadet – die Folgen von Depression, Trauma und Einsamkeit sind real. 

Zweitens müssen wir eine Bewegung aufbauen, die diese Werte verkörpert – im Innen und im Außen. Es geht darum, wie wir miteinander und unseren politischen Gegnern umgehen. Wir stellen Gewaltfreiheit in den Mittelpunkt unseres Tuns, denn sie ist die wahrhaft radikale Haltung: Der Gewalt nicht mit Gewalt begegnen, sondern mit Schönheit und Liebe.

Um das in politische Wirksamkeit zu übersetzen, braucht es viele, viele Menschen, die auf die Straße gehen. Zusätzlich müssen wir anfangen, unsere eigenen Institutionen aufzubauen – Parlamente, in denen nicht das Recht des Stärkeren gilt, sondern Verständnis, Ausgleich und Kooperation im Mittelpunkt stehen. 

Bürgerräte sind solche Orte, und sie produzieren so radikale Ergebnisse, weil die meisten Menschen pro-sozial eingestellt sind, und diese Einstellung dann hervorkommen und wirksam werden kann. 

Drittens reicht es nicht, draußen auf der Straße an den Toren der Macht zu rütteln. Wir müssen rein in das System. Das funktioniert, indem wir entweder massenhaft die Linkspartei und die Grünen dahingehend lobbyieren, dass sie einen Systems Change-Ansatz verfolgen, oder aber wir gründen eine eigene Partei. 

Mit den Piraten, Klimaliste und Co. sind solche Versuche gescheitert, und du könntest sagen: Das haben wir probiert, bringt nichts. Aber all diese Parteien konzentrierten sich auf einen Teilbereich und keine traute sich die simple Wahrheit auszusprechen: Das System ist am Ende, es dient uns Menschen nicht mehr, wir brauchen etwas Besseres und bauen es jetzt. 

Warum das Erfolg haben sollte? Weil AfD, Front National und Trump das gerade beweisen. Keiner von denen hat irgendwelche smarten Konzepte. Aber sie sind glaubwürdig in ihrer Systemkritik, und viele Menschen glauben den bürgerlichen Parteien und ihren Versprechen, dass es besser wird, nicht mehr. Zurecht, denn man kann diese Versprechen innerhalb des Systems nicht halten. Das spüren die Menschen. Aber wo die Rechten Hass und letztlich Selbstzerstörung anbieten, denn sie werden die Krisen unserer Zeit nicht lösen können, bieten wir den Aufbruch in eine neue Welt, und die Chance, dass die Kinder von heute ein Morgen erleben dürfen. 

Viertens müssen wir uns vorbereiten auf den Augenblick, in dem die Weltwirtschaft zusammenbricht. Das sind die Augenblicke, in denen viel Wandel in kurzer Zeit möglich ist. Was dann zu tun ist: Massendemonstrationen, Bürgerräte im ganzen Land, Streiks, und ganz wichtig: gemeinsam und laut träumen, was für eine Welt wir wollen. 

Keine Organisation und keine Bewegung kann all das alleine schaffen. Dafür braucht es uns alle. Dafür braucht es Demut, gegenseitiges Verständnis und Risikobereitschaft. Es braucht ein Commitment, das auch wirklich zu wollen. 

Horch doch mal hin: Gibt es eine Stimme in dir, die von einem Leben in Schönheit träumt – für dich und für alle? 

Falls ja, dann schau doch mal, ob du ihr in den kommenden Tagen öfters zuhören kannst. Und falls sie dir gefällt, diese Stimme, vielleicht magst du sie mal fragen, was sie denkt, was du als nächstes tun solltest. 


 



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